Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweißen für die Darmchirurgie und Elektronik für das Schlucken

30.10.2009
800.000 Euro für zwei medizintechnische Forschungsprojekte unter Federführung der TU Berlin / BMBF kürt Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2009

Am 29. Oktober 2009 wurden die Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2009 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bekannt gegeben. Dazu gehören zwei Projektteams unter Leitung der TU Berlin, die mit jeweils 400.000 Euro gefördert werden.

Das eine Team, zu dem Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Medizin, Ingenieurwissenschaften und Biotechnologie gehören, entwickelt ein thermisches Verfahren für dichtere Verbindungen in der Darmchirurgie. Damit sollen undichte Operationsnähte vermieden werden. Ziel des anderen Teams ist eine Neuroprothese, die durch Elektroden die für das Schlucken notwendigen Muskeln stimuliert und dadurch den Bewegungsablauf unterstützt. Vor allem nach einem Schlaganfall oder einer Schädelhirnverletzung können viele Patienten die Schluckabläufe nicht mehr richtig steuern und die Gefahr besteht, dass Nahrung in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gelangt. Bei diesem Projekt kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Berlin mit Ärzten der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten des Unfallkrankenhauses Berlin.

Gesundheitstechnologie, Gesundheitswirtschaft, Lebensmittelwissenschaften und Biotechnologie sind einige der wichtigen Felder im Bereich Gesundheit und Ernährung, auf denen die Forscherinnen und Forscher der TU Berlin weit reichende Kompetenzen erworben haben. Im September 2009 wurde das Innovationszentrum "Technologien für Gesundheit und Ernährung" an der TU Berlin gegründet, um diese Potenziale zu vernetzen und zu bündeln.

Schweißen statt nähen
Thermisches Verfahren für dichtere Verbindungen bei Darmchirurgie
Nach chirurgischen Eingriffen am Darm werden bislang die Enden der verbliebenen Darmabschnitte mit Naht- oder Klammertechniken zusammengefügt. Es besteht aber ein gewisses Restrisiko, dass diese Verbindungen undicht werden oder sogar reißen können. Undichte Nahtverbindungen - sogenannte Nahtinsuffizienzen - können Auslöser eines schweren Krankheitsverlaufes sein und mit einer hohen Sterberate verbunden sein. In aktuellen Publikationen finden sich Insuffizienzraten von bis zu 15 Prozent nach Dickdarmeingriffen.

Berliner Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler sowie Medizinerinnen und Mediziner arbeiten jetzt an einer schonenden Alternative. Mit kleinen Instrumenten wollen sie die Darmwandenden zusammendrücken, anschließend erhitzen und so dauerhaft miteinander verschweißen. Mit dieser "Thermofusionstechnik" sollen sowohl die Wundheilung als auch die Sicherheit entscheidend verbessert werden. Ist das Verfahren erfolgreich, könnte es für die sogenannte Schlüsselloch-Chirurgie zur Standard-Nahttechnik werden und die Folgekosten gefährlicher Komplikationen verringern. Die Durchführung des Schlüsselexperiments erfolgt in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit von drei wissenschaftlichen Arbeitsgruppen und einem Industriepartner. Mit der Bündelung von Kompetenzen aus Medizin, Ingenieurwissenschaft und Biotechnologie wurden hervorragende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bearbeitung dieses Vorhabens geschaffen. Die Gesamtkoordination liegt bei der Arbeitsgruppe von Prof. Dr.-Ing. Mark Kraft von der TU Berlin. Die Partner kommen aus der Charité - Universitätsmedizin als klinische Experten, aus den TU-Fachgebieten Medizintechnik sowie Biotechnologie und den Firmen Celon und Olympus.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Marc Kraft, Institut für Konstruktion, Mikro- und Medizintechnik, TU Berlin, Tel.: 030 314-23388,

E-Mail: marc.kraft@tu-berlin.de, Internet:

Neue Weichenstellung für den Schluckablauf
Neuartige Elektronik soll das Schlucken in die richtige Röhre lenken
Schlucken ist ein lebensnotwendiger Vorgang, über den Menschen sich in der Regel keine Gedanken machen, solange der Ablauf reibungslos funktioniert. Vor allem nach einem Schlaganfall oder einer Schädelhirnverletzung können aber viele Patienten die Schluckabläufe nicht mehr richtig steuern.
Für sie besteht ständig die Gefahr, dass Nahrung in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gelangt. Die Folge sind unter anderem bedrohliche Lungenentzündungen. Hier hilft oftmals nur eine Ernährung über eine Magensonde und eine Kanüle in der Luftröhre als Schutz vor "Verschlucken" - eine Behinderung, die das Leben schwer beeinträchtigt. Ursache für Schluckstörungen ist in vielen Fällen eine unvollständige oder fehlende Bewegung der beteiligten Muskeln. Hier kann eine elektrische Stimulation der am Schlucken beteiligten Muskeln sinnvoll sein, um den Schluckablauf zu verbessern und den Übertritt von Speisen oder Nahrung durch den Kehlkopf in die Lunge zu verhindern.

Berliner Wissenschaftler und Ärzte arbeiten jetzt an einer Lösung: Eine Neuroprothese stimuliert durch Elektroden die für das Schlucken notwendigen Muskeln und unterstützt dadurch den Bewegungsablauf. Ein neuartiges Messsystem prüft dabei ständig den Erfolg. Falls sich die Patientin oder der Patient verschluckt, löst die Neuroprothese ein Husten oder Räuspern aus. Gelingt es, die geplante Prothese umzusetzen, ist dies die Grundlage für die Entwicklung von Implantaten, die es möglich machen, dass betroffene Patienten wieder ohne Angst Essen und Trinken können. Das geplante Forschungsvorhaben BigDysPro soll als Kooperation zwischen dem Unfallkrankenhaus Berlin und der TU Berlin erfolgen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Thomas Schauer, Fachgebiet Regelungssysteme, TU Berlin, Tel.: 030/314 24404, E-Mail: info@bigdyspro.de, Internet: www.bigdyspro.de

Die Medieninformation zum Download:
www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
"EIN-Blick für Journalisten" - Serviceangebot der TU Berlin für Medienver-treter: Forschungsgeschichten, Expertendienst, Ideenpool, Fotogalerien unter: www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.bigdyspro.de
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro
21.02.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2018 für Tübinger Neurowissenschaftler
21.02.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics