Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie: Halbwaisen müssen schneller auf eigenen Füßen stehen

25.11.2002


Wer Mutter oder Vater verliert, hat weniger Chancen auf eine höhere Schulbildung oder qualifizierte Ausbildung, zeigt eine Studie aus dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

... mehr zu:
»Abitur »Elternteil »Halbwaise »Soziologe

Wenn ein Elternteil stirbt, hat dies auch heute noch einschneidende Folgen für die Kinder, sagt der Soziologe Dr. Steffen Hillmert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Zusätzlich zu der Trauer um den Verlust müssen die Kinder auch damit zurechtkommen, dass sie im Lauf ihrer Ausbildung weniger Unterstützung für ihre Bildungslaufbahn erwarten können - und zwar in emotionaler und kognitiver, aber auch sozialer und finanzieller Hinsicht. Hillmert beobachtete kürzere Ausbildungen und frühzeitige Eintritte in den Arbeitsmarkt.

Ungefähr sechs bis sieben Prozent eines Jahrgangs verlieren Vater oder Mutter vor ihrem achtzehnten Geburtstag. In drei Viertel der Fälle stirbt der Vater, was sich meist auch in einem deutlichen Rückgang des Haushaltseinkommens niederschlägt. In seiner Längsschnittanalyse hat sich Hillmert die Bildungsverläufe von Halbwaisen der Geburtsjahrgänge zwischen 1950 und 1978 angesehen und mit denen von Menschen verglichen, welche bis zur Volljährigkeit in vollständigen Familien aufwachsen konnten. Die Gesamtstichprobe aus dem Sozio-Ökonomischen Panel (SOEP) umfasste rund 6.000 Fälle. Kinder, die vor dem zehnten Lebensjahr einen Elternteil verloren, hatten wesentlich schlechtere Chancen, das Abitur zu erreichen, als Kinder, die ihn einige Jahre später verwaisten. Bei beiden Gruppen aber waren die Abiturquoten im Vergleich zu Kindern aus vollständigen Familien deutlich reduziert.


Hillmert interpretiert diesen Befund dahingehend, dass die bereits verwaisten Kinder bei der frühen Entscheidung für weiterführende Schulzweige (in der vierten Klasse) zu wenig Unterstützung erfuhren. Starb der Elternteil dagegen erst nach dieser entscheidenden Weichenstellung, dann blieben die meisten dieser Gymnasiasten trotz der besonderen Belastungen in ihrem Schulzweig.

Generell stellt Hillmert aber fest, dass Personen aus der Halbwaisengruppe kurze Ausbildungen bevorzugten und eher auf ein Studium verzichteten. Hier dürften finanzielle Engpässe eine Rolle spielen, die die Betroffenen - zumindest subjektiv - zu einer ’sparsameren’ Gestaltung ihres Ausbildungsverlaufes bewegten, vermutet der Soziologe.

Quantitativ sind die Wirkungen vergleichbar mit den Unterschieden in den Bildungschancen, wie sie zwischen Kindern aus Familien mit unterschiedlichem Bildungshintergrund gefunden werden. Der frühe Tod eines Elternteil lässt die Chance eines Kindes, das Abitur zu machen, um fast zwei Drittel schrumpfen. Das bedeutet: wenn in einer vergleichbaren sozialen Gruppe von Kindern aus vollständigen Familien zehn Kinder das Abitur machen, dann sind es in einer gleich großen Gruppe von Waisenkindern nur drei bis vier Kinder.

Dr. Antonia Rötger | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de

Weitere Berichte zu: Abitur Elternteil Halbwaise Soziologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise