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Bekanntgabe der Ergebnisse aus der IGLU-Untersuchung 2006

29.11.2007
Internationale Leseuntersuchung PIRLS/IGLU zeigt:
Deutschlands Grundschulen im europäischen Spitzenfeld

KMK-Präsident Zöllner und Bundesbildungsministerin Schavan sind sich einig: "Die Bildungsreformen beginnen zu wirken."

Die Untersuchungsergebnisse aus der PIRLS/IGLU-Studie 2006 stellen den deutschen Grundschulen ein insgesamt sehr positives Zeugnis aus:

In keinem Land der Europäischen Union sind die Leseleistungen signifikant höher als bei den deutschen Viertklässlerinnen und Viertklässlern. Deutsche Schülerinnen und Schüler liegen sowohl über dem Mittelwert der EU-Staaten als auch über dem Mittelwert der OECD-Staaten, die sich an PIRLS/IGLU beteiligt haben. Zwischen 2001 und 2006 sind die Leseleistungen in Deutschland gestiegen, bei einer relativ geringen Leistungsstreuung. Insbesondere die Zahl besonders schwacher Schülerinnen und Schüler ist gesunken, die Anzahl der starken Leser und Leserinnen hat zugenommen. Die Abhängigkeit der Kompetenzentwicklung von der sozialen Herkunft bleibt eine zentrale Herausforderung der Bildungspolitik. Die frühe Förderung in Kindertageseinrichtungen, aber auch im Elternhaus sind dabei unverzichtbar.

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»Grundschule »KMK »Leseleistung »PIRLS/IGLU
KMK-Präsident Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner:
"Die zahlreichen von der Kultusministerkonferenz (KMK) in der Folge von TIMSS 1997 und PISA 2000 angestoßenen Maßnahmen beginnen zu greifen. Es sind vor allem die verstärkte Hinwendung zu Leseprozessen in den deutschen Grundschulen und die gewachsene öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber schulischen Bildungsprozessen, die zum Anstieg der Leseleistungen beigetragen haben."
Bundesbildungsministern Dr. Annette Schavan:
"Die Grundschule in Deutschland hat sich über alle Messzeitpunkte der letzten 15 Jahre hinweg immer weiter verbessert. Das ist ein klarer Trend. Deutsche Grundschulen spielen in der internationalen Spitzenliga. Allerdings gibt es auch in den Grundschulen den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg. Hier müssen alle weiteren Reformen ansetzen, um Chancengerechtigkeit über die gesamte Bildungslaufbahn hinweg zu ermöglichen."

Die wichtigsten Ergebnisse von IGLU 2006:

Leseleistung im internationalen Vergleich
Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den Staaten, in denen Kinder am Ende der vierten Jahrgangsstufe der Grundschulzeit eine hohe Lesekompetenz erreichen. Kinder in Deutschland schneiden in allen getesteten Bereichen sehr gut ab. Kein Land erreicht am Ende der vierten Jahrgangsstufe signifikant höhere Testleistungen bei der Informationsentnahme von Texten. Gleichzeitig gelingt es Deutschland auch, die Leistungsstreuung vergleichsweise gering zu halten.
Anteil schwacher Leser
Der Anteil der Risikogruppe, d.h. der Schülerinnen und Schüler, die nicht in der Lage sind, relevante Informationen in Texten aufzufinden und miteinander in Beziehung zu setzen, ist in Deutschland auf 13,2% gesunken. Nur in zwei der 35 Teilnehmerstaaten (Hongkong und Niederlande) ist der Anteil signifikant geringer.
Anteil der Spitzengruppe
Der Anteil von Schülerinnen und Schüler auf der höchsten Kompetenzstufe beträgt am Ende der vierten Jahrgangsstufe in Deutschland 10,8% und entspricht damit dem Mittelwert der EU- sowie der OECD-Staaten.
Leseleistungen von Mädchen und Jungen
Die Differenz zwischen Mädchen und Jungen ist in keinem der Teilnehmerstaaten kleiner als in Deutschland. Jungen finden sich etwas häufiger in der Risikogruppe und etwas seltener in der Spitzengruppe.
Soziale Unterschiede
Schüler aus den unteren und oberen sozialen Schichten unterscheiden sich in ihren Leseleistungen erheblich. Die Differenz liegt in Deutschland bei 67 Punkten und damit über dem internationalen Mittelwert.
Migrationsbedingte Ungleichheit
Werden die Leistungsunterschiede zwischen Kindern, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden, und solchen, deren Eltern beide im jeweiligen Staat geboren wurden, gemessen, so fällt die in Deutschland beobachtete Differenz mit 48 Punkten im internationalen Vergleich relativ hoch aus. Gegenüber 2001 sind die migrationsbedingten Ungleichheiten in Deutschland jedoch zurückgegangen (von 55 auf 48 Punkte).
Lesemotivation
Im internationalen Vergleich berichten deutsche Schülerinnen und Schüler von einer hohen Lesemotivation und einem positiven Leseverhalten. In keinem anderen Teilnehmerland der EU gibt es mehr Kinder, die angeben, täglich zu ihrem Vergnügen zu lesen.

Im Vergleich zur Studie im Jahr 2001 zeigt sich, dass die generelle Zunahme der Lesefreude vor allem auf die Jungen zurückzuführen ist.

Elternhaus und Lesekompetenz
Dem Elternhaus kommt bei der Entwicklung von Lesefreude und Leseinteresse eine herausragende Rolle zu. Im internationalen Vergleich lesen deutsche Eltern seltener mit ihren Kindern.
Schullaufbahnempfehlungen und Lesekompetenz
Die Prognosen der Lehrkräfte entsprechen weitgehend dem getesteten Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler. Allerdings lässt sich vermuten, dass es dabei auch Fehleinschätzungen in beide Richtungen gibt: Ein Teil relativ schwacher Leser erhält eine Gymnasialempfehlung und ein anderer Teil relativ starker Leser erhält keine Gymnasialempfehlung.

Schließlich zeigt sich, dass das erwartete Leistungsniveau für eine Gymnasialempfehlung für sozial benachteiligte Kinder und Kindern mit Migrationshintergrund deutlich höher liegt als für Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern.

Bewertung

KMK-Präsident Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner:
"Erfreulich ist vor allem, dass der Anteil der leistungsschwächsten Schülerinnen und Schüler in Deutschland abgenommen hat und die migrationsbedingten Unterschiede leicht zurückgegangen sind. Dennoch zeigt sich in PIRLS/IGLU erneut, dass Deutschland auch im Grundschulbereich nach wie vor zu den Staaten mit großen migrationsbedingten und sozialen Ungleichheiten gehört. Obwohl in den letzten Jahren viele Maßnahmen ergriffen wurden, um insbesondere sozial benachteiligte Kinder zu fördern, zeigt sich hier noch erheblicher Handlungsbedarf.

Die Ergebnisse der PIRLS/IGLU Studie bestätigen die Bedeutung der Handlungsfelder der KMK aus dem Jahre 2001. Hier werden wir konsequent weiterarbeiten."

Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan:
"Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen auch, dass frühe Förderung der Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit für alle Kinder ist. In Kindertageseinrichtungen können Begabungen frühzeitig gefördert sowie Benachteiligungen rechtzeitig erkannt und abgebaut werden. Das BMBF wird seine Initiativen weiter ausbauen."

Bund und Länder sind sich einig, die begonnenen Anstrengungen im vorschulischen und schulischen Bereich fortzusetzen und auszubauen.

Konzept der Studie
Die Kultusministerkonferenz hat 2000 die Beteiligung Deutschlands an der internationalen Studie PIRLS/IGLU (Progress in International Reading Literacy Study/Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) beschlossen. Mit diesem Projekt wird das Leseverständnis der Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschulzeit unter den Aspekten Verstehensprozess und Leseintention erfasst. Durch eine Befragung von Lehrkräften, Eltern, Schulleiterinnen und Schulleitern werden dabei auch die familiären, schulischen und sozialen Bedingungen des Lernens in die Untersuchung einbezogen. Neben der Erhebung der Leseleistung ist es ein wichtiges Ziel von PIRLS/IGLU, die Einstellung zum Lesen und die Lesegewohnheiten der Kinder sowie ihrer Eltern zu erfassen.

Im Abstand von jeweils fünf Jahren wird diese Studie durchgeführt, damit Trends in den Entwicklungen der Leseleistungen und in den Lernbedingungen festgestellt werden können. In Deutschland wird das Projekt von einem interdisziplinären Wissenschaftlerteam unter Leitung von Professor Dr. Wilfried Bos durchgeführt. An PIRLS/IGLU 2006 haben weltweit 35 Staaten teilgenommen. Hinzu kommen 10 Regionen, die für Bildungsfragen weitestgehend selbst verantwortlich sind. In Deutschland wurden für die internationalen Vergleiche rund 7.900 Schülerinnen und Schüler aus 397 Schulen berücksichtigt.

Um die Stellungnahmen von KMK und BMBF zu den Ergebnissen internationaler Schulleistungsuntersuchungen (PISA, IGLU, TIMSS) im Rahmen der neuen Gemeinschaftsaufgabe im Bildungsbereich auf eine inhaltlich tragfähige Basis zu stellen, haben Bund und Länder ein zweistufiges Veröffentlichungsverfahren verabredet:

Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Berichte nehmen BMBF und KMK zukünftig in einer gemeinsamen Erklärung eine erste fachliche Einordnung und bildungspolitische Bewertung der wichtigsten Befunde vor. Eine zweite, inhaltlich vertiefte Stellungnahme mit zentralen bildungspolitischen Folgerungen, konkreten Handlungsempfehlungen und verabredeten Maßnahmen wird nach gründlicher Auswertung der Befunde im Rahmen eines Treffens auf Ministerebene zu einem späteren Zeitpunkt (nach einigen Wochen) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Durch die unmittelbare terminliche Nähe der Veröffentlichung von IGLU 2006-Inter-national (28.11.2007) und PISA 2006-International (4.12.2007) besteht darüber hinaus die Möglichkeit, in einer zweiten, vertieften Stellungnahme zwischen beiden Berichten inhaltliche Verbindungen herauszustellen und die Befunde von Grundschule und Sekundarstufe I miteinander zu verknüpfen. KMK und BMBF werden diese zweite Erklärung voraussichtlich im März 2008 auf Ministerebene der Öffentlichkeit vorstellen.

Eine Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen der Studie ist im Internet auf der Homepage des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IfS) an der Technischen Universität Dortmund abrufbar: http://www.iglu.ifs-dortmund.de/aktuelles.html

Der Bericht "Iglu 2006 - Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich" kann zum Preis von 19,90 ¤ im Buchhandel erworben werden.

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Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/press/

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