Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU bewilligt 890.000 Euro für Herstellung von Feinchemikalien an der Saar-Uni

04.09.2008
Forscher der Universität des Saarlandes haben sich zum Ziel gemacht, komplizierte Feinchemikalien so herzustellen, dass keine Abfallprodukte entstehen.

Diese Feinchemikalien sollen als Bausteine für Produkte der pharmazeutischen und agrochemischen Industrie verwendet werden. Koordinatoren des internationalen Verbundprojektes sind Prof. Hempelmann (Physikalische Chemie) und Dr. Gert-Wieland Kohring (Angewandte Mikrobiologie), die administrative Koordinierung liegt beim European Project Office der Universität.

Die EU unterstützt das Projekt an der Saar-Uni mit insgesamt 890.000 Euro für drei Jahre.

Der Rest der Fördersumme, die insgesamt rund 2,8 Millionen Euro beträgt, geht an die internationalen Partner der UdS-Forscher: zwei französische Elektrochemiegruppen von der Universität Bordeaux und dem Centre National de la Recherche Scientifique Nancy, eine Strukturbiologie- und eine Bioinformatikgruppe von der Universität Kopenhagen aus Dänemark, eine türkische Gruppe (Organische Chemie) aus Ankara von der Middle East Technical University, sowie der auf Biokatalysatoren spezialisierten KMU IEP GmbH in Wiesbaden. (Biokatalysatoren sind Moleküle, die biochemische Reaktionen in Organismen beschleunigen).

Die Wissenschaftler wollen Feinchemikalien herstellen, ohne dass dabei Abfallprodukte entstehen. Hierzu entwickeln sie einen neuartigen elektrochemischen Reaktor, in dem alle katalytisch aktiven Substanzen fest gebunden vorliegen und daher die Produkte im Idealfall nicht gereinigt werden müssen. Dabei nutzen sie bestimmte Enzyme, die Dehydrogenasen, die von zwei möglichen spiegelbildlichen Molekülen (Enantiomeren) selektiv die gewünschte Form in Reduktions- oder Oxidationsreaktionen produzieren.

Diese Verbindungen sind sehr wichtig für die Herstellung von Medikamenten oder Schädlingsbekämpfungsmitteln, da meist nur ein Enantiomer biologische Aktivität zeigt, während die andere Form überflüssig oder sogar schädlich ist (Beispiel Contergan). Mit rein chemischen Methoden ist dies selbst bei enormem Aufwand kaum möglich. Als Elektronenquelle benutzen die Wissenschaftler der Saar-Uni in ihrem neuartigen Reaktor elektrischen Strom, denn er ist das sauberste Oxidations- beziehungsweise Reduktionsmittel.

Die besondere biowissenschaftliche Herausforderung besteht darin, auf der Elektrode des Reaktors die komplette biokatalytische Reaktion dauerhaft zu verankern, ohne dass dabei Reaktivität verloren geht. Basierend auf der Expertise von Prof. Giffhorn und Dr. Kohring sollen die Enzyme zudem in ihrer Aktivität und ihrer Toleranz gegenüber organischen Lösungsmitteln, sowie Temperatur- und pH-Wert-Änderungen im Vergleich zum Wildtyp deutlich verbessert werden.

Die materialwissenschaftliche Herausforderung des internationalen Verbundvorhabens besteht darin, mit Methoden der chemischen Nanotechnologie die Elektroden so zu bearbeiten, dass deren elektrochemisch-aktive Fläche um ein Vielfaches größer ist als deren geometrische Fläche, so dass hohe Umsatzraten ermöglicht werden. Eine besondere elektrochemische Verfahrenstechnik wird dazu benötigt. Basis hierfür sind die Nanotechnologie-Expertise und das Brennstoffzellen-know-how der Arbeitsgruppe von Prof. Hempelmann.

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Rolf W. Hempelmann
Tel. 0681/302-4750
E-Mail: r.hempelmann@mx.uni-saarland.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht Sensible Daten besser analysieren
16.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie