Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Karl Gademann erhält den Nationalen Latsis-Preis 2011

30.08.2011
Überraschende Zusammenhänge auf Streifzügen durch die Natur

Die Forschungsinteressen des organischen Chemikers Karl Gademann liegen an der Schnittstelle von Chemie und Biologie. Bei der Isolierung und Synthese von Naturstoffen stösst er immer wieder auf überraschende Zusammenhänge, die neue Forschungsfelder auftun. Für diese Arbeiten wird er mit dem Nationalen Latsis-Preis 2011 ausgezeichnet.

Interdisziplinarität ist eine oft gehörte Forderung, wenn es darum geht, im Labor neue und wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Umzusetzen ist sie aber nicht so leicht, schliesslich hat jede Disziplin ihre eigene Forschungskultur. Aber Karl Gademann ist so etwas wie ein wissenschaftlicher Weltbürger, für ihn scheint die fächerübergreifende Arbeit fast schon der Normalzustand zu sein. Seine Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle von Chemie und Biologie und umfassen die Isolierung und Synthese von Naturstoffen.

Von Haus aus ein organischer Chemiker, wechselt er mit Leichtigkeit die Territorien: von der Chemie zu den Materialwissenschaften, von der Pharmakologie zur Biologie. Und stösst dabei immer wieder auf überraschende Zusammenhänge, die im besten Fall neue Forschungsfelder auftun. Der Medizin haben sie schon einige neue Behandlungsansätze beschert – auch wenn der Weg bis zum marktreifen Medikament natürlich ein langer ist. Karl Gademann sieht sich diesbezüglich ausdrücklich als Grundlagenforscher, das heisst als Ideengeber.

Natur als Inspirationsquelle
Inspirationsquelle für die Arbeit von Gademann ist immer die Natur. Er interessiert sich für natürlich vorkommende bioaktive Moleküle, seien sie nun tierischen oder pflanzlichen Ursprungs. Diese Moleküle versucht er möglichst umfassend zu verstehen: ihre Funktion, ihre Wirkungsweise, ihre Struktur. Ganz besonders interessiert sich der Forscher auch für ihre ökologische Rolle, für die Frage also, aus welchem Grund sie von den Organismen produziert werden. Dieser Ansatz gleicht einer Wundertüte, aus der Gademann immer wieder fruchtbare Ideen für die weitere Forschungsarbeit hervorholt.
Blaualgen und Alzheimer
Beispielsweise hat ihn die Beobachtung, dass eine Blaualge sich erfolgreich gegen die Überwucherung anderer Algen wehrt, dazu inspiriert, in diesem Mikroorganismus nach neuartigen Wirkstoffen gegen Malaria zu suchen. Die gefundenen Algizide könnten, dafür hat Gademann Hinweise geliefert, tatsächlich auch gegen den Malaria-Erreger wirken, da dieser wohl im Laufe der Evolution Bestandteile von Algen aufgenommen hat und somit eine unerwartete Achillesferse aufweist. Blaualgen wappnen sich aber auch gegen Insektenfrass, indem sie bei den Fressfeinden eigenartige Verhaltensveränderungen hervorrufen. Das wiederum bringt den schrankenlos denkenden Wissenschaftler auf neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Und tatsächlich: In den Blaualgen findet sich ein Stoff, der gegen ein Enzym wirkt, das wohl an der Entstehung von Alzheimer beteiligt ist.

Auch auf den weiteren Streifzüge durch die Natur ist Gademann fündig geworden: Aus Pilzen hat seine Forschungsgruppe Substanzen isoliert und synthetisiert, die das Wachstum der Fortsätze zwischen Nervenzellen auf bemerkenswerte Weise beschleunigen. Seine aktuellsten Forschungsprojekte nehmen Substanzen aus alten indischen und chinesischen Heilpflanzen unter die Lupe, die eine ähnliche Wirkung zeigen.

Eleganz und Einfachheit
Eine weitere Spezialität von Gademann ist die Erzeugung bioaktiver Materialien, indem natürliche Substanzen auf anorganischen Trägern wie Titan oder Glas verankert werden. Hierbei sowie beim Nachbau komplexer organischer Moleküle im Labor gilt es, einen möglichst einfachen und eleganten Syntheseweg für die Endprodukte zu finden. Diesbezüglich liess Karl Gademann schon mit seiner Habilitation an der ETH Zürich aufhorchen, als es ihm gelang, das Eisentransportmolekül Anachelin erstmals chemisch herzustellen. Schon als 34-Jähriger wurde ihm deshalb sogleich eine Assistenzprofessur an der ETH Lausanne angeboten, wo er 2006 das Laboratorium für chemische Synthese begründete. 2010 zog es ihn weiter an die Universität Basel, wo er seither als Extraordinarius für Organische Chemie wirkt.

Der mit 100'000 Franken dotierte Nationale Latsis-Preis ist eine der wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Schweiz. Der Schweizerische Nationalfonds vergibt ihn im Auftrag der Latsis-Stiftung an junge Forschende im Alter bis zu 40 Jahren für besondere wissenschaftliche Leistungen in der Schweiz. Die Preisverleihung findet am 12. Januar 2012 im Berner Rathaus statt.

Die Preise der Latsis Foundation
Die Latsis Foundation wurde 1975 von der griechischen Familie Latsis in Genf gegründet. Im Auftrag der Stiftung verleiht der Schweizerische Nationalfonds den Nationalen Latsis-Preis, Daneben existieren die mit je 25‘000 Franken dotierten vier Universitären Latsis-Preise (Genf, St. Gallen, ETH Zürich, ETH Lausanne) sowie der mit 100‘000 Franken dotierte Europäische Latsis-Preis. Er wird durch die European Science Foundation (ESF) vergeben.
Kontakt:
Prof. Dr. Karl Gademann
Universität Basel
Departement Chemie
St. Johanns-Ring 19
CH-4056 Basel
Tel.: +41 (0)61 267 11 44
E-Mail: karl.gademann@unibas.ch

Presse- und Informationsdienst SNF | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht 1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg
29.05.2017 | Universität Hamburg

nachricht Auszeichnung der ESA BIC Startup-Challenge während der INNOspace Masters Konferenz in Berlin
24.05.2017 | Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Marine Conservation: IASS Contributes to UN Ocean Conference in New York on 5-9 June

24.05.2017 | Event News

AWK Aachen Machine Tool Colloquium 2017: Internet of Production for Agile Enterprises

23.05.2017 | Event News

Dortmund MST Conference presents Individualized Healthcare Solutions with micro and nanotechnology

22.05.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

New insights into the ancestors of all complex life

29.05.2017 | Earth Sciences

New photocatalyst speeds up the conversion of carbon dioxide into chemical resources

29.05.2017 | Life Sciences

NASA's SDO sees partial eclipse in space

29.05.2017 | Physics and Astronomy