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Brupbacher Preis an Bert Vogelstein und Jan H. Hoeijmakers für Erkenntnisse zu Darm- und Hautkrebs

17.02.2011
Heute wird der Charles Rodolphe Brupbacher Preis für Krebsforschung 2011 verliehen. Er geht an zwei Forscher, deren wesentliches Verdienst es ist, dass wir die genetischen Grundlagen der Entstehung von Tumoren besser verstehen.

Der Biomediziner Bert Vogelstein hat entdeckt, wie sequenzielle Ansammlungen von Mutationen zu Darmkrebs führen. Jan H. Hoeijmakers ist ein Pionier bei der Erforschung von Xeroderma, einer erblichen Hauterkrankung.

Zum zehnten Mal wird dieses Jahr der Charles Rodolphe Brupbacher Preis im Rahmen eines internationalen Symposiums verliehen. Der mit je 100'000 Franken dotierte Preis gilt als eine der höchsten Auszeichnungen für Krebsforscher weltweit. Alle zwei Jahre werden mit ihm Wissenschaftler gewürdigt, die in der Krebsforschung herausragende Leistungen erbracht haben.

Ebenfalls im Rahmen des Symposiums werden morgen anlässlich einer separaten Zeremonie fünf Nachwuchsforscherinnen und -forscher je einen Young Investigator Award erhalten.

Der Brupbacher-Preis geht dieses Jahr an Prof. Bert Vogelstein von der Johns Hopkins Universität, Baltimore (USA) und an Prof. Jan H. Hoeijmakers von der Erasmus Universität, Rotterdam (Niederlande). Die Erkenntnisse beider Forscher helfen wesentlich, die genetischen Grundlagen der Entstehung von Tumoren besser zu verstehen, Bert Vogelstein’s jene von Darmtumoren und Jan Hoeijmakers’ jene von Hautkrebs. Die grosse Bedeutung ihrer Arbeiten ergibt sich dabei auch aus dem weiteren Zusammenhang: So ist Darmkrebs eng verknüpft mit dem westlichen Lebensstil und in Europa die zweithäufigste Krebs-Todesursache. Die Erkenntnisse von Hoeijmakers wiederum geben Aufschluss nicht nur über einen Tumor der Haut, sondern auch über das vorzeitige Altern des Organismus.

Bert Vogelstein

Bert Vogelstein gilt als einer der meist zitierten Autoren in den biomedizinischen Wissenschaften. Am besten bekannt ist er durch seine grundlegenden Studien über die Entstehung von Darmkrebs. Tumore des Dickdarms (Kolon) eignen sich besonders gut für eine Analyse, da sich ihre Entwicklung aus gutartigen Vorstufen zum malignen Tumor klinisch durch Darmspiegelung verfolgen lässt.

Vogelstein konnte dabei feststellen, dass erste, kleine Ansammlungen atypischer Zellen im Darm durch die Mutation des APC-Gens verursacht werden, eines Tumorsuppressor-Gens, welches die Zellteilung kontrolliert. Diese Mutation des APC-Gens ist auch für die erbliche Polyposis des Dickdarms verantwortlich, eine Erkrankung, bei der die Darmwand von kleinen Polypen übersät ist, welche eine Tendenz zur Entwicklung eines Karzinoms haben.

Bei der nicht erblichen Form des Darmkrebses folgen dann weitere krankhafte genetische Veränderungen. Aktiviert werden dabei Wachstumsfaktoren (sogenannte Onkogene), und Suppressor-Gene werden deaktiviert. Jede dieser genetischen Veränderungen geht mit einem langsamen und kontinuierlichen Wachstum des Tumors einher, von vorerst kleineren zu später grösseren (gutartigen) Polypen bis hin zur Entwicklung eines Karzinoms. Während von der Bildung eines kleinen Polypen bis zum Karzinom durchschnittlich 17 Jahre vergehen, beschleunigt sich dann allerdings der Vorgang, und innerhalb von rund zwei weiteren Jahren bildet sich ein hochmalignes Karzinom, das in regionale Lymphknoten und entfernte Organe metastasiert.

Die Beobachtungen von Vogelstein über die sequentielle Ansammlung von Mutationen als Ursache der Tumorenstehung haben weltweit grosse Beachtung gefunden und sind die Grundlage für Fortschritte in Prävention, Frühdiagnose und Behandlung von Darmkrebs geworden. Vogelstein hat mehrere Gene identifiziert, die an der Entstehung menschlicher Tumore beteiligt sind, und in den letzten Jahren begonnen, das Genom, d.h. die Summe aller Gene einer Tumorzelle, zu analysieren. Denn die Kenntnis des genetischen Profils eines Tumors ist die Grundlage für die weltweit angestrebte personalisierte Tumortherapie.

Jan H. Hoeijmakers

Jan Hoeijmakers hat sich grosse Verdienste erworben bei der Aufdeckung der molekularen Grundlage von erblichen Erkrankungen, welche durch eine fehlerhafte DNS-Reparatur verursacht werden. Er ist ein Pionier bei der Erforschung von Xeroderma pigmentosum, einer erblichen Hauterkrankung, die durch extreme Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen charakterisiert ist und durch die Entwicklung von multiplen, zum Teil malignen Tumoren an Hautstellen, die mit Licht in Kontakt kommen.

Bei der Einwirkung von UV-Licht werden benachbarte Bausteine der DNS, z.B. Thymin, chemisch vernetzt. Dadurch entsteht bei der Zellteilung im DNS-Tochterstrang eine Mutation, die jedoch – bei intakter DNS-Reparatur – durch Entfernung des defekten Bausteins verhindert werden kann. Bei Patienten mit Xeroderma pigmentosum ist diese Reparatur-Kapazität stark reduziert.

Hoeijmakers konnte gleichzeitig zeigen, dass bestimmte Formen eingeschränkter DNS-Reparatur das Gegenteil eines Tumors bewirken, nämlich das vorzeitige Altern des Organismus.

Die Stabilität unseres Erbguts wird gesichert durch ein komplexes DNS-Reparatur-System. Jan Hoeijmakers gehört das Verdienst, wichtige Aspekte seiner molekularen Basis identifiziert und seine Rolle sowohl bei der Tumorentstehung wie auch bei vorzeitigem Altern nachgewiesen zu haben.

Die Stiftung:
Die Charles Rodolphe Brupbacher Stiftung wurde von Mme. Frédérique Brupbacher 1991 gegründet in Erinnerung an ihren Gatten Charles Rodolphe Brupbacher, in enger Anlehnung an die Medizinische Fakultät der Universität Zürich. Weitere Informationen zur Stiftung finden sich unter: www.brupbacher-stiftung.ch
Kontakt:
Prof. Paul Kleihues
C.R. Brupbacher Stiftung
c/o Medizinisches Dekanat
Universität Zürich
Tel. +41 79 738 34 72
E-Mail: brupbacher-stiftung@dekmed.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2011/brupbacher-preis-2011.html
http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2011/brupbacher-preis-2011_en.html

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