Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler untersuchen die Wirkung von Handys und Smartphones auf Musikvideos

11.02.2011
Zwei Saarbrücker Professoren, Henry Keazor aus der Kunstgeschichte sowie Hans Giessen aus der Informationswissenschaft, erforschen ab kommendem Montag, dem 14. Februar, wie sich Musikvideos verändern müssen, um auf Handys und Smartphones ähnlich erfolgreich zu sein wie im Fernsehen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ab dann ihr Projekt „Zur ästhetischen Umsetzung von Musikvideos im Kontext von Handhelds“ für drei Jahre mit rund 250.000 Euro.

Handys haben das Kommunikationsverhalten enorm verändert. Dank schneller Internetverbindungen und leistungsfähiger Technik sind sie inzwischen aber viel mehr als nur Telefone. Millionen Nutzer surfen mit ihnen im Internet und schauen sich Videos an, während sie auf den Bus warten, in der Schlange stehen oder Mittagspause machen. Es handelt sich also um ein neues Massenmedium, das teilweise anderen Gesetzen folgt als „alte“ Massenmedien – zum Beispiel, weil die Nutzersituation so anders ist. Welche Konsequenzen hat das für die Filmemacher und die Filme selbst? Dies sind die zentralen Fragen, welche beide Wissenschaftler beantworten wollen.

Musikvideos sind ein idealer Forschungsgegenstand, da sie die einzige Form bewegter Bilder sind, die bisher exklusiv auch für Handys und Smartphones angeboten werden. Der Musiksender MTV etwa betreibt einen erfolgreichen Vertriebskanal speziell für Musikvideos, die zum Teil für Handys gemacht wurden. Auf der anderen Seite sind Nachrichtensendungen lediglich die auf dem Handy präsentierte Form der Fernsehsendungen. Sie erfüllen im Gegensatz zu Musikvideos keine speziellen ästhetischen Kriterien.

Die Wissenschaftler vermuten etwa, dass die Präsentation von Videos auf Handys dazu führt, dass beispielsweise die Schnitte wieder langsamer werden. Ganz lange Einstellungen wie im Kino wollen die Fernsehzuschauer nicht mehr sehen, da sie unruhig werden und umschalten. Gleiches gilt für Videos, die auf einem Computermonitor angeschaut werden. Die Schnitte mussten also bisher immer schneller werden. „Jetzt könnten die Schnitte wegen der geringen Fläche der Handybildschirme wieder langsamer werden, damit die Bilder besser zu erkennen sind“, lautet eine Hypothese, die es zu überprüfen gelte, so Hans Giessen. Gleichzeitig mit der „Verlangsamung“ der Clips nimmt die Fülle der Details in den Videos ab, mit denen auf größeren Bildschirmen noch komplexe Bezüge zwischen Musik, Bild und Text untereinander hergestellt wurden. „Solche Feinheiten sind auf den kleinen Handybildschirmen nicht mehr zu erkennen. Filmemacher müssen sich stattdessen neue ästhetische Strategien zur Verzahnung der verschiedenen Bestandteile des Musikvideos erarbeiten“, erklärt Henry Keazor.

... mehr zu:
»Handy »Musikvideos »Smartphone »Video

Veränderungen dieser Art im Produktionsprozess der Videos möchten die Experten mithilfe wissenschaftlicher Assistenten in den kommenden drei Jahren grundlegend untersuchen und eine Systematik herausarbeiten. Langfristig können die Ergebnisse zum Beispiel dafür genutzt werden, um jungen Filmemachern und Videoregisseuren ein theoretisches Rüstzeug mit auf den Weg zu geben.

Beide Wissenschaftler sind ausgewiesene Experten für das ungewöhnliche Forschungsthema: Henry Keazor forscht neben klassischen kunsthistorischen Themen seit Jahren auch auf außergewöhnlichen Feldern. Neben der Ästhetik und der Geschichte der Musikvideos steht unter anderem auch der kunsthistorische Wert von Comics in seinem Fokus. Henry Keazor ist unter anderem mitverantwortlich für die Ausstellung „Imageb(u)ilder“ im Rock-und-Pop-Museum Gronau, die noch bis Juli die Geschichte des Musikvideos präsentiert. Hans Giessen war lange Reporter für das ZDF in Mainz und Saarbrücken. Er wechselte in den 1990er Jahren in die Wissenschaft und beschäftigt sich seitdem vor allem mit Videoproduktion und Medientheorie.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Henry Keazor, Tel.: (0681) 3022317, E-Mail: h.keazor@mx.uni-saarland.de

Prof. Dr. Hans Giessen, Tel.: (0681) 3023537, E-Mail: h.giessen@gmx.de

Thorsten Mohr | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Berichte zu: Handy Musikvideos Smartphone Video

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive