Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der transplantierte Patient das eigene Organ weitergibt

01.10.2004


Patienten, die an der Stoffwechselkrankheit "Amyloidose" leiden, profitieren von einer Lebertransplantation und spenden ihre eigene Leber("Domino-Transplantation")



Das Transplantationszentrum Heidelberg an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten Zentren in Deutschland entwickelt, das Patienten mit der Stoffwechselkrankheit "Amyloidose" versorgt. Bislang wurden dort elf "Domino-Transplantationen" vorgenommen. "Die Dominotransplantation einer Leber bietet den Amyloidose-Patienten eine Chance auf längeres Leben und mehr Lebensqualität", erklärte Professor Dr. Dr. h.c. Markus Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, bei einer Pressekonferenz anlässlich des 2. Heidelberger Transplantationssymposiums am 1. Oktober 2004. Gleichzeitig können diese Patienten durch die Spende ihrer eigenen Leber einem anderen schwerkranken Patienten das Leben retten.



In Deutschland leiden ca. 1000 Menschen einer angeborenen Amyloidose. Bei der angeborenen Stoffwechselerkrankung lagern sich bestimmte Eiweiße u.a. in Nerven, Herz und Nieren ab und schädigen ihre Funktion. Die ersten Beschwerden setzen nach dem 30. Lebensjahr ein; die Patienten sterben meist innerhalb von zehn bis 15 Jahren nach Einsetzen der ersten Symptome, oft an Herzproblemen.

Ursache der Amyloidose ist ein angeborener Gendefekt, der zur Folge hat, dass die Leber bestimmte Eiweiße nicht abbauen kann. Diese lagern sich in typischer Struktur (Fibrillen) außerhalb der Zellen als Amyloid ab und beeinträchtigen die Funktion der Organe und Gewebe. Zwischen dem 30. und 70. Lebensjahr machen sich die Ablagerungen erstmals bemerkbar, meist durch Schädigung der Nerven.

Lebertransplantation stoppt Amyloidose und verbessert Beschwerden

In der Leber selbst wird kein Amyloid abgelagert. Da sie aber aufgrund des Gendefekts für den mangelhaften Einweißabbau verantwortlich ist, kann derzeit nur ein Austausch des Organs die Erkrankung stoppen. Durch eine Lebertransplantation kann die Krankheit zumindest gestoppt werden; oft nehmen die Beschwerden ab.

Die entnommene Leber kann wiederum einem anderen leberkranken Patienten übertragen werden, der nicht an Amyloidose leidet ("Domino-Transplantation"). Dem Empfänger der Amyloidose-Leber wird zwar auch der Gendefekt mittransplantiert, so dass es ebenfalls zu Ablagerungen im Körper kommt. Allerdings setzen die Beschwerden erst nach 30 Jahren ein. Die Patienten sollten deshalb zum Zeitpunkt der Transplantation mindestens 50 Jahre alt sein. Da sie ohne Transplantation innerhalb weniger Jahre an ihrer Lebererkrankung sterben würden und derzeit nicht genügend Spenderorgane für alle Patienten zur Verfügung stehen, bietet ihnen die Übertragung des Amyloidose-Organs eine Chance auf einige Jahrzehnte beschwerdefreien Lebens.

Ansprechpartner:

Professor Dr. Thomas Kraus
Leiter der Sektion Lebertransplantation
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Thomas_Kraus@med.uni-heidelberg.de

Privatdozent Dr. Peter Sauer
Leiter der Sektion Lebertransplantation
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Peter_Sauer@med.uni-heidelberg.de
Tel: (Sekretariat) 06221 / 56 65 38

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.transplantation-center.com/
http://www.chirurgieinfo.com/
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Berichte zu: Amyloid Amyloidose Gendefekt Lebertransplantation Organ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics