Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Sehimplantat zu neuen Biochips

22.10.2003


Über 35 000 blinden Menschen allein in Deutschland könnte geholfen werden. Sofern nicht der Sehnerv, sondern »nur« die Netzhaut außer Funktion ist, ermöglichen schon heute Implantate ein eingeschränktes Sehvermögen. Seit acht Jahren entwickeln Forscher am Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg verschiedene Sehimplantate mit immer besserem Auflösungsvermögen. Je nach Erkrankung der Augen besteht eine Möglichkeit darin, mit den Bilddaten einer externen Kamera die Retina gezielt zu stimulieren. »Kamera und Netzhaut verstehen sich jedoch zunächst nicht«, erklärt Andreas Schmid die Motivation zu seiner Diplomarbeit, die mit dem 2. Hugo-Geiger-Preis ausgezeichnet wurde. »Vielmehr müssen Stimulationsdaten so berechnet werden, dass über die Nervenzellen die gewünschten visuellen Wahrnehmungen entstehen.« Die erste Stufe liest Bilddaten in das Retinomorphe System - eine Software, die rezeptive Felder der Retina berechnet. In ihr werden die Signale in Echtzeit gefiltert und schließlich die Stimulationsdaten für das Retinaimplantat berechnet. Das von Schmid programmierte Retinomorphe System zeichnet sich durch hohe Flexibilität aus: Es erkennt alle üblichen Videoquellen, verfügt über frei rekonfigurierbare Filter für die rezeptiven Felder und kommuniziert mit verschiedenen Implantaten.


Der ausgezeichnete Nachwuchswissenschaftler Andreas Schmid




Ein Life-Science-Thema ganz anderer Art betrifft die Suche nach neuen Pharmaka. Dazu müssen große Mengen proteinhaltiger Proben bearbeitet und untersucht werden. Zur automatisierten Analyse eignen sich Biochips: Darauf fixierte Moleküle verbinden sich nur mit bestimmten Proteinen. Je weiter die Proteomik voranschreitet, desto mehr und immer differenziertere Biosensoren werden benötigt. »In meiner Diplomarbeit habe ich untersucht, wie solche Biochips mit neuen, mikro- und nanotechnologischen Methoden in Zukunft gefertigt werden könnten«, erklärt Sven Knecht, Träger des 3. Hugo-Geiger-Preises. »Mit der Photolithographie lassen sich nicht nur elektronische Schaltkreise fertigen, sondern auch Strukturen auf polymere Oberflächen übertragen. Chemisch funktionalisierte Nanopartikel organisieren sich dort anschließend selbstständig.« Mittels Mikrokontaktstempelverfahren konnte der jetzige Doktorand an der ETH Zürich gezielt Partikel übertragen. Einen Nadel-Ring-Mikroarrayer nutzte er, um das beschichtete Substrat zu strukturieren.

... mehr zu:
»Biochip »Implantat »Netzhaut »Sehimplantat


»Die Ergebnisse seiner Arbeit sind nicht nur wissenschaftlich hochinteressant, sondern auch wirtschaftlich«, urteilt Professor Herwig Brunner, Leiter des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB. »Auf mehreren Konferenzen erregten sie hohe Aufmerksamkeit.«

| Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Biochip Implantat Netzhaut Sehimplantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Mikrophotonik – Optische Technologien auf dem Weg in die Hochintegration
21.07.2017 | VDI Technologiezentrum GmbH

nachricht 1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext
20.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie