Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Boehringer Ingelheim-Preis 2009 geht an Martin Gamerdinger und Christian Taube

26.08.2009
Forschungsarbeiten über Proteinablagerungen bei altersbedingten Krankheiten und allergisches Asthma ausgezeichnet

Der Biologe Martin Gamerdinger und der Mediziner Christian Taube sind die Preisträger des Boehringer Ingelheim-Preises 2009. Die beiden Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben die Auszeichnung am Dienstag bei einer Feierstunde an der Universitätsmedizin entgegengenommen.

Der Boehringer Ingelheim-Preis wird jährlich von der Boehringer Ingelheim Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung an der Mainzer Universitätsmedizin vergeben und ist mit 20.000 Euro dotiert. Gamerdinger erhält den Preis für eine Arbeit über Proteinablagerungen, wie sie beispielsweise bei Alzheimer-Erkrankungen auftreten. Taube wurde für seine Forschungen über allergisches Asthma ausgezeichnet.

Dipl.-Biol. Martin Gamerdinger hat in seiner Arbeit "Protein quality control during aging involves recruitment of the macroautophagy pathway by BAG3" gezeigt, wie überschüssige Proteine in alternden Zellen abgebaut werden. Dieser Abbau ist für die Zellen überlebenswichtig, weil es ansonsten dazu kommen kann, dass Eiweißbausteine verklumpen und sich ablagern. Besonders anfällig für solche Proteinablagerungen sind Nervenzellen. Gerade in den Gehirnzellen von Alzheimer-Patienten finden sich vermehrt Proteinablagerungen, die Plaques, weshalb ein ursächlicher Zusammenhang vermutet wird. Gamerdinger zufolge sind die Zellen in der Lage, sich vor der im Alter erhöhten Last an geschädigten Proteinen zu schützen, indem sie zwischen zwei Proteinabbauwegen wechseln beziehungsweise auf den effizienteren Mechanismus umschalten.

"Während der zellulären Alterung kommt es normalerweise zu einer stärkeren Aktivierung des sogenannten Makroautophagiewegs, der wesentlich potenter ist und auch unlösliche und verklumpte Proteine abbauen kann", erklärt Gamerdinger. "Wenn die zelluläre Protein-Kläranlage im Alter versagt, könnte vielleicht eine Störung in dem Umschaltmechanismus die Ursache sein." Die Forschungsergebnisse wurden im Februar 2009 in der renommierten Fachzeitschrift "The EMBO Journal" veröffentlicht, weitere Experimente dazu sollen nun folgen.

In seiner Arbeit mit dem Titel "Untersuchungen der Rolle von Mastzellen und mastzellproduzierten Mediatoren auf die Entwicklung allergischer Atemwegserkrankungen" hat sich PD Dr. med. Christian Taube mit der Pathophysiologie des allergischen Asthmas beschäftigt. Er konnte nachweisen, dass aktivierte Mastzellen eine zentrale Rolle bei der Entstehung eines allergischen Asthma bronchiale einnehmen. Dabei scheinen verschiedene Botenstoffe, die von Mastzellen produziert werden, für die Einwanderung von Entzündungszellen in die Lunge und die Entwicklung einer Atemwegsüberempfindlichkeit besonders wichtig zu sein. Taube hat daraufhin verschiedene Botenstoffe identifiziert, die maßgeblich zur Entwicklung eines allergischen Asthmas beitragen. "Wir hoffen, dass diese Erkenntnisse neue therapeutische Interventionen zur Behandlung des allergischen Asthmas und anderer allergischer Atemwegserkrankungen ermöglichen", teilte der Wissenschaftler zu seiner Arbeit mit. "Insbesondere die Hemmung einer Mastzellaktivierung könnte eine versprechende neue Interventionsstrategie zur Behandlung von Patienten mit allergischem Asthma darstellen."

Der Boehringer Ingelheim-Preis 2009 wurde den beiden Wissenschaftlern bei der Feierstunde in Mainz von Univ.-Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin, und Dr. Manfred Haehl, Leiter des Bereichs Medizin der Boehringer Ingelheim GmbH, überreicht. Die Boehringer Ingelheim Stiftung hat die Auszeichnung für hervorragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der klinischen und der theoretischen Medizin damit zum 38. Mal vergeben. Über die Verleihung entscheidet jeweils der Fachbereichsrat Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Wie im Februar bekanntgegeben wurde, wird die Boehringer Ingelheim Stiftung künftig mit einer außergewöhnlichen Initiative die Spitzenforschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unterstützen. Sie wird dazu über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 100 Millionen Euro für die Errichtung und den Betrieb eines internationalen Exzellenzzentrums für Lebenswissenschaften bereitstellen. Damit erhält Rheinland-Pfalz eine der größten Privatspenden, die bislang in eine Wissenschaftseinrichtung an einer Universität geflossen sind.

Kontakt und Informationen
Ulf Arnold-Fabian
Stellvertretender Geschäftsführer
Ressort Forschung und Lehre der Universitätsmedizin
der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-33481
Fax 06131 39-34181
E-Mail: arnold-fabian@um-mainz.de
Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 50 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtung der medizinischen Zentralversorgung - die Apotheke und die Transfusionszentrale - gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter http://www.klinik.uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-mainz.de
http://www.klinik.uni-mainz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Kieler Forscher koordiniert millionenschweres Verbundprojekt in der Entzündungsforschung
19.01.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Red Dot Design Award für die dormakaba 360°City App
09.12.2016 | Kaba GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie