Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitale Spaltung: Landjugend im kommunikativen Abseits

23.09.2008
Junge Menschen ohne Internet sind von der Welt abgeschnitten

Für jüngere Menschen ist es heute längst selbstverständlich, im Internet nach Informationen zu suchen, elektronisch zu kommunizieren und Entertainment-Angebote zu nutzen.

Anwendungen wie Instant Messaging oder Internet-Telefonie haben aber eines gemeinsam: Sie setzen eine schnelle Breitband-Flatrate voraus. Wer nicht über einen dementsprechenden Zugang zum Web verfügt, landet im kommunikativen Abseits. Besonders betroffen von diesem Problem sind die ländlichen Regionen in Deutschland, in denen noch immer zahlreiche Breitbandlücken existieren.

"Gerade in ländlichen Gebieten, in denen ohnehin eine schlechte Infrastruktur besteht, sind junge Menschen ohne Internet schlicht von der Welt abgeschnitten", stellt Bernd Rudolph von der Initiative gegen digitale Spaltung im Gespräch mit pressetext fest. Die Zahl der betroffenen deutschen Haushalte könne nur geschätzt werden. "Man nimmt an, dass zwischen 400 und 2.500 Kommunen im gesamten Bundesgebiet von diesem Problem betroffen sind. Ich glaube, dass eher die zweite Zahl zutrifft", so Rudolph.

Erst kürzlich hat eine repräsentative Studie des BITKOM bestätigt, dass mittlerweile neun von zehn Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren in Deutschland über einen Internetzugang verfügen. Eine weitere Untersuchung hat zudem das Verschicken von Sofortnachrichten, das Einstellen von Fotos, die Beteiligung an Diskussionsforen und online geführte Telefongespräche als beliebteste Online-Aktivitäten ausgewiesen. "Junge Menschen haben ein besonders starkes Bedürfnis, sich kommunikativ auszutauschen. Das Internet ist aufgrund seiner technischen Möglichkeiten geradezu prädestiniert für diesen Austausch", erklärt Rudolph. Dass viele ländliche Regionen in Deutschland nur über eine sehr schlechte oder über gar keine Breitbandversorgung verfügen, sei in dieser Hinsicht ein ernstzunehmendes Problem. "Da die Schule im Ort schon vor Jahren geschlossen wurde, sind unsere Kinder auf das Web angewiesen, um sich mit ihren Klassenkameraden auszutauschen. Ich finde es schlimm, dass so vor allem junge Menschen unter der digitalen Spaltung leiden", meint Rudolph.

Dieses Problem sei zwar inzwischen auch von der politischen Ebene bereits erkannt worden, man setzte aber auf die falsche Lösungsvariante. "Zur Schließung der Breitbandlücken vertraut man auf die Macht des Marktes, dem gegebenenfalls mit staatlicher Beihilfe nachgeholfen werden soll", schildert Rudolph. Die Initiative gegen digitale Spaltung halte von diesem Ansatz jedoch wenig. "Man darf sich in dieser Hinsicht nicht alleine auf den Markt verlassen, denn der versagt in vielen ländlichen Regionen seit Jahren", kritisiert Rudolph. Wirklich helfen würde vielmehr eine Definition von Breitbandinternet als Universaldienstleistung. "Wir fordern eine staatlich gesicherte Breitband-Grundversorgung für alle deutschen Bürger. Auf diese Weise könnte der Staat die Unternehmen zum Ausbau einer entsprechenden Internetverbindung zwingen", betont Rudolph. Die Kosten müssten diese dann in einem Umlageverfahren unter sich aufteilen.

Dass die Initiative mit dieser Forderung nicht alleine steht, zeige der Vergleich mit dem internationalen Umfeld. "Andere Länder haben Deutschland in diesem Zusammenhang noch einiges voraus. So hat die finnische Regierung erst vor wenigen Tagen einen Aktionsplan vorgestellt, der allen Bürgern bis 2010 einen Breitbandinternetanschluss garantieren soll", erläutert Rudolph. Gestärkt durch solche Entwicklungen werde man auch hierzulande weiterhin für eine gesetzlich geregelte Grundversorgung eintreten. "Die Frage nach dem Universaldienst ist für uns keine Frage des 'ob', sondern des 'wann'. Je eher, desto besser. Nicht nur, aber vor allem, für unsere jungen Menschen", so Rudolph abschließend.

Markus Steiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.geteilt.de
http://www.bitkom.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Virtuell und 360°: die Zukunft bewegter Bilder
04.10.2016 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Content-Marketing: In der Praxis angekommen - Studie zu Content-Marketing-Strategien
15.07.2016 | PFH Private Hochschule Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie