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Haltefaktoren Ostdeutschland - Ansätze und Maßnahmen gegen Abwanderung

08.09.2005


Informationen über zwei neue Forschungsprojekte


1. Rückwanderung als dynamischer Faktor für ostdeutsche Städte
2. Hochschulen als Katalysator regionaler Entwicklung in Ostdeutschland

Ziel der miteinander verknüpften Projekte ist es, die Zu- und Rückwanderung in ostdeutsche Städte zu stärken und für junge Menschen Haltefaktoren zu schaffen - sowohl im Bereich Beruf und Existenzgründung als auch im Bereich Familie.

Zusammenfassung

Zwei neue Modellvorhaben zur Entwicklung von Strategien gegen Abwanderung und zur Stärkung von Haltefaktoren in Ostdeutschland werden am 7. September auf einer Auftaktveranstaltung an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) vorgestellt. Ziel der miteinander verknüpften Projekte ist es, die Zu- und Rückwanderung in ostdeutsche Städte zu stärken und für junge Menschen Haltefaktoren zu schaffen - sowohl im Bereich Beruf und Existenzgründung als auch im Bereich Familie. Die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen im Rahmen des Forschungsprogramms ’Aufbau Ost’ geförderten Projekte werden vom nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung Berlin in Kooperation mit der Hochschule in Magdeburg durchgeführt. Das nexus Institut ist ein unabhängiges, interdisziplinär und anwendungsorientiert arbeitendes Forschungsinstitut mit wirtschafts-, sozial-, kultur- und ingenieurwissenschaftlicher Kompetenz. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung konkreter Maßnahmenkataloge und deren Umsetzung an den Modellstandorten Magdeburg und Greifswald.

Hintergrund: Zukunftsstudie Sachsen-Anhalt

Der Bevölkerungsrückgang in Ostdeutschland wird - wie das Beispiel Sachsen-Anhalt zeigt - zu etwa einem Drittel durch Geburtenrückgang und zu zwei Dritteln durch Abwanderung verursacht. Gerade die Jungen, gut Ausgebildeten wandern in den Westen ab, viel zu wenige kehren zurück. Den Ländern gehen so die innovativsten Köpfe verloren, die dringend für den Aufbau Ost gebraucht werden. Abwanderung wird aber nicht ausschließlich durch den Arbeitsmarkt bestimmt. Deutlich wird: Nicht die Arbeitslosen oder von Arbeitslosigkeit Bedrohten wandern ab, sondern gerade die gut Qualifizierten, die auch im Land Arbeit haben oder finden könnten. Vor allem die Qualität der Arbeitsplätze und die Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung spielen bei Wanderungsentscheidungen eine große Rolle. Insbesondere junge Frauen verlassen nicht nur aus beruflichen, sondern auch aus privaten Gründen das Land, weil in ihrer Lebensplanung familiäre und berufliche Gründe eine gleichgewichtige Rolle spielen. Die Rückkehrbereitschaft der Abgewanderten und ihre Heimatbindung sind aber erstaunlich hoch, die Mehrzahl der in der Studie Befragten kann sich eine Rückkehr vorstellen.

An dieser Stelle knüpfen die beiden Projekte an, um einerseits Faktoren zu identifizieren, die junge Menschen im Land halten und andererseits Ansatzpunkte zur Förderung der Rückwanderung zu finden.

Modellprojekte: Ansätze und Maßnahmen gegen Abwanderung

1. Rückwanderung als dynamischer Faktor für ostdeutsche Städte

Ziel ist es, die Rückwanderung in den Osten statistisch zu erfassen und darauf aufbauend zielgruppenspezifisch kreative Angebote auszuarbeiten. So soll die emotionale Bindung an die Herkunftsregion und/oder den Studienort gestärkt werden. Dadurch soll die Entscheidung über einen möglichen Wohnortwechsel positiv beeinflusst werden. Gerade weil bekannt ist, dass Existenzgründer/innen sich bei der Wahl des Unternehmensstandortes weniger nach objektiven, wirtschaftlich relevanten Kriterien richten, sondern sich für Orte entscheiden, mit denen sie vertraut sind, haben soziale Standortfaktoren - wie die persönliche Verbundenheit mit einer Stadt - einen nicht zu unterschätzenden Wert. Rückwanderung findet nur statt, wenn lebendige Beziehungen zur Heimat aufrecht erhalten werden. Abwanderer-Netzwerke sind die Voraussetzung dafür, produktive Austauschbeziehungen zu erhalten. Bei der Implementierung der Modellmaßnahmen sollen sowohl öffentliche wie private Arbeitgeber einbezogen und Institutionen beteiligt werden, in denen junge Menschen ihre Abwanderungsentscheidungen treffen, u. a. Schulen, Hochschulen, Sportvereine, Verbände. Am Beispiel der Stadt Magdeburg sollen konkrete Ansätze zur Einrichtung einer Kontaktagentur für Rückwanderung praktisch erprobt werden.

2. Hochschulen als Katalysator regionaler Entwicklung in Ostdeutschland

Ziel ist es, Wege zu finden, um die Abwärtsspirale aus Abwanderung, Qualifika-tionsverlust und Beschäftigungsabbau in Ostdeutschland zu durchbrechen. Deutsche und europäische Erfahrungen zeigen, dass Hochschulen Katalysatoren für eine positive regionale Entwicklung sein können. Hierfür müssen allerdings die Menschen mit ihren an der Hochschule erworbenen Qualifikationen in der Region gehalten werden und der Wissenstransfer in die Region zur Stärkung der ökonomischen Basis sicher-gestellt werden. Wirtschafts- und Familienpolitik sind dabei gleichermaßen bedeutend und beeinflussen sich gegenseitig. So kann Familiengründung als Haltefaktor wirken und die Bereitschaft zu wirtschaftlicher und Gründungs-Aktivität steigern. Ziel des Projekts ist es, die vielfältigen potenziellen Wirkungen von Hochschulen im Hinblick auf Familienförderung, Zuzugsförderung, regionale wirtschaftliche Entwick-lung und soziale Vernetzung zu untersuchen und Empfehlungen zur Verbesserung dieser Wirkungen zu erarbeiten. Die Implementierung familienfreundlicher Maßnah-men ist nicht nur ein Instrument der Frauenförderung, sondern im Kontext der Wirt-schaftsförderung auch ein viel versprechender Ansatz, mit dem die Rolle der Hoch-schulen als Katalysatoren der regionalen Entwicklung in Ostdeutschland gestärkt wird. Am Beispiel der Modellstandorte Magdeburg (FH und Uni) und Greifswald (Uni) werden Befragungen durchgeführt und konkrete Maßnahmen erprobt.

Zusätzliche Informationen:

Modellstandorte: Magdeburg und Greifswald
Laufzeit: September 2005 bis (zunächst) Juni 2006
Durchführung: nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung Berlin (4 Mitarbeiter/innen) und Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), (3 Mitarbeiter/innen), Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Dienel, Finanzierung: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (Programm ’Aufbau Ost’); Projektetat insgesamt rund 274.000 Euro

Kontakt:
Prof. Dr. Christiane Dienel
Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen, Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)
Tel.: (0391) 886 43 36
christiane.dienel@sgw.hs-magdeburg.de

Norbert Doktor | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-magdeburg.de

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