Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fütterung bis ins Jugendalter: Fledermaus-Mütter vermitteln akustische Echobilder und Tischmanieren

23.05.2013
Wenn Fledermaus-Mütter ihre Jungtiere füttern, geben sie nicht nur Nahrung, sondern offenbar auch überlebenswichtige Informationen zur Jagdstrategie und über das Beutespektrum weiter.

Zu diesem Schluss kommen Biologinnen um Inga Geipel und Dr. Mirjam Knörnschild (Institut für Experimentelle Ökologie Uni Ulm) in ihrem Fachbeitrag für das Journal „Animal Behaviour“. Überhaupt konnten die Wissenschaftlerinnen erstmals zeigen, dass eine Fledermausart, die kleine Großohrfledermaus (Micronycteris microtis), ihren Nachwuchs nach der Entwöhnung mit fester Nahrung versorgt.


Die kleine Großohrfledermaus
Foto: Geipel

Auf Barro Colorado Island in Panama haben die Forscherinnen über mehrere Monate fünf Mutter-Kind-Paare der verbreiteten Fledermausart mit einer Infrarotkamera in ihrem Nachtquartier gefilmt. Um die familiäre Zuordnung bei der Auswertung des Bildmaterials zu erleichtern, hatten sie betroffene Fledermaus-Gruppen zuvor eingefangen und mit Blondierungscreme markiert.

Die kleine Großohrfledermaus lebt in sozialen Gruppen von drei bis zehn Tieren. Weibchen bringen typischerweise einmal jährlich im Mai ein Junges zur Welt, das dann für einige Wochen gesäugt wird. „Die Videoaufnahmen zeigen, dass Muttertiere ihren eigenen Nachwuchs bis zu fünf Monate nach dem Abstillen mit intakten Insekten versorgen. Teilweise überbringen sie dem Jungen mehr als die Hälfte ihrer Beute“, fasst Inga Geipel zusammen. Die kleinen Fledermäuse werden also noch mit erwachsenentypischer Nahrung gefüttert, wenn sie selbst schon flugfähig sind und jagen können. Allerdings nimmt die mütterliche Beuteübergabe mit steigendem Alter des Jungtiers ab.

Warum also der Aufwand? Die Biologinnen vermuten, dass Fledermaus-Mütter ihren Jungen bei der Nahrungsübergabe charakteristische akustische Echobilder beibringen. Die Jagdstrategie der kleinen Großohrfledermaus ist nämlich sehr komplex: In der dichten Vegetation des neotropischen Regenwaldes, die viele Störechos zurückwirft, spüren die nachtaktiven Säuger laut- und bewegungsarme Insekten ausschließlich mittels Echoortung auf. Die entsprechenden akustischen Echobilder wollen also gelernt sein. Von Micronycteris microtis ist übrigens nicht bekannt, dass Jungtiere die Eltern beim Jagen begleiten und auf diese Weise wichtige Strategien einüben.
Ein weiterer Grund für die Beuteübergabe könnte ganz praktischer Natur sein: Für unerfahrene Jungtiere ist der Umgang mit relativ großen und wehrhaften Insekten schwierig. Auf dem Speiseplan der Fledermäuse, die im Erwachsenenalter etwa fünf bis sieben Gramm wiegen, stehen unter anderem Libellen, Heuschrecken oder Motten. Womöglich vermitteln Fledermaus-Mütter ihren Jungen also „Tischmanieren“.

Bei ihrer Studie wurden Inga Geipel und Dr. Mirjam Knörnschild, Wissenschaftlerinnen am Ulmer Institut für Experimentelle Ökologie, sowie Katja Wallmeyer (Institut für Evolution und Ökologie, Universität Tübingen) vom Smithsonian Tropical Research Institute in Balboa, Panama, unterstützt. An dem Fachbeitrag hat außerdem die inzwischen verstorbene Ulmer Biologie-Professorin Elisabeth Kalko mitgewirkt.

Weitere Informationen:
Inga Geipel: 0731/50 22686, inga.geipel@uni-ulm.de
Dr. Mirjam Knörnschild: 0731/50 22691, mirjam.knoernschild@uni-ulm.de

Inga Geipel, Elisabeth K.V. Kalko, Katja Wallmeyer, Mirjam Knörnschild: Postweaning maternal food provisioning in a bat with a complex hunting strategy. Animal Behaviour. http://dx.doi.org/10.1016/j.anbehav.2013.03.040

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie