Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wasserkraft als Fundament der regenerativen Energieerzeugung

04.04.2002


Was leistet Wasserkraft?

Rund sieben Prozent des Stroms in Deutschland stammten 2001 aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind, Sonne oder Biomasse. Drei Jahre zuvor waren es lediglich fünf Prozent. Die Steigerung kam zustande, da in kurzer Zeit viele neue Wind-, Biomasse- und Photovoltaikanlagen entstanden sind. Den Hauptanteil an der regenerativen Stromerzeugung liefert aber nach wie vor die Wasserkraft: Etwa 20 Milliarden Kilowattstunden oder 55 Prozent des Grünstroms kommen aus Wasserkraftwerken, so die aktuellen Zahlen des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). Die Wasserkraft hat gegenüber anderen erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind einen entscheidenden Vorteil: sie steht immer zur Verfügung, bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit.

Wasserkraftanlagen nutzen das natürliche Gefälle der Flüsse. Rund um die Uhr treibt das Wasser die Turbinen zur Stromerzeugung an. Weitere Vorteile der Wasserkraft sind eine einfache, bewährte Technik und ein hoher Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent. Über 8.000 Stunden im Jahr steht Wasserkraft zur Verfügung. Windräder stehen dagegen bei Flaute still. Nur während 2.000 Stunden im Jahr weht der Wind im Binnenland. 2001 wurden in Deutschland 19,8 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom aus Wasserkraft erzeugt. Aus Wind stammten 11,5 Milliarden kWh. Biomasse und Müll lieferten 4,9 Milliarden kWh . Weniger beitragen konnte die Photovoltaik, also die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom: Sie brachte es lediglich auf 0,05 Milliarden kWh.

Auch Wasserkraftwerke sind zu einem gewissen Grad wetterabhängig: die Produktion schwankt je nach Schneeschmelze und Regenmenge etwas im Jahresverlauf. Gute Wasserführung gibt es in der Regel zwischen April und September. Zu völligem Stillstand kommt es zumindest an den großen Strömen Rhein und Donau - von extremen Hochwasserlagen abgesehen - aber so gut wie nie. Somit kann Wasserkraft einen wichtigen Beitrag zur Grundlast der Stromversorgung leisten.

"Rund sieben Prozent des Stroms in Deutschland stammten 2001 aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind, Sonne oder Biomasse. Drei Jahre zuvor waren es lediglich fünf Prozent. Die Steigerung kam zustande, da in kurzer Zeit viele neue Wind-, Biomasse- und Photovoltaikanlagen entstanden sind. Den Hauptanteil an der regenerativen Stromerzeugung liefert aber nach wie vor die Wasserkraft." "Quelle: NaturEnergie AG"

Sinnvoller Ausbau der großen Wasserkraft

Besonders effektiv sind große Wasserkraftwerke, wie sie beispielsweise am Hochrhein zwischen Bodensee und Basel bereits seit über hundert Jahren saubere Energie liefern. Die elf Kraftwerke am Hochrhein produzieren pro Jahr rund 4,1 Milliarden Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich: Alle Berliner Privathaushalte zusammen verbrauchen jährlich 4,8 Milliarden Kilowattstunden. Damit ersparen die Hochrhein-Kraftwerke der Atmosphäre im Vergleich zu Kohlekraftwerken 3,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Und es ist noch mehr möglich. In Rheinfelden planen die Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR) den Neubau des über hundert Jahre alten Kraftwerkes. Durch neue Turbinen und ein höheres Gefälle kann die Stromerzeugung hier von 185 Millionen Kilowattstunden im Jahr auf 600 Millionen gesteigert werden. Gleichzeitig wird die Naturverträglichkeit erhöht: Eine naturnahes Umgehungsgewässer wird Fischen und Kleinlebewesen eine ungestörte Flusswanderung ermöglichen und die bisherige Fischtreppe ersetzen.

Doch das 400 Millionen Euro teure Projekt - das größte zum Ausbau regenerativer Energieerzeugung in Deutschland - ist gefährdet: Die Wirtschaftlichkeit ist bei den derzeitigen Marktpreisen nicht gegeben. Seit der Öffnung der Strommärkte zeigt sich, dass große Wasserkraftwerke nicht mehr rentabel betrieben werden können. Die Stromerzeugungskosten des neuen Kraftwerks in Rheinfelden liegen beim Zehnfachen von osteuropäischen Dumpingangeboten und beim Dreifachen des derzeitigen durchschnittlichen Marktpreises. Damit ist der Strom aus Rheinfelden nicht zu vermarkten. Zum Leidwesen der NaturEnergie AG, einem Tochterunternehmen der KWR, das bundesweit um Kunden für den sauberen Strom wirbt. Die NaturEnergie AG handelt ausschließlich mit regenerativ gewonnener Energie - hauptsächlich Wasserkraft. Mit mehr als 150.000 Kunden ist sie bundesweit Marktführer unter den reinen Ökostromhändlern. 140.000 weitere könnten durch einen Neubau des Kraftwerkes Rheinfelden zusätzlich versorgt werden.

So werben KWR und NaturEnergie in Brüssel und Berlin, auf regionaler und lokaler Ebene für eine umweltgerechte Modernisierung der Wasserkraftwerke: "Wir verstehen uns als Vorkämpfer für die große Wasserkraft. Ein großes Potential an sauberer Energie, ja die gesamte große Wasserkraft droht wegzubrechen, wenn Neubauvorhaben wie das Kraftwerk Rheinfelden nicht verwirklicht werden können", prophezeit Gerhard Haury, KWR-Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzender der NaturEnergie AG. Nach und nach werden in den nächsten Jahren viele bestehende Kraftwerke in die Erneuerungsphase kommen. Sie müssten dringend renoviert und erweitert werden, damit die Konzessionen zur Nutzung der Kraft der Flüsse verlängert werden und nicht verfallen.

Klotzen statt Kleckern

Dem Neubau steht im Wege, dass die große Wasserkraft bislang von der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausgeschlossen ist: Ab einer Leistung von fünf Megawatt greift der Förderstopp. Diese Grenze basiert auf der irrigen Annahme, dass sich die große Wasserkraft von alleine trägt. Dies gilt aber nur für abgeschriebene Altanlagen. Neue Wasserkraftanlagen werden aufgrund dieser Förderpolitik vor allem in naturnahen, kleinen Gewässern gebaut. Das Umweltbundesamt (UBA) sieht die größeren Vorteile dagegen auf der Seite der großen Wasserkraft.

In der Studie "Wasserkraftanlagen als erneuerbare Energiequellen" haben die UBA-Experten die rechtlichen und ökologischen Aspekte der Wasserkraftnutzung in Deutschland untersucht. Demnach sind die Effekte für den Klimaschutz bei geringeren Eingriffen in den Naturhaushalt bei der großen Wasserkraft wesentlich höher. Deshalb sei es am sinnvollsten, die schon bestehenden Standorte großer Flusskraftwerke auszubauen und zu modernisieren. Ganz nach dem Modell Neu-Rheinfelden also. So könnte beispielsweise in den Oberrheinkraftwerken in Iffezheim und Gambsheim eine zusätzliche fünfte Turbine eingebaut werden. Wie die Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR) dürften sich dennoch viele Kraftwerksbetreiber mit einem Ausbau finanziell schwer tun. Das Umweltbundesamt kommt zu dem Schluss, dass die Fünf-Megawatt-Grenze im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fallen müsse. Unter den Bedingungen des liberalisierten Strommarktes rechneten sich Investitionen in große Wasserkraft im Vergleich zu Energieträgern wie Kohle, Gas oder Uran ohne staatliche Förderung nicht. Wenn jedoch große Wasserkraftwerke nach dem Ablauf ihrer Konzession nicht mehr modernisiert, sondern stillgelegt werden, hat das erhebliche Auswirkungen auf die Energiebilanz. "Auch wenn derzeit immer mehr und Photovoltaikanlagen entstehen und die Planungen für moderne Offshore-Windparks fortschreiten, kann zur Erreichung der Klimaschutzziele auf den Beitrag der großen Wasserkraft nicht verzichtet werden", so Wasserkraftvorkämpfer Haury.

Informationen zur NaturEnergie AG:

Über 150.000 Kunden beziehen bundesweit Strom der Marke NaturEnergie über Vertriebspartner und als Direktkunden. Damit ist die NaturEnergie AG Marktführer unter den reinen Ökostromhändlern in Deutschland. NaturEnergie Silber steht für Strom aus reiner Wasserkraft aus bestehenden und erneuerten Kraftwerken vom Hochrhein und aus dem Schwarzwald. Mit NaturEnergie Gold kann der Verbraucher einen Beitrag zum Ausbau der regenerativen Energieerzeugung leisten. 21/2 Cent je Kilowattstunde gehen in die Förderung neuer Anlagen für Wasserkraft, Solar- und Windenergie. Die NaturEnergie AG ist Hauptsponsor des SC Freiburg.

Yvonne Schweickhardt | ots
Weitere Informationen:
http://www.naturenergie.de

Weitere Berichte zu: Energieerzeugung KWR Kraftwerk Stromerzeugung Wasserkraft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Care-O-bot® 4 macht sich selbstständig
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik