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Riesen-Auftrag für Ulmer Uni-Institut - 20 Millionen für Begabtenforschung in den Vereinigten Arabischen Emiraten

19.10.2006
Für einige Beteiligte klang das Projekt zunächst wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Doch jetzt ist es perfekt: Das Institut für Pädagogik der Universität Ulm wird unter Leitung von Professor Albert Ziegler für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) einen nationalen Masterplan für die Begabtenförderung entwickeln und umsetzen.

Am Dienstag unterzeichneten Erziehungsminister Dr. Hanif Hassan und Universitätspräsident Professor Karl Joachim Ebeling in Dubai einen entsprechenden Vertrag. Der Kontrakt wird der Ulmer Uni in den kommenden fünf Jahren 20 Millionen Euro Drittmittel in die Kasse spülen und beinhaltet eine Option für weitere fünf Jahre.

"Keine Frage, das ist für uns schon ein gewaltiges Projekt", sagt Albert Ziegler, seit 2001 Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Ulm, zugleich Leiter der landesweiten Beratungs- und Forschungsstelle für Hochbegabung (LBFH) in Baden-Württemberg. "Aber wir werden das stemmen", ist der renommierte Wissenschaftler zuversichtlich, "schließlich haben wir schon immense Vorarbeiten geleistet".

"Wir" heißt in diesem Fall der früher am Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung in München tätige Projektleiter selbst, seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Heidrun Stöger und Professor Taisir Subhi Yamin von der Arabischen Golf-Universität Bahrain in Manama. Die Realisierung des Planes allerdings werde deutlich mehr Personal erfordern, erläutert Ziegler, der sich 1998 an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität mit einer Arbeit über die Entwicklung des logischen Denkens habilitiert hatte.

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"Wir werden möglichst schnell ein internationales Expertenteam zusammenstellen", so Professor Ziegler. Mit rund 25 Stellen rechnet er, darunter zwei Professuren.

Eine vom Erziehungsministerium der Emirate eingesetzte internationale Expertenkommission hatte Ziegler zufolge sein Institut für den Auftrag vorgeschlagen, basierend wohl nicht zuletzt auf der Reputation des Wissenschaftlers weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Immerhin hatte er vor seinem Ruf an die Universität Ulm eine Gastprofessur an der Columbia-Universität in New York wahrgenommen. Der nächste Schritt: "Dann haben uns die Scheichs um einen Plan gebeten", so Albert Ziegler trocken.

Zunächst sei dabei nur von einem Budget in Höhe von drei Millionen Euro die Rede gewesen, im Laufe der Verhandlungen aber seien "die Erwartungen hochgeschnellt". Die Auftragssumme ebenfalls. Sie beinhalte inzwischen die landesweite Auslese von rund 2000 hochbegabten Kindern, die Einrichtung von 28 Kindergärten und Schulen, die Entwicklung modernster Curricula und exzellenten Lehrmaterials, Lehrfilme inklusive und alles unter Beteiligung der weltweit besten Wissenschaftler auf diesem Gebiet, ferner die Ausbildung geeigneter Lehrkräfte und Dozenten im Rahmen eines speziellen Studienganges.

"Wir wollen mit unserer Initiative den Anstoß dazu geben, eine Generation von Denkern und künftigen Führungskräften für unser Land zu schaffen", erklärte Erziehungsminister Dr. Hanif Hassan bei der feierlichen Vertragsunterzeichnung. Daran nahm neben den Gästen aus Ulm auch Staatssekretär Dr. Jamal Al Muhiri teil, in Personalunion Generalsekretär der Hamdan-Stiftung für Exzellenz im Bildungswesen. Und hinter dieser steht kein Geringerer als Scheich Hamdan bin Rashid Al Maktoum, Bruder des Herrschers von Dubai und dessen Stellvertreter, sowie Finanz- und Industrieminister der Vereinigten Emirate. Er hat die Ulmer Uni-Delegation im Anschluss an die Vertragszermonie ebenfalls begrüßt.

Aus dem Hintergrund ihrer Initiative machen die Regierenden des Wüstenstaats am Persischen Golf kein Geheimnis: In knapp zwei Jahrzehnten etwa dürften die Ölquellen der Emirate versiegen. Bis dahin sollen statt Öl Ideen sprudeln, neue und nachhaltige Einnahmequellen erschlossen werden. Tourismus, Finanzgewerbe, IT-Industrie und eine gigantische Freihandelszone in Verbindung mit einem riesigen Logistikzentrum indes erfordern hoch qualifizierte Arbeits- und Führungskräfte und diese sollen künftig vermehrt aus den eigenen Ressourcen rekrutiert werden.

"Ich bin sicher, dass unsere Wissenschaftler auf dem Gebiet der Hochbegabtenforschung durch dieses Projekt erheblichen Auftrieb und weitere internationale Anerkennung erhalten werden", sagt Universitätspräsident Professor Karl Joachim Ebeling. Zudem sei der Auftrag "eine exzellente Gelegenheit, bereits vorhandene Forschungsergebnisse praxisorientiert umzusetzen und weiter zu vertiefen beziehungsweise aus der Praxis neue Erkenntnisse zu gewinnen". Zugleich sieht er in der Kooperation "eine gewichtige internationale Anerkennung unseres Pädagogik-Instituts, selbstverständlich auch unserer Universität selbst". Ferner betont Ebeling in diesem Zusammenhang nicht ohne Stolz: "Neben unserer Beteiligung an der German University in Cairo ist dies schon das zweite Großprojekt unserer Universität im arabischen Raum." Ebeling und Ziegler zufolge haben bereits weitere Länder Interesse an dem jüngsten Ulmer Projekt signalisiert.

Weitere Informationen: Präsident Prof. Dr. Karl Joachim Ebeling, Tel. 0731/50-22000

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

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