Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stefan Hell als Wegbereiter der Methode des Jahres geehrt

19.12.2008
Das Fachmagazin Nature Methods kürt die ultrahochauflösende Fluoreszenzmikroskopie - auch Nanoskopie genannt - zur Methode des Jahres 2008

Stefan W. Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Göttingen), ist vom britisch-amerikanischen Fachmagazin Nature Methods für seinen Durchbruch in der Fluoreszenzmikroskopie geehrt worden.

Die von Hell begründete Revolution in der Auflösung der Fluoreszenzmikroskopie führte zu Detailschärfen in der mikroskopischen Abbildung, die weit unterhalb der halben Lichtwellenlänge von 200 Nanometern liegen, so das Fachblatt. Vorher schienen Auflösungen dieser Größenordnung physikalisch unmöglich. Mit der daraus entwickelten Fluoreszenz-Nanoskopie erhält man neue Einblicke in den Nanokosmos der Zelle.

Am Ende eines jeden Jahres zieht die Redaktion des angesehenen Fachmagazins Nature Methods, eine Tochter des Fachblatts Nature, Bilanz und kürt die "Methode des Jahres". Für 2008 ist dies die ultrahochauflösende Fluoreszenzmikroskopie oder Nanoskopie. Es waren vor allem Physiker, die an interdisziplinär ausgerichteten Forschungseinrichtungen in jüngster Zeit ausgeklügelte Wege gefunden hatten, die Lichtmikroskopie weit über akzeptierte Grenzen hinaus grundlegend zu verbessern. Als erster habe der Max-Planck-Wissenschaftler Stefan Hell im Experiment und in der Theorie gezeigt, dass eine Auflösung im Nanometerbereich mithilfe der Lichtmikroskopie erreicht werden könne. Damit sei es möglich geworden, in Zellen Details zellulärer und sogar makromolekularer Strukturen zu sehen, die bisher verborgen blieben, so das Magazin.

Mit seiner Erfindung der STED (Stimulated Emission Depletion)-Mikroskopie ist es Stefan Hell erstmals gelungen, die 1873 entdeckte Auflösungsgrenze von 200 Nanometern in der Lichtmikroskopie radikal zu unterlaufen. Mit dem STED-Mikroskop ist es möglich, in einer Zelle auch feinere Details scharf zu sehen. Mit einer in der Praxis bis zu 10-fach verbesserten Auflösung gegenüber herkömmlichen Mikroskopen lassen sich winzige, fluoreszenzmarkierte Proteinkomplexe mit einer Größe von nur 20 bis 50 Nanometern getrennt voneinander beobachten - Strukturen, die etwa 1000-mal kleiner sind als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Aber nicht nur Momentaufnahmen aus der lebenden Zelle sind mit dem neuen STED-Mikroskop möglich. Hell und seine Mitarbeiter haben in jüngster Zeit weitere spektakuläre Verbesserungen erzielt, die es erlauben, den dynamischen Prozessen in einzelnen Zellen auf der Spur zu bleiben. Mit einer Rate von 28 Bildern pro Sekunde und einer räumlichen Auflösung von 65 Nanometern zeigt ein erstes Video lebende Nervenzellen bei ihrer Arbeit - der Signalübertragung.

Die Wissenschaftler erwarten, dass die scharfen Einblicke in lebende Zellen wichtige Erkenntnisse in der Gesundheitsforschung ermöglichen und zukünftig zur Entwicklung neuer Therapieformen führen können. Seit November 2007 ist das STED-Mikroskop auch kommerziell erhältlich. Es wird von der Firma Leica-Microsystems vertrieben.

Zur Person:

Stefan W. Hell (Jahrgang 1962) studierte nach dem Abitur in Ludwigshafen am Rhein in Heidelberg Physik. Er habe "phantastische" Physiklehrer und Hochschullehrer gehabt, denen man die Freude angemerkt habe, Physiker zu sein, Forschung zu machen und Dinge verstehen zu wollen. Nach seiner Promotion 1990 in Heidelberg verfolgte er seine Ideen zunächst als "freier Erfinder". Nach einer Zeit als Postdoktorand am EMBL in Heidelberg ging er 1993 als Gruppenleiter nach Turku, Finnland. Dort entwickelte er das Prinzip der STED-Mikroskopie. Von Turku aus wechselte Hell 1997 als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, wo er seit 2002 die Abteilung NanoBiophotonik leitet. Hell ist Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Honorarprofessor für Experimentalphysik an der Georg-August-Universität Göttingen. Für seine Leistungen wurde Stefan Hell mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Er erhielt unter anderem den Preis der International Commission for Optics (2000), den Carl-Zeiss-Preis (2002), den Karl Heinz Beckurts-Preis (2002), den 10. Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten (2006), den Julius-Springer-Preis für Angewandte Physik (2007), den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2008) sowie den Niedersächsischen Staatspreis (2008).

Barbara Abrell | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nmeth/video/moy2008/index.html
http://www.nature.com/nmeth/focus/moy2008/nmeth.f.244.pdf
http://www.nature.com/nmeth/focus/moy2008/nmeth.f.234.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht BRIESE-Preis 2016: Intelligente automatisierte Bildanalyse erschließt Geheimnisse am Meeresgrund
20.01.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert
20.01.2017 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise