Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BtL: Biokraftstoff der Zukunft - FNR fördert Forschungsprojekte "vom Acker bis zum Kraftstoff"

19.05.2006


BtL-Kraftstoffe spielen in der Biokraftstoffstrategie der Bundesregierung eine wichtige Rolle. Noch besteht jedoch Bedarf bei Forschung und Entwicklung und dem Bau von Versuchsanlagen. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Projektträger des Bundeslandwirtschaftsministeriums, ist dafür die bundesweite Anlaufstelle. Sie unterstützt zahlreiche Forschungsprojekte vom Energiepflanzenanbau bis hin zum Pilotanlagenbau. Auch die Öffentlichkeitsarbeit und die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Akteuren der noch jungen Branche ist ihre Aufgabe.



Angesichts sich verknappender Erdölressourcen und Klimaschutzprobleme sind alternative Kraftstoffe ein Thema, mit dem sich auch die Bundesregierung intensiv beschäftigt. In ihrer Kraftstoffstrategie hat sie vier Alternativen identifiziert, die das höchste Potenzial zur Verbrauchsminderung fossiler Kraftstoffe aufweisen. Eine davon sind BtL-Kraftstoffe.



Noch ist er an keiner Tankstelle erhältlich, aber BtL(Biomass-to-Liquid)-Kraftstoff bietet ein großes Mengenpotenzial und gute technische Eigenschaften. Theoretisch ist jegliche organische Biomasse für die Herstellung nutzbar und aufgrund seiner Anpassbarkeit an die Motortechnik verbrennt er vergleichsweise emissionsarm. Zudem kann er in Form einer Beimischung oder auch als Reinkraftstoff in bestehenden Fahrzeugen ohne Anpassung der Motoren eingesetzt werden.

BtL-Kraftstoff ist aber nicht nur verbrauchsseitig interessant, er birgt auch für die Rohstoffproduzenten, die einheimische Land- und Forstwirtschaft, Potenziale. Dies war einer der Gründe für die FNR, sich schon sehr früh mit dem Thema zu befassen. Der FNR geht es bei der geplanten BtL-Produktion im industriellen Maßstab vor allem um einen ganzheitlichen Ansatz. "Wichtig ist es, alle Ebenen der Prozesskette im Auge zu behalten", erklärt Andreas Schütte, Geschäftsführer der FNR. "Die Biodiversität muss bei der Biomasseerzeugung gewährleistet bleiben oder sich sogar erhöhen, deshalb fördern wir Projekte, in denen - teilweise altbekannte - Kulturarten auf ihre Eignung als Energiepflanze getestet oder züchterisch verbessert werden. Für ihren Anbau bieten sich neue, auch unter Umweltgesichtspunkten vorteilhafte Methoden wie der Mischfruchtanbau oder das Zweikulturnutzungssystem an, bei dem pro Jahr mehrmals geerntet wird.

Die Landwirtschaft muss eine möglichst hohe zusätzliche Wertschöpfung realisieren, deshalb sollte sie die Rohstoffe nicht nur anbauen, sondern auch aufbereiten. Geschlossene Nährstoffkreisläufe sind ebenfalls wichtig. Für all diese Fragestellungen gibt es interessante Ansätze, die in den von uns geförderten Projekten untersucht werden", erläutert Schütte. So erprobt man zum Beispiel an der Universität Kassel die Entwässerung von Pflanzensilage mit Hilfe von Schneckenpressen. Dabei verbleiben Nährstoffe im Presssaft, der damit für die Biogaserzeugung geeignet ist. Der entwässerte Rückstand wiederum wird mit der Abwärme der Biogasanlage getrocknet und kann in der BtL-Produktion genutzt werden. Die Gärreste aus der Biogasanlage schließlich sind ein hervorragender Dünger.

Auch bei den Herstellungsverfahren für den Kraftstoff stehen verschiedene Ansätze zur Diskussion. Die FNR unterstützt zusammen mit Unternehmen der Energieversorgung, des Anlagenbaus, der Mineralöl- und der Automobilwirtschaft zwei Projekte zum Bau von Versuchsanlagen, die auf eine Verdichtung der Rohstoffe setzen, um deren Energiegehalt zu erhöhen. Der ist bei Biomasse deutlich geringer als bei Erdöl, ein hoher Aufwand bei Transport und Logistik sind die Folge.

Schütte ist überzeugt, dass die BtL-Produktion, die nach FNR-Berechnungen im Jahr 2020 bis zu 25 Prozent unseres Kraftstoffbedarfs ersetzen könnte, beträchtliche Chancen für Landwirtschaft und verfahrenstechnische Industrie birgt, auch wenn noch einige offene Fragen zu klären sind: "BtL-Kraftstoffe sind mehr als eine Brückentechnologie ins Wasserstoffzeitalter. Ich sehe sie als langfristige Option, die parallel zum regenerativ erzeugten Wasserstoff einen festen Platz als Energieträger für unsere Mobilität einnehmen werden." Damit ist er sich im Grundsatz auch mit der Automobilindustrie einig, die auf einer Presseveranstaltung in Berlin jüngst ihre eigene Kraftstoffstrategie vorstellte. Diese will sich explizit nicht nur auf eine Kraftstoffart fokussieren, sondern setzt auf ein Bündel von Maßnahmen, das neben Effizienzsteigerung, Hybridantrieben und Wasserstoff auch BtL-Kraftstoffe beinhaltet.

Nicole Paul

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
Hofplatz 1
18276 Gülzow
Tel.: 03843/69 30-0
Telefax: 03843/69 30-102
e-Mail: info@fnr.de
V.i.S.d.P.: Dr.-Ing. Andreas Schütte
Nr. 466 vom 18. Mai 2006

Dr. Torsten Gabriel | idw
Weitere Informationen:
http://www.fnr.de

Weitere Berichte zu: BtL BtL-Kraftstoff BtL-Produktion FNR Kraftstoff Rohstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Elektromobilität: Forschungen des Fraunhofer LBF ebnen den Weg in die Alltagstauglichkeit
27.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Wärme in Strom: Thermoelektrische Generatoren aus Nanoschichten
16.03.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Clevere Folien voller Quantenpunkte

27.03.2017 | Materialwissenschaften

In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich

27.03.2017 | Physik Astronomie

Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen

27.03.2017 | Biowissenschaften Chemie