Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Patentierte Transistoren: Auf dem Weg zum durchsichtigen, einrollbaren Bildschirm

18.04.2011
Marius Grundmann erhält von der Stadt Leipzig, der Universität Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig den Leipziger Wissenschaftspreis 2011

Der mit 10.000 Euro dotierte Leipziger Wissenschaftspreis wurde am Freitag, dem 15.4.2011, mit einem Festakt im Alten Rathaus zu Leipzig in Anwesenheit der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Dr. Sabine Freifrau von Schorlemer, an Prof. Dr. Marius Grundmann, Physiker an der Universität Leipzig, verliehen.

Der Preis – der alle zwei bis drei Jahre von der Stadt Leipzig, der Universität Leipzig und von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig verliehen wird – prämiert jeweils eine Arbeit, die höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und Leipzigs Ruf als Stadt der Wissenschaften mit einer national und international gewichtigen Forschungs- und Bildungslandschaft festigt. Mit dem diesjährigen Preisträger wird ein international führender Wissenschaftler und exzellenter Hochschullehrer ausgezeichnet, der mit seinen Forschungsergebnissen neue internationale Standards gesetzt und damit bereits weltweite Aufmerksamkeit auf den Wissenschaftsstandort Leipzig gelenkt hat.

Der 46-jährige Physiker Marius Grundmann hat eine völlig neue Art von durchsichtigen bzw. unsichtbaren elektronischen Bauelementen entwickelt. Damit eröffnen sich bisher ungeahnte Anwendungsmöglichkeiten wie Displays auf Fenster- oder Autoscheiben oder elektronische Tapete, die ihr Muster je nach Geschmack, Laune oder Tageszeit wechselt. Ein Handy könnte in Zukunft – bis auf die weiterhin sichtbare Batterie – wie eine Glasscheibe aussehen. Mechaniker hätten mit solchen Displays die Möglichkeit, gleichzeitig Bauteil und eingeblendeten Bauplan zu sehen, und könnten so Reparaturen schneller und fehlerfreier vornehmen.

Die mittlerweile patentierte Technologie beruht auf gleichrichtenden Metall-Halbleiter-Kontakten, die aus transparenten Materialien hergestellt wurden – so dünn, dass man durch sie hindurchsehen und sie auch einrollen kann. Während herkömmliche Siliziumelektronik durch Lichteinstrahlung stark gestört wird und deshalb aufwendig vor Licht geschützt werden muss, ist dies bei Grundmanns transparenten Transistoren unnötig. Und wo andere Technologien mit Isolatoren arbeiten, an denen ein Großteil der angelegten Spannung verloren geht, beruht Grundmanns Idee darauf, den Isolator wegzulassen, sodass diese Methode besonders energiesparend ist und sich Laufzeiten von batteriebetriebenen Geräten verlängern ließen. Dieser Ansatz von "grüner", umweltfreundlicher Technologie greift auch bei den verwendeten Materialien: Hauptbestandteil des Transistors ist Zinkoxid, das auch in Babycremes verwendet wird, und aus sehr häufigen Elementen der Erdkruste besteht. Auch der erarbeitete Herstellungsprozess der Kontakte, der vollständig bei Raumtemperatur abläuft, senkt die energetischen Herstellungskosten.

Mit den transparenten Transistoren steht Grundmann in einer großen Tradition der Leipziger Wissenschaft: Der gleichrichtende Metall-Halbleiter-Kontakt wurde vom späteren Nobelpreisträger Ferdinand Braun 1874 in Leipzig entdeckt. Der Feldeffekttransistor wurde vom Leipziger Physiker Julius Edgar Lilienfeld 1925 erfunden und 1930 patentiert, konnte aber mit den damaligen technischen Mitteln nicht realisiert werden.

"Der Leipziger Wissenschaftspreis prämiert eine wissenschaftliche Arbeit und Leistung, die eine öffentlich wahrnehmbare Verbindung zwischen dem Namen und der Stadt Leipzig mit den Wissenschaften in der Region oder auch zu wissenschaftlichen Ergebnissen über die Stadt und Region nachhaltig herstellt. Dabei ist für die Sichtbarkeit der Wissenschaften in der Region entscheidend, dass auch die Vielfalt und Breite der hier angesiedelten Wissenschaften angemessen zur Geltung gebracht wird." – so der Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Prof. Dr. Pirmin Stekeler-Weithofer, über die Auswahlkriterien zum Leipziger Wissenschaftspreis. "Mit Prof. Marius Grundmann wird der Leipziger Wissenschaftspreis an einen Leipziger Physiker verliehen, dessen bahnbrechende Entdeckungen im Bereich der Halbleitertechnik völlig neue Möglichkeiten der bildlichen Datenverarbeitung eröffnen. Diese Preisverleihung symbolisiert die innovative Kraft der Leipziger Wissenschaftslandschaft in einem Feld, das als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts betrachtet wird." betonte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung während der Preisverleihung. Prof. Dr. Beate A. Schücking, Rektorin der Universität Leipzig, sagte in ihrer Laudatio: "Ich gratuliere Herrn Professor Grundmann im Namen der Universität Leipzig sehr herzlich für die hohe Auszeichnung. Sächsische Akademie, Universität und Stadt würdigen gemeinsam die großartige Forschungsarbeit des Physikers Grundmann, vor allem auf dem Gebiet der Halbleiterphysik."

Agnes Schaefer | idw
Weitere Informationen:
http://www.saw-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten