Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues zur Therapie von Alopezien und Hypertrichosen

24.04.2001


Haarausfall kann für betroffene Männer und Frauen einen sehr hohen Leidensdruck erzeugen. Verdeutlicht wird dies durch die Vielzahl von Mitteln mit angeblicher Wirkung gegen Haarausfall (Alopezie). Aber auch
ein Zuviel an Haaren (Hypertrichose) kann stören, sei es in Form eines Damenbartes oder einer massiven Körperbehaarung bei Männern.

Leider finden auf dem Gebiet der Haarwachstumsstörungen bis in die heutige Zeit Scharlatane ihr Auskommen mit nicht haltbaren Versprechungen. Als durchgehend unseriös sind die zahlreichen Institute für Haaranalysen zu bezeichnen, die nicht selten eine unselige Allianz mit Apotheken eingehen. Bei fast jeder dieser Haaranalysen zeigen sich angebliche Auffälligkeiten der Mineralstoffe. Hier ist die Abzockerei aber noch nicht beendet: Selbstverständlich kann das suggerierte Mineralstoffproblem durch spezielle, teure Diäten behoben werden ...

Unser Symposium "Neues zur Therapie von Alopezien und Hypertrichosen" am 25. April 2001 in der Dermatologischen Klinik der Universität München dient dazu, den aktuellen Stand der seriösen medizinischen Forschung und Therapie auf dem Gebiet der Alopezien und Hypertrichosen zu bestimmen.

In dem ersten Vortrag wird Privatdozent Dr. Ralph M. Trüeb die Entwicklung der medizinischen Trichologie von Magie und Kosmetik hin zu einer wissenschaftlichen Disziplin aufzeigen.

Anschliessend referiert Professor Dr. Ralf Paus über die komplexe Steuerung des Haarzyklus. Jedes der etwa 100.000 Haare auf dem Kopf durchläuft drei Entwicklungsstadien: Eine 3-6 Jahre dauernde Wachstumsphase (Anagen) und eine 2-4 Monate dauernde Übergangsphase (Telogen). Erst danach fällt das Haar aus und findet sich z.B. nach dem Haarewaschen in der Badewanne. Akute Schädigungen des Haarwachstums wie z.B. durch Heparin-Spritzen manifestieren sich erst nach 2 - 4 Monaten durch verstärkten Haarausfall. Verstellungen der inneren Haarwachstums-Uhr können aber auch physiologische Ursachen haben, wie etwa eine Schwangerschaft. Mütter wissen, dass es mit einer Verzögerung von 2-4 Monaten nach der Geburt zu vorübergehend verstärktem Haarausfall kommt, der sich aber von selbst wieder normalisiert.

Zahlreiche Frauen in Deutschland leiden unter verstärktem Haarwuchs im Gesicht (Hirsutismus). Hirsutismus kann entweder eine harmlose (aber oft sehr störende) Hauttyp-Variante sein, wie bei vielen Griechinnen oder Türkinnen, oder Ausdruck einer krankhaften hormonellen Störung. Daher sollte zunächst immer eine gynäkologische Untersuchung erfolgen, vor allem um ein polyzystisches Ovarien-Syndrom mit überschiessender Androgenbildung auszuschliessen. Neben der Diagnostik wird Professor Dr. Thomas Rabe auch auf die systemischen Therapiemöglichkeiten eingehen. Hier spielen vor allem antiandrogen wirksame Hormonpräparate eine wichtige Rolle.

Die äusserlichen Behandlungsmöglichkeiten bei unerwünschtem Gesichtshaar wird Dr. Christian Kunte darstellen. Besonders interessant ist hierbei eine neue medikamentöse Behandlungsmöglichkeit, die auch ab Herbst 2001 in Deutschland auf Rezept erhältlich sein wird. Wirkprinzip ist die Hemmung des Haarfollikel-Enzyms Ornithindecarboxylase durch den Wirkstoff Eflornithin. Als Creme (Vaniqua®) zweimal täglich angewendet, ist Eflornithin in der Lage, borstige Haare an Oberlippe und Kinn deutlich zu schrumpfen und zahlenmässig zu reduzieren. Doppelblinde, plazebokontrollierte Studien an insgesamt 596 Frauen belegen die Wirksamkeit von Vaniqua®. Betrachtet man nur die deutlich gebesserten Frauen, ergibt sich ein Unterschied von 35% in der Vaniqua®-Gruppe gegenüber nur 9% in der Plazebo-Creme Gruppe. Nachteil des Präparates ist, dass die Creme kontinuierlich angewendet werden muss, sonst geht die Wirkung innerhalb von zwei Monaten wieder verloren.

Hoffnung auf eine dauerhafte Entfernung von unerwünschten Gesichts- und Körperhaaren versprechen neuartige Blitzlampen und Laser-Geräte. Professor Dr. Michael Landthaler wird das Wirkprinzip dieser Geräte erläutern. Es beruht im Wesentlichen auf dem Phänomen der selektiven Photothermolyse. Aufgrund unterschiedlich langer Erholungs-zeiten von Epidermis und Haarfollikel kann eine genau synchronisierte Abfolge von Lichtenergie-Impulsen den Haarfollikel zerstören, ohne die benachbarte Epidermis zu schädigen. Da zum Teil äusserst unangenehme Nebenwirkungen wie Pigment-verschiebungen auftreten können, gehören diese Geräte ausschliesslich in die Hände erfahrener Dermatologen.

Professor Dr. Rudolf Happle wird Entstehung und Therapie der Alopecia areata, des kreisrunden Haarausfalls, beschreiben. Hier kann es innerhalb von Wochen und Monaten zum völligen Verlust der Kopfbehaarung kommen, auch schon bei Kindern. Ursache ist eine reversible Störung des Immunsystems in der Kopfhaut, bei der T-Lymphozyten den Haarfollikel angreifen und in seiner Funktion lähmen. Manchmal verschwindet die Störung spontan, manchmal kommt es zu jahrelanger, kompletter Haarlosigkeit. Die von Herrn Professor Happle entwickelte topische Immuntherapie mit Diphencyprone (DCP) kann selbst nach jahrelanger Haarlosigkeit wieder zum Wachstum der Haare führen.

Privatdozent Dr. Rolf Hoffmann wird über relativ seltene Erkrankungen des Haarbodens sprechen, wie z.B. den chronisch diskoiden Lupus erythematodes, den Lichen ruber planopilaris und die Folliculitis decalvans.

Schliesslich wird Professor Dr. Hans Wolff über die Therapiemöglichkeiten des erblich-hormonellen Haarausfalls (androgenetische Alopezie) bei Frauen und Männern sprechen. Obwohl für die Öffentlichkeit durch das Tragen von Haarteilen meist nicht sichtbar, leiden nicht wenige Frauen bereits vor dem 30. Lebensjahr unter einer deutlichen Haarlichtung im Mittelscheitelbereich. Nach den Wechseljahren nimmt dann die Zahl der betroffenen Frauen stark zu, so dass jede dritte Frau über 60 Jahre eine Verminderung der Kopfbehaarung aufweist. Bei der Behandlung der weiblichen androgenetischen Alopezie spielen Östrogene und systemisch verwendete Antiandrogene eine wichtige Rolle. Die wohl wirksamste Methode zur Verhinderung des weiblichen Haarausfalls ist die zweimal tägliche örtliche Anwendung mit 5%iger Minoxidil-Lösung (Regaine®). Leider ist dieses Mittel in Deutschland bisher nur zur Behandlung bei Männern zugelassen.
Die wirksamste Methode zur Behandlung der männlichen Glatzenbildung ist das Medikament Finasterid (Propecia®). Eine Tablette pro Tag bewirkt, dass die Bildung des für den männlichen Haarausfall entscheidenden Hormons Dihydrotestosteron in der Kopfhaut stark gehemmt wird. Das für den männlichen Körper wichtige Hormon Testosteron wird dabei nicht gesenkt. Neue 5-Jahres-Studienergebnisse belegen die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von Propecia®. Bei 8 von 10 behandelten Männern liess sich der Haarausfall stoppen und mehr als die Hälfte der Behandelten profitierte durch eine objektiv sichtbare Verdichtung der Kopfhaare.

Die Vorträge zeigen, dass sich die von Dermatologen angebotene medizinische Trichologie weit verbreiteten und wichtigen Problemen stellt. Hoffnung geben die in den letzten Jahren entwickelten innovativen Therapieansätze zur Förderung des Haarwuchses auf dem Kopf von Männern und Frauen. Aber auch zur Hemmung störenden Haarwuchses im Gesicht von Frauen gibt es vielversprechende medizinische Ansatzpunkte.

Für weitere Informationen steht Ihnen Professor Wolff gerne zur Verfügung.
Tel.: (089) 5160-6207; Fax: (089) 5160-6208;
E-Mail: hans.wolff@lrz.uni-muenchen.de

S. Nicole Bongard | idw

Weitere Berichte zu: Alopezie Haarausfall Hypertrichose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie