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Max-Weber-Preis an RUB-Historiker

08.12.2010
Bayerische Akademie der Wissenschaften ehrt Prof. Dr. Cornel Zwie
Historischer Vergleich der politischen Entscheidungsfindung

Für seine Dissertation „Discorso und Lex Dei. Die Entstehung neuer Denkrahmen im 16. Jahrhundert und die Wahrnehmung der französischen Religionskriege in Italien und Deutschland“ hat die Bayerische Akademie der Wissenschaften Prof. Dr. Cornel Zwierlein (Umweltgeschichte, Historisches Institut der RUB) mit dem Max Weber-Preis ausgezeichnet.

Der renommierte Preis, der interdisziplinär für hervorragende Werke in den Geisteswissenschaften verliehen wird, wurde seit 1994 erst einmal einem Historiker zuerkannt.

Methodischer Machiavellismus oder Göttliches Recht?

Als „eine ungewöhnlich gründliche, ideenreiche und anregende vergleichende Auseinandersetzung mit politischen Verfahren, Geistesgeschichte und Öffentlichkeit im 16. und frühen 17. Jahrhundert“, bewertet die philosophisch-historische Klasse der Akademie Zwierleins Doktorarbeit, die 2003 in München und Tours entstanden ist. In deren Zentrum steht ein Vergleich zwischen politischen Verfahren in Savoyen-Piemont und in der Kurpfalz. Zwierlein untersuchte, auf welchen Wegen die politischen Akteure in diesen beiden Territorien Nachrichten von den in Frankreich ausbrechenden Hugenottenkriegen (1562–1598) erhielten, nach welchen Regeln sie diese verarbeiteten, auf welchen Grundmustern ihre politischen Entscheidungen basierten und wie diese dann in der Öffentlichkeit verbreitet wurden („Propaganda“). Wie aufgrund neuer Medien (handschriftliche Zeitungen) Politikbeobachtung, reflexive Wahrnehmung der Akteure und letztlich Entscheidungsprozesse verändert wurden, ist die zentrale Frage. Für den komplexen Entscheidungsfindungsprozess prägt Zwierlein den Begriff „Denkrahmen“. Dabei stellt er einen grundlegenden Unterschied zwischen Italien und Deutschland fest. Im italienisch-französisch geprägten Savoyen-Piemont dominierten die Denkstrukturen des „discorso“: In der Nachfolge des frühen Machiavellismus sammelte man möglichst aktuelle und umfassende Nachrichten, verglich sie mit historischen Fällen, analysierte sie nüchtern und wog Handlungsoptionen funktional gegeneinander ab. Im deutschen Südwesten hingegen wurde die politische Entscheidungsfindung normativ entweder von den Vorgaben der reformierten Theologie (Lex Dei) oder gemäß dem Reichsherkommen gelenkt.

Zur Person

Prof. Dr. Cornel Zwierlein, Jahrgang 1973, studierte Geschichte, Germanistik und Rechtswissenschaft und war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und des DAAD. Seine von der Gerda-Henkel-Stiftung geförderte Dissertation entstand in französisch-deutscher Doppelbetreuung (LMU München/Universität Tours). Cornel Zwierlein war wissenschaftlicher Assistent an der LMU München, Teilprojektleiter im SFB 573 und kam von dort im April 2008 an die Ruhr-Universität; hier ist er Juniorprofessor für Umweltgeschichte. Er leitet ein DFG-Projekt zur ‚Risikozähmung in der Vormoderne‘. Seine Habilitationsschrift ‚Der gezähmte Prometheus. Zum Verhältnis von Sicherheit und Moderne am Beispiel von Brandgefahr und Feuerversicherung, ca. 1680-1850‘ wurde in diesem Jahr bei der Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB eingereicht, das Verfahren wird nach Plan im Januar abgeschlossen. Seit 2009 ist er Mitglied des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Weitere Information

Prof. Dr. Cornel Zwierlein, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Tel.: 0234/32-24684, E-Mail: Cornel.Zwierlein@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

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