Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschergruppe der Audi AG mit neuartigem Bearbeitungsverfahren in der Motorenfertigung für Deutschen Zukunftspreis nominiert

15.09.2004


Nominierte für den Deutschen Zukunftspreis: Horst Lindner und Robert Queitsch (von links) am Audi A6 3.0 TDI; Stand: 09/04


Bearbeitung von Zylinderlaufbahnen reduziert den Ölverbrauch von Motoren um bis zu 75 Prozent, Verschleiß der Laufbahnen und Kolbenringe nimmt sogar um bis zu 90 Prozent ab. UV-Laseranlage befindet sich bei Audi in Györ bereits im Serieneinsatz für das 3.0 TDI-Aggregat.


Für ein neuartiges Bearbeitungsverfahren in der Motorenfertigung wurde eine Forschergruppe um Horst Lindner, zuständig für die Entwicklung von Fertigungsverfahren bei der AUDI AG, für den "Deutschen Zukunftspreis 2004" - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - nominiert. Die "UV-Laserbelichtung von Zylinderlaufbahnen von Verbrennungskraftmaschinen" reduziert den Ölverbrauch von Motoren um bis zu 75 , den Verschleiß der Zylinderlaufbahnen und der Kolbenringe sogar um bis zu 90 Prozent. Das Verfahren befindet sich am ungarischen Audi Standort Györ bereits im Serieneinsatz. Dort werden die 3.0 TDI-Dieselmotoren auf diese Weise bearbeitet, die im Audi A6 und Audi A8 bereits zum Einsatz kommen und demnächst auch im neuen Audi A4 sowie im VW Phaeton und VW Touareg die Aggregatepalette ergänzen werden.

Zur Erklärung: Grauguss (Gusseisen mit Lamellengraphit) ist wohl einer der wichtigsten Werkstoffe im Motorenbau. Und Zylinderlaufbahnen müssen so glatt wie möglich sein. Idealerweise sollte diese glatte Oberfläche allerdings auch über eine Struktur verfügen, die das Motorenöl gleichzeitig hält. Dieser Spagat wird mithilfe eines UV-Lasers geschafft. Er "verdampft" die oberste Schicht der Zylinderlaufbahn regelrecht. Die Graphitablagerungen im Werkstoff werden freigelegt und es bilden sich zahllose, mikroskopisch kleine "Kuhlen", in denen sich das Öl sammeln kann. Ferner schmilzt der Laserpuls die Oberfläche an. Endet der Laserpuls, erstarrt die Schicht schlagartig zu einer nanokristallinen Struktur, die der Lauffläche durch ihren hohen Stickstoffanteil keramische Eigenschaften verleiht.


Auf diese Weise verfügt die Laufbahn über optimale Gleiteigenschaften - der Verschleiß wird deutlich reduziert. Die Verbrennungswärme beim Betrieb des Aggregats trägt ebenfalls zur Verbesserung der Verschleißbeständigkeit bei. Grund: Die Struktur erhält durch den Wärmeeintrag "superplastische" Eigenschaften - sie gibt besser nach. Das heißt, durch diese Nachgiebigkeit wird es den Atomen deutlich schwerer gemacht, sich vom Atomverbund abzulösen, die Verschleißfestigkeit steigt enorm.

Lindner: "Dieser Selbstkonditionierungseffekt ist eine tribologische Revolution. Die Oberfläche verändert sich quasi von selbst." Der Verschleiß wird um bis zu 90 Prozent reduziert.

Weiterer positiver Nebeneffekt: Das Öl kann in der vom Laser freigelegten, natürlichen Oberflächenstruktur des Werkstoffes besser gehalten werden. Daraus folgt auch die enorme Ölverbrauchsreduzierung, da vom Kolbenring nicht mehr so viel Öl auf der Zylinderwand des Verbrennungsraumes verteilt wird. Damit sind bessere Emissionswerte verbunden, weil weniger Öl als unverbrannter Kohlenwasserstoff in den Abgasen enthalten ist. Die Einsparungen beim Ölverbrauch können bis zu 75 Prozent erreichen.

Aus der Projektgruppe des UV-Laserverfahrens sind neben Lindner auch der Physiker Robert Queitsch vom Entwicklungszentrum für Verfahrenstechnik ATZ sowie der inzwischen verstorbene Prof. Hans W. Bergmann vom Lehrstuhl für Metallische Werkstoffe der Universität Bayreuth für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Bundespräsident Horst Köhler wird am 11. November in Berlin bekannt geben, welches der vier vorgeschlagenen Forscherteams den Preis erhält.

Es ist dies bereits die zweite Nominierung von Audi Mitarbeitern für die renommierte Auszeichnung. 2002 waren zwei Ingenieure des Audi Konzerns im Rahmen eines Kooperationsprojektes ebenfalls unter den besten Vier. Damals für die Entwicklung eines Opto-Elektronischen Prozessors, der das "dreidimensionale Sehen" eines Fahrzeugs ermöglicht.

Hinweis: Eine Langfassung sowie Fotos zur UV-Laserbearbeitung bei Audi sind abrufbar unter http://www.audi-press.com über den Pfad "Unternehmen" und "Themen, Features, Stories". Bitte verwenden Sie folgenden Zugang: Benutzername: aupr0038 und Passwort:t8gz85.

Jürgen De Graeve | Audi AG
Weitere Informationen:
http://www.audi.de

Weitere Berichte zu: Motorenfertigung Zylinderlaufbahn Ölverbrauch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht 1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg
29.05.2017 | Universität Hamburg

nachricht Auszeichnung der ESA BIC Startup-Challenge während der INNOspace Masters Konferenz in Berlin
24.05.2017 | Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise