Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Planwirtschaft und Bürokratie bremsen die Hochschulreform

02.11.2001


Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates und der Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung plädieren für Neuordnung von Studienangebot und Hochschulzugang

Eine nachhaltige Reform des deutschen Hochschulsystems wird durch Planwirtschaft und Bürokratie behindert. Ursächlich dafür ist insbesondere ein Relikt aus den 70er-Jahren, die sogenannte Kapazitätsverordnung (KapVO). Sie macht eine längst überfällige Neuordnung von Studienangebot und Hochschulzugang unmöglich. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Karl Max Einhäupl, und der Leiter des CHE, Detlef Müller-Böling, stellten heute auf einer Pressekonferenz in Berlin ein neues Konzept für eine nachfrageorientierte Steuerung des Studienangebotes vor. Damit könnte das lähmende Regelwerk abgelöst und der notwendige Wettbewerb zwischen den Hochschulen weiter belebt werden. Mit dem Hinweis auf strikte Rechtsvorschriften lasse sich der neue Vorschlag nicht bremsen, denn er sei verfassungskonform.

"Die Kapazitätsverordnung ist das Paradebeispiel für eine folgenreiche Fehlentwicklung im deutschen Hochschulsystem", kritisierten die beiden Hochschulexperten. Ursprünglich aufgrund der Urteile des Bundesverfassungsgerichtes in den Jahren 1972 und 1973 zur vollständigen Auslastung vorhandener Lehrkapazitäten und zur gleichmäßigen Belastung der Hochschulen entwickelt, sei die KapVO längst zu einem zentralen Planungs- und Verteilungsinstrument weit über die NC-Fächer hinaus geworden. Seit Jahren würden Ressourcenentscheidungen in den Bundesländern und an den Hochschulen fast ausschließlich mit Blick auf die "Lehrauslastung" von Fächern getroffen.

"Inzwischen erweist sich die Kapazitätsverordnung als Hemmschuh, wenn es darum geht, neue Herausforderungen für die Hochschulausbildung am Beginn des 21. Jahrhunderts aufzugreifen", sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Karl Max Einhäupl. Sie schränke den Handlungsspielraum der Hochschulen ein, wirke innovationsfeindlich und erlaube es vor allem nicht, neuere Entwicklungen bei der Studiennachfrage, etwa vielfältig kombinierbare Kurzzeitstudiengänge, angemessen zu berücksichtigen. Ohnehin habe sich das Regelwerk in Zeiten der Einführung von Globalhaushalten längst überlebt, weil es noch mit festen Stellen rechne.

"Wir schlagen deshalb einen grundlegenden Perspektivenwechsel vor: den Übergang von der angebots- zu einer nachfrageorientierten Steuerung der Studienangebote", sagte CHE-Chef Detlef Müller-Böling. Nur so könne man den Hochschulen die eigenverantwortliche und flexible Ausgestaltung ihrer Studienangebote ermöglichen. Finanzielle Anreize müssten dafür sorgen, dass sie im Wettbewerb unter einander möglichst viele Studierende erfolgreich und am Bedarf orientiert ausbilden. Das setze aber auch voraus, dass sich die Hochschulen ihre Studierenden selbst aussuchen könnten. Parallel dazu müssten sich Studierende in allen Fächern direkt bei der Hochschule ihrer Wahl bewerben können.

Den verfassungsrechtlichen Spielraum für eine Neuordnung von Studienangebot und Hochschulzugang hat im Auftrag des CHE der Rechtsexperte Winfried Kluth von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ausgelotet. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Staat bei seiner grundgesetzlichen Verpflichtung zur Bereitstellung von Studienangeboten durchaus Alternativen hat. Analog zur Entwicklung bei Bahn oder Telekommunikation sei ein Übergang von der staatlichen Bereitstellungspflicht zur sogenannten Gewährleistungsverantwortung des Staates möglich. Dabei muss der Staat einen funktionierenden Wettbewerb von Leistungsanbietern schaffen, durch den die Ausübung insbesondere des Grundrechts auf freie Berufswahl sicher gestellt wird. Eingreifen sollte der Staat nur dann, wenn der Wettbewerb nicht funktioniert.

Frank Ziegele | ots
Weitere Informationen:
http://www.che.de/

Weitere Berichte zu: Bürokratie Kapazitätsverordnung Planwirtschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Weiterbildung – für die Arbeitswelt von morgen unerlässlich!
15.02.2018 | Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

nachricht Roboter als Förderer frühkindlicher Bildung – Neues Forschungsprojekt an der Uni Paderborn
07.02.2018 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics