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Sozialarbeit künftig in der Schule

10.06.2009
Ganztägige Schule definiert Lehrer und Jugendhilfe neu

Die Schule wird künftig ihre Struktur grundlegend ändern und dabei auch Methoden der Jugendhilfe und der Sozialen Arbeit im Unterricht übernehmen. Diese Entwicklung als Folge des europaweiten Trends zur Ganztagsschule beschreibt Rainer Kilb, Dekan der Fakultät für Sozialwesen der Hochschule Mannheim im Praxishandbuch "Methoden der Sozialen Arbeit in der Schule."

Als Anstoß des Wandels der Schulen bezeichnet Kilb im pressetext-Interview die geänderten Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. "Viele Lernerfahrungen verlagern sich aus der Familie heraus und geschehen bereits heute häufig in unmittelbarer Nähe zur Schule." Schule, Sport- und Freizeitvereine, Einkaufszentren und der öffentliche Verkehr seien heute gleichermaßen aktuelle Lernfelder junger Menschen, zwischen denen sie pendeln. Die Schule tue gut daran, hier gemachte Erfahrungen auch in den Lehrplänen aufzugreifen. "Schüler, die in der Schule sehr schwer einzubinden sind, schaffen es mitunter, sich etwa in einem Boxclub oder in einer Fußballmannschaft zu integrieren. Warum sollte es also nicht auch im Klassenverband möglich sein?" Der Lehrer könne diese Erfahrung des Schülers im Unterricht berücksichtigen, brauche dazu jedoch das notwendige Wissen und Methoden als Handwerkszeug, so Kilb.

Die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen habe in vielen Ländern Europas einen Trend hin zur Ganztagsschule ausgelöst, in der Schüler bis 17 oder 18 Uhr betreut werden. In mehreren deutschen Bundesländern gibt es diese Betreuung bereits flächendeckend. Ganztagsschule heißt für den Pädagogen nicht, dass ein Kind den ganzen Tag in der Schule verbringt. "Auch eine räumliche Trennung kann sinnvoll sein, denn es ist gut, wenn Schüler vermittelt bekommen, dass sich nicht alle Lernprozesse nur auf Leistung und Noten beziehen. So könnte eine Schulklasse etwa am Nachmittag geschlossen in ein Jugendzentrum übersiedeln oder auch Sportangebote nutzen." Hier sei es Aufgabe der Sozialarbeiter, etwa mit Methoden der offenen Kinder- und Jugendarbeit Gruppen zu betreuen oder Arbeit mit Einzelnen zu leisten. Der Austausch zwischen Sozialarbeiter und Lehrer sei wesentlich für die Weitergabe der Erfahrungen. "Schulsozialarbeit heißt, dass es auch beim Unterricht Kooperationen geben kann und etwa ein Sozialarbeiter im Klassenzimmer anwesend ist", so der Mannheimer Forscher.

Neu ist in diesem Konzept nicht zuletzt die Rolle des Lehrers. "Lehrer werden dadurch zum Manager in den Lebenswelten und der Tagesgestaltung der Schüler." Die dafür notwendige Umstellung der Lehrerausbildung sieht Kilb kaum als Problem. "Diese Weiterbildung ist eine zumutbare Anforderung. Ständige Entwicklung ist in vielen Berufen notwendig."

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.hs-mannheim.de

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