Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Zählschleifen gegen Blechlawinen - BMW Scientific Award für Nachwuchs-Stauforscher

18.07.2001


Und täglich grüßt der Stau... Mit dem von Roland Chrobok entwickelten Prognoseverfahren hoffentlich nicht mehr ganz so oft. Foto: BMW AG


Eigentlich wollte Roland Chrobok sein Studium der Physik und Mathematik an der Gerhard Mercator-Universität nur mit einer guten Note abschließen. Jetzt, ein Jahr nach seinem mit Bravour abgeschlossenen Diplom, ist der 26-Jährige um drei Preise und über 40.000 Mark reicher. Grund für so viel Ehr: Seine neuen Methoden zur Verkehrsprognose könnten in Zukunft die Straßen des Landes entlasten und Staus verhindern helfen.

Für die "Statistische Analyse von Zählschleifendaten als Methode zur Verkehrsprognose", so das Thema seiner Diplomarbeit, heimste Chrobok zunächst im März dieses Jahres den mit 2500 Mark dotierten Förderpreis der Interessengemeinschaft der Deutschen Logistikunternehmen "Club km92" ein. Drei Monate später wurde ihm der Förderpreis Siemens Straßenverkehrstechnik und, damit verbunden, 1000 Mark zugesprochen. Vor wenigen Tagen konnte er den wohl größten Erfolg verbuchen: Dem Duisburger wurde am 12. Juli in München der erste Preis des BMW Scientific Award in der Kategorie "Diplom- und Magisterarbeiten" verliehen. Der BMW Scientific Award zählt zu den höchstdotierten internationalen Forschungspreisen für Hochschulabsolventen und bedeutet für den Gewinner neben einem kräftigen Schub für die Karriere auch in finanzieller Hinsicht ein ordentliches Plus: 20.000 Euro wandern nun auf das Konto des jungen Wissenschaftlers.

Die Stauforschung ist ein viel beachtetes Arbeitsgebiet. Systeme werden ausgetüftelt, um die Verkehrsströme besser zu lenken, Staus rechtzeitig zu erkennen und den Kollaps auf den Straßen zu verhindern. Das will Chrobok natürlich auch, dennoch geht es ihm vornehmlich darum, Vorhersagen zuverlässiger zu machen. Deshalb hat er mehrere Verfahren zur Datenanalyse verknüpft. Mit dieser von ihm entwickelten Methode lassen sich nun erstmals Verkehrsprognosen errechnen, die von der Realität nie mehr als 15 bis 20 Prozent abweichen. Und mithilfe von Online-Simulationen können künftig exakte Vorhersagen über einen Verkehrszustand getroffen werden, der bis zu einer Stunde in der Zukunft liegt.

Für die Entwicklung seiner neuen Methode analysierte Chrobok Verkehrsdaten aus drei Jahren. Die lieferten ihm sogenannte Induktionsschleifen - eine Art Metalldetektor - aus der Duisburger Innenstadt und von Autobahnen der Region. Um die Aussagekraft der untersuchten Daten zu erhöhen, verknüpfte der Physiker unter anderem die Methode der Heuristik mit der Methode der Kurzzeitprognose. Während die Heuristik nach Abläufen im Verkehr sucht, die immer wieder auftreten, um somit aus diesem "klassischen" Ablauf auf zukünftige schließen zu können, berücksichtigt die Kurzzeitprognose auch unvorhersehbare Ereignisse und stützt sich auf hochaktuelle Messwerte - beispielsweise kann ein umgestürzter LKW den "normalen" Verkehrsfluss natürlich von einer Minute auf die andere massiv stören.

Während im Land NRW bereits Chroboks Prognoseverfahren installiert wird, tüftelt der junge Diplom-Physiker weiter auf diesem Gebiet, will seine Arbeit zur Promotion ausbauen. Das tut er weiterhin am renommierten Lehrstuhl "Physik von Transport und Verkehr" der Mercator-Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter von "Staupapst" Prof. Dr. Michael Schreckenberg.

Kontakt: Roland Chrobok, Tel.: 0203/379-3150,
E-Mail: chrobok@traffic.uni-duisburg.de

Ulrike Bohnsack | idw

Weitere Berichte zu: Scientific

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht Sensible Daten besser analysieren
16.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten