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Komplette Digitale Kinokette

24.08.2006
Von der Kamera bis zur Projektion präsentieren Fraunhofer-Forscher die komplette Digitale Kinokette auf der International Broadcast Convention IBC in Amsterdam (8. - 12. 9. 2006).

Filmindustrie und Kinobranche setzen auf eine neue Technologie - das Digitale Kino. Statt auf dem empfindlichen 35-Millimeter-Film werden Kinostreifen künftig auf digitale Datenträger gebannt. Das Digitale Kino soll vor allem durch hervorragende Qualität überzeugen. Nur so kann sich das Filmtheater auch in Zukunft deutlich vom Fernsehen absetzen. Dazu muss jedoch die komplette Kino-Kette von der Produktion bis zur Projektion digitalisiert werden. Lösungen hierfür bietet die Fraunhofer-Allianz Digital Cinema.

Kamera läuft!

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS entwickeln und testen in Zusammenarbeit mit dem Filmgerätehersteller ARRI Cine Technik die ARRI D20, eine digitale Filmstil-Kamera. Die D20 ermöglicht den ersten Schritt in die digitale Produktion. "Die Kamera hat eine gute Auflösung, naturgetreue Farbwiedergabe und eine variable Bildaufzeichnungsrate, die vor allem bei Zeitrafferaufnahmen wichtig ist", erläutert Hans Bloß, Leiter der Fraunhofer-Allianz Digital Cinema. Die D20 hat eine ähnliche Tiefenschärfe wie herkömmliche Kameras. Das ermöglicht den typischen Filmlook. Der eingesetzte CMOS-Sensor (CMOS = Complementary metal oxide semiconductor) hat sogar die gleichen Bildabmessungen wie der 35-Millimeter-Film. Der Vorteil: Die Kameraleute können die hochwertigen Objektive konventioneller Kameras weiter nutzen. Auch sonst lässt sich die D20 ähnlich wie eine analoge Kamera handhaben. Sie ist mit einem optischen Sucher ausgestattet, durch den der Kameramann wie gewohnt sehen kann, was er filmt. Der Sensor hat eine Auflösung von sechs Megapixeln.

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Und Action!

Die digitalen Filmaufnahmen werden auf einem handlichen Speicher aufgezeichnet. Die "Megacine" kann bewegte Bilder im neuen Digital Cinema Format (DC), in High Definition (HD) oder Standard Definition (SD) aufnehmen. Die Speicher-Kapazität beträgt 1 Terabyte (1 Terabyte = 1 000 000 Megabyte), das heißt es können bis zu 45 Minuten in unkomprimierter DC-Qualität aufgenommen werden. Der besondere Vorteil des digitalen Speichers, den Forscher des IIS entwickelt haben: Auf der Megacine lassen sich die Aufnahmen für eine erste Vorschau abspielen. So kann sich der Regisseur die Bilder gleich am Set anschauen. Über einen integrierten Stereo-Ausgang kann sogar der Ton angehört werden.

Ton ab!

Ein guter Film überzeugt nicht nur durch hoch aufgelöste Bilder, sondern auch durch einen hervorragenden Klang. Mittlerweile sorgt in fast allen Kinos Dolby-Digital für guten Surround-Sound. Doch die Technik hat einen Nachteil: Optimalen Hörgenuss gibt es nur auf wenigen Plätzen. Diese Schwäche beseitigen Forscher des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT. Sie setzen die Wellenfeldsynthese ein, um jeden Kinoplatz optimal zu beschallen. Das System IOSONO® schafft einen perfekten und natürlichen Raumeindruck. Auf der IBC stellen die Forscher unter dem Titel "Spatial Sound Solutions" Hard- und Software-Komponenten für die Aufnahme und Wiedergabe von räumlichem Klang vor.

Demnächst in Ihrem Kino - WorldScreen

Beim Drehen digitaler Kinofilme fallen gigantische Datenmengen an. Ein 90-minütiger Spielfilm erzeugt mehr als drei Terabyte Daten. Die Daten zu bearbeiten und zu verteilen ist aufwändig. Ziel des EU-Projektes WorldScreen ist es, den Arbeitsablauf in der digitalen Kinoproduktion mithilfe der skalierbaren Datenkompression zu optimieren. Auf der IBC werden erste Konzepte vorgestellt, wie der Standard zur Bildkomprimierung JPEG2000 in Speicher- und Postproduktionssysteme integriert werden kann. In dem Projekt arbeiten Forscher des IIS und des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich Hertz-Institut, HHI eng mit neun europäischen Firmen zusammen.

Film ab!

Für Betreiber von Lichtspielhäusern wird der Umstieg auf Digital-Technik teuer. Sie müssen bis zu 90 000 Euro für die Umrüstung eines Kinosaals berappen. Eine preisgünstigere Alternative stellen Forscher des HHI auf der IBC vor. Statt eines teuren Projektors werden mehrere preiswerte Wiedergabegeräte eingesetzt. "Damit der Kinobesucher nicht merkt, dass mehrere Projektoren im Einsatz sind, müssen die Wiedergabegeräte absolut synchron laufen. Außerdem dürfen keine Nahtstellen zu sehen sein", beschreibt Dr. Ralf Schäfer die technischen Herausforderungen an das Multiprojektorensystem.

Ansprechpartnerin:
Angela Raguse
Telefon: 0 91 31/7 76-5 63
Fax: 0 91 31/7 76-5 88
rgs@iis.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS
Am Wolfsmantel 33
91058 Erlangen

Beate Koch | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.dcinema.fraunhofer.de

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