Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanomechanik und Molekulare Motoren

08.07.2010
ERC-Förderung der EU in Millionenhöhe für zwei Forscher des BIOTEC erstmalig an der TU Dresden

Zwei Gruppen am Biotechnologischen Zentrum der TU Dresden können durch eine Förderung des Europäischen Forschungsrates fünf weitere Jahre forschen. Diese Starting Grants wurden zum ersten Mal an Wissenschaftler der TU Dresden vergeben.

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) hat in der 3. Runde erstmalig zwei der europaweit begehrten ERC Starting Grants an die Technische Universität Dresden vergeben.

Dr. Ralf Seidel und Dr. Erik Schäffer, Leiter von Nachwuchsforschergruppen am Biotechnologischen Zentrum der TU Dresden (BIOTEC), können sich jeweils über bis zu 1,5 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre freuen. Mit den Forschungsgeldern der Starting Grants werden junge, hervorragende Nachwuchsforscher gefördert, um ihre innovative risikoreiche Spitzenforschung in Europa zu realisieren.

Mit der EU-Finanzierung kann Dr. Ralf Seidel seine Arbeit zur Erforschung von DNA-Motoren auf Nanoebene in Dresden weiterführen. Seidel forscht seit 2006 als Gruppenleiter am BIOTEC. Sein gefördertes interdisziplinäres Projekt beschäftigt sich mit der Mechanik und der Dynamik von Chromosomenstrukturen, in denen die DNA, d.h. unsere Erbinformation, dicht gepackt ist. Ein wichtiger Aspekt des Vorhabens gilt den DNA-Motorenzymen, die diese Erbinformation vervielfältigen, ablesen und reparieren. „Hauptsächliches Ziel unseres Vorhabens ist es, zu verstehen, wie die meterlange DNA in jeder unserer Zellen in den 100 000-mal kleineren Zellkern gepackt werden kann und doch ihre Informationen jederzeit erreicht werden“, so Seidel. Um dieser Fragestellung nachzugehen, will die Gruppe hochsensitive mechanische und optische Einzelmolekülmethoden einsetzen. Außerdem soll DNA selbst zu dreidimensionalen, wenigen Nanometer-großen Werkzeugen gefaltet und in diesen Untersuchungen eingesetzt werden. Dadurch soll es in Zukunft ermöglicht werden, Chromosomenstrukturen direkt in Zellen oder lebenden Organismen untersuchen und bearbeiten zu können.

Dr. Erik Schäffer kann sich ebenfalls über eine gesicherte Forschung für die nächsten fünf Jahre freuen. Seit 2007 leitet er eine Forschungsgruppe für Nanomechanik am BIOTEC. Mit den EU-Forschungsgeldern möchte er mit neuartiger optischer Technologie die Reibungskräfte von Motorproteinen in molekularen Nanomaschinen erforschen. Diese winzigen Maschinen sind essentiell für die Selbstorganisation in der Zelle. Während bisher die biologischen Prinzipien von Zellen, wie z.B. die Proteinsynthese, genauestens studiert wurden, liegen die mechanischen Vorgänge in der Zelle noch weitestgehend im Dunkeln. Für Fragen, wie z.B. welche Kraft solche Nanomotoren generieren können oder wodurch ihre Geschwindigkeit begrenzt wird, sind geeignete Werkzeuge erst seit kurzem verfügbar. In den nächsten Jahren will Schäffer an neuartigen Werkzeugen arbeiten, die optische Laserpinzetten und Einzelmolekülmethoden miteinander verbindet. „Vorrangiges Ziel meiner Arbeit ist es zu verstehen, wie Geschwindigkeit und Leistung der Motorproteine durch Reibung auf dem Schienensystem der Zelle begrenzt werden“. Auf lange Sicht hofft Schäffer, dass mit seinen Vorreiter-Werkzeugen im Nanobereich auch andere molekulare Maschinen erforscht werden können. Ein Verständnis von mechanischen Vorgängen in der Zelle könnte endlich Licht darauf werfen, wie Zellen Energie nutzen um Muster und Ordnungen zu erschaffen.

Der Europäische Forschungsrat ist der jüngste und bahnbrechende Baustein des siebten EU Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union. Der ERC hat einen Gesamthaushalt von 7.5 Milliarden Euro (2007-2013) und wurde 2007 von der Europäischen Kommission gegründet. Ziel des ERC ist, wissenschaftliche Exzellenz durch die Förderung der besten, kreativsten Forscher aller Nationalitäten voranzutreiben, unabhängig davon, ob sie bereits in Europa arbeiten oder arbeiten möchten. Gefördert werden Anträge aus allen Forschungsbereichen. Einziges Auswahlkriterium ist wissenschaftliche Exzellenz, welche durch ein internationales Gutachtergremium evaluiert wird. Der ERC finanziert etablierte Spitzenforscher ("ERC Advanced Grants") und junge, hervorragende Nachwuchsforscher ("ERC Starting Grants"). Jährlich wird je eine Ausschreibung zu diesen beiden Grants für Projektvorschläge durchgeführt.

Kontakt für Journalisten:
Katrin Boes, Pressesprecherin BIOTEC
Tel.: 0351 463 40347, E-Mail: katrin.boes@crt-dresden.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie