Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Mein Mitarbeiter, der Industriespion": VoIP-Gespräche vor Lauschangriffen schützen

15.09.2005


Voice over IP (VoIP), oft gleichgesetzt mit dem Telefonieren in Intra- und Internet, ist wegen der günstigen Kosten und verschiedener Zusatznutzen augenblicklich "der Renner" in der Telekommunikation. Allerdings können VoIP-Gespräche leicht von Unbefugten belauscht werden. Eine Sicherheitslösung, die sich speziell an mittelständische Unternehmen und Konzerne mit mehreren Standorten und hoher Kundennähe richtet, hat die ISL Internet Sicherheitslösungen GmbH, Hagen, entwickelt. ISL ist ein Spin off der FernUniversität in Hagen, die die Entwicklung unter harten Praxisbedingungen testete.



ISDN war gestern: Surfen per DSL-Anschluss und Internet-Telefonieren sind in aller Munde. Nicht damit gleichzusetzen, aber damit eng verbunden ist Voice over IP (VoIP) - ein Übertragungsstandard für das Telefonieren, der nichts über den Weg aussagt. Welches Medium - internes Firmennetz, Telekom-Netz, Internet etc. - genutzt wird hängt von verschiedenen Faktoren ab, u. a. von den vielen Zusatznutzen, den Kosten und von der Qualität der Übertragung.



VoIP ähnelt technisch dem Versenden von E-Mails. Nur werden hier keine Dokumente verschickt, sondern Gesprochenes wird in Daten umgewandelt, päkchenweise über Datenleitungen übertragen und vom Empfangsgerät in eine "Stimme" zurück verwandelt. Das hat mehr mit dem Datenaustausch zwischen Computern zu tun als mit herkömmlichem Telefonieren. Deshalb hat man mit den selben Problemen und Gefahren zu tun wie beim Austausch von Dokumenten, Bilddateien usw.: Sabotage, Bespitzeln, Datenklau...

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat in seinem "Lagebericht IT-Sicherheit 2005" - der am 18. August von Bundesinnenministerium und BSI veröffentlicht wurde - ausdrücklich auch auf die steigende Bedrohung von Internettelefonie hingewiesen. Darüber hinaus, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in einer diesbezüglichen Pressemitteilung, stünde hinter Angriffen vermehrt das organisierte Verbrechen.

Diese Technologie wird gerne von Unternehmen eingesetzt, die keine zwei internen Netze (für analoges Telefonieren und für Datentransfer) unterhalten wollen. Bei herkömmlichen analogen und ISDN-Telefonleitungen ist es für Unbefugte gar nicht so einfach, Gespräche mitzuhören: Sie müssen einen tatsächlichen physikalischen Zugriff auf die Leitungen haben, um sie "anzapfen" zu können. Ohne erhebliches Fachwissen und teure Geräte ist praktisch nichts zu machen. Kein Wunder, dass Industriespionage immer noch eine Domäne großer Konzerne und von Geheimdiensten ist. Oder besser: war. Denn dies kann heute jeder "kleine Unternehmensmitarbeiter" - und wirklich kommen laut Unternehmensberatung KPMG 80 Prozent der Schädigung aus den Unternehmen selbst!

Software, die im Internet verfügbar ist, ermöglicht Angriffe auf Netzbereiche, in denen alle Endgeräte eines Bereiches, eines Gebäudes oder in eines ganzen Unternehmens angeschlossen sind. Bei solchen Man-in-the-middle-Attacken kann der Ohrenzeuge vertraulichste Gespräche sogar auf seinen Computer laden und eine CD damit brennen.

Bei einer Man-in-the-Middle-Attacke fälscht ein Angreifer die IP-Adressdaten in den Adressverzeichnissen anderer Teilnehmer-Telefone, um Informationen an sein eigenes IP-Telefon umzuleiten. Sinnvollerweise macht er dies in beiden Geräten der Teilnehmer. ISL-Geschäftsführer Dr.-Ing. Andreas Rieke: "Jeder, der VoIP einsetzt, ist kinderleicht angreifbar."

Besonders gefährdet sind Unternehmen mit mehreren Standorten. Verzweigte Produktionen und immer engere Kundenbeziehungen sorgen dafür, dass Kommunikation immer umfangreicher, intensiver und vertraulicher wird.

Natürlich gibt es Verschlüsselungssoftware, jedoch wohl keine, die bei VoIP kostengünstig und tatsächlich sicher ist.

Helfen können Unternehmen sich auf zwei Wegen. Kryptografische Protokolle - wie sie auch zu den üblichen Maßnahmen bei der Datenübertragung bei Computern gehören (sollten) - werden sich wegen der hohen Kosten für die Zertifikate im VoIP-Bereich kaum durchsetzen. Hinzu kommt, dass die Betreiber von Netzen die Telefonate nicht verschlüsseln dürfen.

Ohne Verschlüsselung und Authifizierung kommt eine Software aus, die von ISL entwickelt wurde. Sie unterbindet, so Andreas Rieke, Mithör-Attacken von vornherein, da Man-in-the-Middle-Angriffe nicht mehr möglich sind. Grundlage ist ARP-Guard - eine bewährte ISL-Entwicklung für den Datenschutz bei Computern, die auch für VoIP eingesetzt werden kann. Das Gerät mit integrierter Software wird im internen Netz des Unternehmens aufgestellt. Erkennt es einen Angriff, schaltet es den Port des Angreifers einfach ab. Man kann den lokalisierten Angreifer natürlich auch auf frischer Tat ertappen.

Andreas Rieke: "Vor allem für mittelständische Unternehmen mit z. B. 100 VoIP-Telefonen kann diese Investition im unteren vierstelligen Bereich eine Überlegung Wert sein, vor allem, wenn sowieso eine neue TK-Anlage angeschafft werden soll." Intensiv in der Praxis getestet wurde das Gerät vom Universitätsrechenzentrum der FernUniversität in Hagen.

Susanne Bossemeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.arp-guard.com/
http://www.bsi.de/presse/

Weitere Berichte zu: Angreifer ISL Telefonieren VoIP VoIP-Gespräch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten