Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder armer Mütter gesundheitlich bei Geburt nicht benachteiligt

07.11.2005


Kinder armer Mütter haben bezüglich ihres Gesundheitszustands keinen schlechteren Start ins Leben als Kinder finanziell besser gestellter Mütter. Lediglich die Gefahr einer Frühgeburt liegt bis zu 20 Prozentpunkte höher. Auch auf die Anzahl von Arztbesuchen und Tagen im Krankenhaus innerhalb der ersten drei Lebensmonate wirkt sich die Armut der Mutter nicht aus. Die Zugangsgerechtigkeit zu den Leistungen des deutschen Gesundheitssystems für Kinder armer Mütter ist damit gewährleistet.



Lebt eine werdende Mutter in Armut, hat dies keine negativen Auswirkungen auf den Gesundheitszustand ihres Kindes bei der Geburt. Allerdings ist die Gefahr einer Frühgeburt mit bis zu 20 Prozentpunkten signifikant höher. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle RWI-Studie. Sie beruht auf Daten aus dem Sozio-ökonomischen Panel, einer repräsentativen Längsschnittstudie deutscher privater Haushalte. Ausgewertet wurden Daten über 565 Neugeborene aus den Jahren 2003 und 2004. Rund sieben Prozent der Mütter lebten im Jahr vor der Geburt des Kindes in relativer Armut, sie hatten 50 Prozent oder weniger als das Durchschnittseinkommen zur Verfügung. Der Gesundheitszustand der Kinder bei der Geburt wurde durch Informationen über Geburtszeitpunkt, Geburtsgröße und -gewicht sowie Kopfumfang, vorhandene Behinderungen und Verhaltensstörungen erfasst.



Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass nicht die finanzielle Lage, sondern in erster Linie der Gesundheitszustand der Mutter den des Kindes beeinflusst: gesunde Mütter bringen signifikant gesündere Kinder zur Welt. Während äußere Faktoren wie die Berufstätigkeit der Mutter keinen wesentlichen Einfluss auf den Gesundheitszustand des Kindes haben, ist gesundheitsschädliches Verhalten der Mütter - beispielsweise Rauchen - mit gesundheitlichen Problemen des Neugeborenen verbunden.

Säuglinge ausländischer Familien werden seltener zum Arzt gebracht

Betrachtet man die Säuglinge hinsichtlich der Anzahl der krankheitsbedingten Arztbesuche (Vorsorgeuntersuchungen ausgenommen) und der im Krankenhaus verbrachten Tage während der ersten drei Lebensmonate, ist ebenfalls kein Zusammenhang mit der Armut der Mutter feststellbar. Die Zugangsgerechtigkeit zu den Leistungen des deutschen Gesundheitssystems für Kinder armer Mütter ist damit gegeben. Hingegen zeigt sich, dass Kinder aus nicht-deutschen Familien (Haushaltsvorstand ohne deutsche Staatsangehörigkeit) im Vergleich zum Durchschnitt eine um fast 20 Prozentpunkte niedrigere Wahrscheinlichkeit für Arztbesuche haben. Die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts in den ersten drei Lebensmonaten liegt bei ihnen um rund 10 Prozentpunkte niedriger. Es ist allerdings nicht klar, ob diese Kinder weniger medizinische Hilfe benötigen, da sie evtl. gesünder sind oder einen schlechteren Zugang zur medizinischen Versorgung haben.

Die Untersuchung offenbart weitere interessante Details: Mütter mit privater Krankenversicherung suchen nach einem ersten Besuch dreimal häufiger erneut einen Arzt auf als Mütter mit einer gesetzlichen Krankenversicherung. Die Gründe hierfür könnten sowohl im Verhalten der Mütter als auch im Verhalten der Ärzte zu finden sein. Da sie nicht Gegenstand der Untersuchung waren, lassen sie sich nur durch weitere Forschung klären.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Marcus Tamm Tel.: (0201) 8149-211
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213

Die dieser Pressemitteilung zugrunde liegende Untersuchung ist als RWI : Discussion Paper No. 33 mit dem Titel "The Effect of Poverty on the Health of Newborn Children" unter www.rwi-essen.de/dp als pdf-Datei erhältlich.

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/dp

Weitere Berichte zu: Arztbesuch Gesundheitssystem Gesundheitszustand Prozentpunkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie