Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellforschung für die Therapie von Osteoporose und Arthrose

16.02.2005


Eignen sich Stammzellen für die Behandlung von Knorpel- und Knochenkrankheiten? Mit dieser Frage befasst sich an der Uni Würzburg seit 2001 eine Klinische Forschergruppe. Die Wissenschaftler haben bislang so erfolgreich gearbeitet, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Freistaat Bayern sie nun für weitere drei Jahre unterstützen: Insgesamt 1,5 Millionen Euro stehen in dieser Zeit für die Wissenschaft zur Verfügung.



Die Forscher untersuchen adulte Stammzellen, also solche, die jeder Erwachsene in sich trägt. Letzten Endes sollen die Zellen dazu gebracht werden, auf kontrollierte Art und Weise Knochen oder Knorpel zu bilden. Die Einsatzmöglichkeiten liegen zum Beispiel bei Knochen-, Knorpel- und Gelenkdefekten, Gelenksarthrose oder Osteoporose.

... mehr zu:
»Arthrose »Osteoporose »Protein »Stammzelle


Den Wissenschaftlern ist es bereits gelungen, Stammzellen des Knochenmarks und solche, die in der Nähe der so genannten Knochentrabekel sitzen, zu charakterisieren. Die beiden Sorten unterscheiden sich zwar leicht voneinander, tragen aber im Grunde beide das Potenzial für innovative Behandlungsverfahren in sich.

Zudem wurden Wachstums- und Differenzierungsfaktoren charakterisiert, die von diesen Stammzellen gebildet werden oder die für ihre Entwicklung von Belang sind. Nach der gentechnischen Herstellung dieser Faktoren wurden zum Teil Mutanten davon untersucht, um die Reifungsprozesse der Stammzellen in Richtung Knochenbildung zu beeinflussen.

Der Arbeitsgruppe von Professor Walter Sebald gelang es, die Proteinstruktur knochenbildender Wachstumsfaktoren (Bone Morphogenetic Proteins, BMP) zu beschreiben und in "Nature Structural and Molecular Biology" sehr hochrangig zu publizieren. Außerdem wurde in Kooperation mit Norbert Schütze die Wechselwirkung der BMP mit einem weiteren Wachstumsfaktor, dem "Cysteinreichen Protein 61" (cyr61) untersucht, einem Protein, das er bezüglich seiner Bedeutung in Knochen und Knorpel charakterisiert.

Um die Charakterisierung der verschiedenen Typen von Stammzellen geht es im Projekt von Ulrich Nöth. Dabei soll die Grundlage für ein "Tissue Engineering" entstehen, bei dem der Einsatz von Stammzellen für den Knochen- und Knorpelersatz auf Trägermaterialien erforscht wird. Für den Knorpelersatz laufen bereits eine vorklinische und eine klinische Studie. In letzterer werden junge Patienten, die an Arthrose im Frühstadium leiden, mit innovativen Materialien behandelt. Ihnen werden mittels Biopsie Knorpelzellen (Chondrozyten) von einer gesunden Stelle des Gelenks entnommen und in Zellkultur vermehrt. Dann werden sie an den Ort des Defekts transplantiert, wo sie einen neuen Überzug aus Knorpelzellen bilden sollen. Mittelfristig wird angestrebt, für dieses Verfahren Stammzellen zu verwenden.

Die Charakterisierung von Wachstums- und Differenzierungsfaktoren im Knochen kommt auch der Osteoporoseforschung zu Gute. Regina Ebert hat einen Mechanismus gefunden, über den chronische Entzündungszustände, wie sie etwa bei Rheumakranken auftreten, eine Osteoporose fördern. Hierfür erhielt sie den Knochenforschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Im Herbst 2004 hat eine Kommission der DFG die Arbeit der Würzburger Forschergruppe "Osteogene Stammzelldifferenzierung und Therapie von Knochenverlust" begutachtet. Sie lobte ausdrücklich, dass die Forschergruppe weitere Drittmittelprojekte an den Lehrstuhl für Orthopädie gezogen habe. So seien gute Grundlagen vorhanden für die Schaffung eines Kompetenzzentrums zur Erforschung von Skelett-Erkrankungen und zur Versorgung der entsprechenden Patienten.

Künftig soll die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen der Universität weiter intensiviert werden. Ein Novum in der kommenden Förderperiode ist die Kooperation mit der Unfallchirurgischen Klinik der Charité Berlin. Dort befasst sich eine Klinische Forschergruppe mit der Heilung von Knochenbrüchen und hat eine erhebliche Kompetenz in der Biomechanik aufgebaut. Weil sich das Spektrum der beiden Forschergruppen gut ergänzt, haben die Gruppenleiter, die Professoren Georg Duda (Berlin) und Franz Jakob (Würzburg), eine Synergien schaffende Kooperation geplant.

Die zum Großteil in der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus angesiedelte Klinische Forschergruppe wird vom Krankenhausträger, dem Bezirk Unterfranken, sehr unterstützt. Ihr Sprecher, Professor Jochen Eulert, ist Inhaber des Lehrstuhls für Orthopädie an der Universität und zugleich Ärztlicher Direktor der Bezirksklinik.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Franz Jakob
T (0931) 803-1581
Fax (0931) 803-1599
E-Mail: f-jakob.klh@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Arthrose Osteoporose Protein Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

ICTM Conference 2017: Production technology for turbomachine manufacturing of the future

16.11.2016 | Event News

Innovation Day Laser Technology – Laser Additive Manufacturing

01.11.2016 | Event News

#IC2S2: When Social Science meets Computer Science - GESIS will host the IC2S2 conference 2017

14.10.2016 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie