Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei neue Riesen aus Madagaskar

23.05.2017

Zwei mit Hilfe von Mikro-CT Scans neu beschriebene Riesenkuglerarten aus winzigen und jährlich schrumpfenden Regenwaldfragmenten Madagaskars zeigen, wie wichtig eine nachhaltige Nutzung von insbesondere kleinräumigen Lebensräumen in den Tropen ist. Die zu den Tausendfüßern gehörenden Tiere machen deutlich, dass ein konsequenter Habitatschutz für den Erhalt der Biodiversität und somit für die Sicherung von Ökosystemen und Ressourcen notwendig ist.

Christina Sagorny, eine Studentin der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn und Thomas Wesener vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz Institut für Biodiversität der Tiere, Bonn, haben jetzt zwei neue Arten von Riesenkuglern aus einem abgelegenen Wald namens Bemanevika im Norden Madagaskars beschrieben.


Ein großes Weibchen des Bemanevika's Riesenkugler, Zoosphaerium bemanevika

Foto: Thorsten Klug


Das Habitat der zwei neuen Arten. Kleine Regenwaldfragmente in Bemanevika. Die sterbenden Bäume am Waldrand sind gut sichtbar.

Foto: Achille P. Raselimanana

Die Beschreibungen wurden in der Zeitschrift Zootaxa publiziert. Die Tiere wurden während allgemeiner Biodiversitätserfassungen des Field Museums, Chicago, gesammelt. Das Gebiet von Bemanevika besteht aus isolierten kleinen Waldfragmenten welche von einer sekundären Steppenlandschaft umgeben sind, sowie aus fünf Kraterseen. Einer dieser Kraterseen ist das letzte Refugium der seltensten Ente der Welt, der Madagaskar-Moorente, die erst 2006 wiederentdeckt wurde und vorher schon als ausgestorben galt.

Von den neuentdeckten Riesenkuglerarten sind nur wenige Exemplare bekannt. Damit diese nicht beschädigt werden, wurden sie mit Hilfe von Mikro-CT Scans untersucht. Dies ist das erste Mal, dass diese moderne Technologie zur Untersuchung von Riesenkuglern verwendet wurde.

Bei einer der neubeschriebenen Arten, Zoosphaerium bemanevika (Latein für 'Bemanevika's Kugeltier'), waren die Männchen so viel kleiner als die riesigen Weibchen, dass eine genetische Untersuchung notwendig war um diese der gleichen Art zuzuordnen. Die Weibchen sind zusammengerollt etwas größer als ein Golfball oder eine kleine Pflaume, während die Männchen nur die Größe einer Murmel erreichen.

Die zweite Art, Zoosphaerium minutus (Latein für 'Kleines Kugeltier'), ist, wie es der Name besagt, sehr viel kleiner als andere Riesenkuglerarten. Sowohl die Männchen als auch die Weibchen erreichen nur die Größe einer Erbse. Beide Arten sind nicht näher miteinander verwandt, obwohl sie im selben Wald zu finden sind. Die genetische Analyse zeigt, dass die nächsten Verwandten mehr als hundert Kilometer entfernt auf dem Marojejy-Berg, bzw. an der Ostküste Madagaskars zu finden sind.

Das örtliche begrenzte Vorkommen der zwei neuen Riesenkuglerarten ist ein Indiz für den Habitatschutz selbst auch kleiner Waldfragmente auf Madagaskar. Die Anwohner sind auf die Nutzung des Graslandes als Weidegrund für ihre Zebu-Rinder angewiesen. Jedes Jahr wird das Grassland abgebrannt,wobei sich das Feuer sich auch in die Waldränder frisst, sodass die verbliebenen Waldinseln jedes Jahr um ein paar Meter schrumpfen.

Dieser Verlust an Lebensraum beeinflusst nicht nur die Tausendfüßer, sondern alle Tiere Madagaskars. Der Gefährdungsstatus der Arten wird auf der "Roten Liste" der International Union for Conservation of Nature, IUCN, aufgeführt. Erstmalig wurden hier auch die Tausendfüßer Madagaskars erfasst.

Um aktiv die drohende Aussterbewelle auf Madagaskar zu verhindern, wurde von Brian L. Fisher von der California Academy of Sciences das internationale Netzwerk „Insects and People of the Southwest Indian Ocean“, kurz IPSIO-Netzwerk, gegründet. Mit Hilfe des Critical Ecosystem Partnership Funds, CEPF, soll dieses Netzwerk die Bedeutung und wichtige ökologische Rolle insbesondere der Gliedertiere Madagaskars vermitteln.

Ansprechpartner:

Dr. Thomas Wesener
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Leiter der Sektion Myriapoda
Tel: +49 228 9122 - 425
E-Mail: t.wesener@leibniz-zfmk.de

Christina Lara Sagorny
Tel: +49 228 9122-423
E-Mail: s6chsago@uni-bonn.de

Quelle: Sagorny, C. & Wesener, T. (2017). Two new giant pill-millipede species of the genus Zoosphaerium endemic to the Bemanevika area in northern Madagascar (Diplopoda, Sphaerotheriida, Arthrosphaeridae). Zootaxa, 4263 (2): 273–294. http://doi.org/10.11646/zootaxa.4263.2.4

Kurzerläuterung:
Mikro-CT oder Röntgen-Mikrocomputertomografie: Eine Methode, wie sie auch bei CT-Scans in Kliniken eingesetzt wird, allerdings ist das System kleiner und weist eine stark erhöhte Auflösung auf. Es ist eine Form der 3D-Mikroskopie dar, bei der die interne Struktur von Objekten zerstörungsfrei und in brillanter Qualität als Bild mit sehr feiner Auflösung dargestellt wird..


Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 91 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Informationen:

http://doi.org/10.11646/zootaxa.4263.2.4

Sabine Heine | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.zfmk.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie