Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit gebrochene Knochen schneller heilen

06.06.2007
Die Behandlung von Knochenbrüchen bei Patienten mit Osteoporose soll in Zukunft besser werden. Dieses Ziel hat sich eine neue überregionale Forschergruppe gesetzt, deren Einrichtung die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nun bewilligt hat. Aus der Uni Würzburg ist die Arbeitsgruppe von Professor Franz Jakob daran beteiligt.

Die Forschergruppe ist auf sechs Jahre angelegt, wobei sie sich nach drei Jahren einer Zwischenbegutachtung zu unterziehen hat. Die Würzburger haben für das Vorhaben Stellen für zwei Wissenschaftler und eine Technische Assistenz genehmigt bekommen. Insgesamt fördert die DFG das Würzburger Team in den kommenden drei Jahren mit rund einer halben Million Euro.

Die Heilung von Knochenbrüchen ist bei Patienten mit einer Osteoporose gestört und verzögert. Falls die Brüche operiert werden müssen, können die notwendigen Implantate häufig nur schwierig in dem brüchigen Knochengewebe befestigt werden: "Darum haben die derart versorgten Frakturen nicht die nötige Anfangsstabilität, um eine schnelle Mobilisierung und Rehabilitation zu gewährleisten", erklärt Professor Jakob.

Patienten mit Osteoporose sind aufgrund ihrer Krankheit ohnehin schon in ihrer Mobilität eingeschränkt und können sich auch nicht mehr vollständig selbst versorgen. Wenn dann ein Knochenbruch dazukommt, der die Betroffenen noch unbeweglicher macht, verschärft sich ihre Lage deutlich. Nicht selten kommen weitere Komplikationen hinzu, die sich aus der Notwendigkeit der Krankenhauseinweisung und der folgenden Bettlägerigkeit entwickeln.

... mehr zu:
»Knochen »Osteoporose »Stammzellen

Das Ziel der DFG-Forschergruppe ist es darum, die molekularen und zellulären Mechanismen der gestörten Knochenheilung zu erfassen. Mit diesem zusätzlichen Wissen sollen dann neue therapeutische Möglichkeiten und Strategien entwickelt werden, mit denen sich die Heilung beschleunigen und die Stabilisierung des Knochens operativ verbessern lässt.

Das Konsortium setzt sich zusammen aus vier Arbeitsgruppen aus den Universitäten Ulm, Hamburg, München und Würzburg. Ihre Fähigkeiten ergänzen sich in idealer Weise: Die Gruppe des Sprechers, Professor Lutz Claes, vom Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik in Ulm befasst sich seit Jahren mit der Biomechanik bei der Heilung von Knochenbrüchen und bringt von daher die Kompetenz für die Entwicklung neuer operativer Verfahren mit. Die Hamburger Forscher um Professor Michael Amling von der Unfallchirurgischen Klinik sind Spezialisten für die Genetik der Osteoporose am Maus-Modell. Sie können wichtige Beiträge zu den zellbiologischen Mechanismen liefern, die bei der Osteoporose gestört sind.

Das Münchener Team setzt sich zusammen aus Wissenschaftlern der Chirurgischen Klinik der Universität unter der Leitung von Professor Wolf Mutschler und aus Forschern vom Institut für molekulare Tierzucht und Biotechnologie unter der Leitung von Professor Eckhard Wolf. In diesem Institut wurden Methoden zur Klonierung von Großtieren erarbeitet. Darum gibt es dort die Möglichkeit, Modelle für osteoporotische Brüche zu entwickeln und operative Verfahren zu testen. Dazu Professor Jakob: "Wenn neue chirurgische Methoden gefunden werden müssen, ist aus technischen Gründen die Erprobung an großen Tieren wie zum Beispiel Schweinen unverzichtbar, bevor man die Verfahren am Menschen anwendet. Die Klonierung der Tiere ermöglicht kontrollierte Verhältnisse, und die gleichmäßige Zusammensetzung der Tierversuchsgruppen hilft sicherlich dabei, die Anzahl von Tierversuchen auf diesem Gebiet zu begrenzen."

Die Würzburger Arbeitsgruppe aus dem Orthopädischen Zentrum für Muskuloskelettale Forschung beschäftigt sich mit den Defekten, die bei Menschen mit Osteoporose an den so genannten mesenchymalen Stammzellen auftreten. "Diese Stammzellen sind die Quelle der Regenerations- und Heilungskapazität des Knochens, so dass man aus ihrer Charakterisierung im Vergleich zu gesunden Stammzellen eine Identifikation der Defizite erwarten kann, die bei der Osteoporose vorliegen", erklärt der Professor. Die Würzburger arbeiten eng mit den Hamburgern zusammen, um deren an Mäusen gewonnene Ergebnisse mit den Verhältnissen bei menschlichen Stammzellen zu vergleichen. So wollen die Forscher möglichst wichtige zellbiologische Veränderungen herausgreifen und sie auf ihre therapeutische Verwertbarkeit hin untersuchen.

Das Orthopädische Zentrum für Muskuloskelettale Forschung arbeitet in der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus des Bezirks Unterfranken. Leiter der Klinik ist Professor Jochen Eulert, der zugleich den Lehrstuhl für Orthopädie der Universität innehat. Leiter des Zentrums ist Professor Jakob. Seine Arbeitsgruppe wird großzügig unterstützt vom Bezirk, der die Räume zur Verfügung stellt und für die Grundausstattung der Forscher aufkommt.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Franz Jakob, Zentrum für Muskuloskelettale Forschung, T (0931) 803-1581, f-jakob.klh@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de/

Weitere Berichte zu: Knochen Osteoporose Stammzellen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE