Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entscheidungshilfen für den Einkauf

26.03.2014

Alexander Rothkopf hat in seiner Doktorarbeit untersucht, wie sich die Einkaufskosten eines Unternehmens senken lassen. Dafür hat er jetzt den Wissenschaftspreis des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik erhalten.

2008 hat die Siemens AG ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm gestartet. Weniger Zulieferer und eine stärkere Zentralisierung des Einkaufs sollen die Ausgaben pro Jahr um etwa zwei Milliarden Euro senken.

Ähnliche Maßnahmen haben auch viele andere Unternehmen in den vergangenen Jahren ergriffen. Ob dies sinnvoll ist und welche Risiken damit verbunden sein können, hat Alexander Rothkopf in seiner Doktorarbeit untersucht. Rothkopf ist Postdoc am Lehrstuhl für Logistik und quantitative Methoden in der Betriebswirtschaftslehre der Universität Würzburg.

„Vor allem zwei zusammenhängende Maßnahmen verfolgen Unternehmen, wenn sie ihre Kosten im Einkauf senken wollen“, erklärt der Wissenschaftler. „Zum einen können sie die Anzahl an Zulieferern reduzieren. Zum anderen können sie den Einkauf zentral steuern und verwalten und so die Einkaufsvolumina steigern“.

Welche Folgen diese Maßnahmen haben können und welche Risiken damit möglicherweise verbunden sind hat Rothkopf in seiner Doktorarbeit Supplier Selection: Volume Consolidation, Risks and Incentive Issues erforscht. Für diesen Beitrag ist er vor einigen Tagen in Würzburg mit dem Förderpreis für den wissenschaftlichen Nachwuchs des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. ausgezeichnet worden.

Überraschendes Ergebnis

Wenn Firmen um Kosten zu sparen nur noch auf einen einzigen Lieferanten setzen, fahren sie eine riskante Strategie: Sollte der Zulieferer nicht die benötigte Mengen liefern können oder überraschend komplett ausfallen, stehen im schlimmsten Fall auch beim Abnehmer der Produkte die Bänder still.

In Rothkopfs Doktorarbeit geht es unter anderem um solche Risiken. „In diesem Fall kann es sich als sinnvoll erweisen, die sogenannte Multiple Sourcing-Strategie anzuwenden. Das Einkaufsvolumen wird dabei auf zwei oder mehr Zulieferer verteilt. So wird das Risiko gesenkt, dass die gesamte Menge ausfällt“, erklärt Rothkopf.

Aber es muss nicht immer richtig sein die Volumen auf mehrere Zulieferer zu verteilen, um die mit den Risiken verbundenen Kosten zu reduzieren. Seine Untersuchungen deuten darauf hin, dass es bisweilen auch sinnvoll sein kann, den Auftrag an einen einzigen Hersteller zu vergeben. Nämlich dann, wenn die Ausfallrisiken der Zulieferer sehr unterschiedlich sind oder die Kompensationskosten sehr hoch.

„Dieses Ergebnis ist sehr interessant und überraschend. Entscheidungsträger gehen im Allgemeinen davon aus, Risikokosten immer zu reduzieren, wenn Einkaufsvolumen auf mehrere Zulieferer verteilt werden“, erklärt der Wissenschaftler. Um Einkäufer bei ihren Entscheidungen zu unterstützen, hat Alexander Rothkopf Entscheidungsregeln entwickelt. Diese zeigen, wann es sinnvoll ist das Einkaufsvolumen zu verteilen.

Außerdem hat sich Rothkopf in seiner Doktorarbeit mit dem sogenannten Maverick Buying beschäftigt. Dabei geht es um Probleme, die auftreten, wenn die zentrale Einkaufsabteilung Rahmenverträge mit bestimmten Lieferanten abschließt, untergeordnete Abteilungen allerdings auf eigene Faust bei anderen Herstellern bestellen und damit gegen den Rahmenvertrag verstoßen. Solchen Verstößen können die Unternehmen prinzipiell mit zwei Maßnahmen vorbeugen:

Zum einen können sie in die Überwachung der Organisationseinheiten investieren, zum anderen in den Ausbau einer Technik, die es den Angestellten erleichtert, sich an den Rahmenvertrag zu halten. Alexander Rothkopf hat in seiner Doktorarbeit die Wirksamkeit beider Maßnahmen untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass es für Unternehmen unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein kann, ein gewisses Maß an Rahmenvertragsverstößen zu akzeptieren. „Darüber hinaus können wir zeigen, dass hierarchische Planungsmechanismen im Einkauf Rahmenvertragsverstöße unterstützen. Die theoretischen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass wir neue Formen der Zusammenarbeit im Einkauf benötigen“ sagt Rothkopf.

Preise für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Die BME- Preise wurden Anfang März im Rahmen des 7. Wissenschaftlichen Symposiums „Supply Management“ des BME in Würzburg verliehen. Studierende, Absolventen, Wissenschaftler und Praktiker trafen sich dort zum fachlichen Austausch an der Universität Würzburg.

Gunnar Bartsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren
16.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Dr. Philipp Schommers erhält Förderpreis für Klinische Infektionsforschung
16.10.2017 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise