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Institutionen und Standorte exzellenter Wissenschaft

03.07.2003


DFG legt ihr drittes Förder-Ranking vor - deutlich erweiterte Datenbasis



Berlin und München sind die beiden Regionen, in die die meisten Bewilligungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) fließen. In den drei Jahren 1999 bis 2001 warben Ber-liner Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen bei der DFG insgesamt 307 Millionen Euro Fördergelder ein; in den Stadtkreis München flossen 243 Millionen Euro. Wenn man die Kreise Potsdam und Potsdam-Mittelmark bzw. den Landkreis München mit einbezieht, erhöhen sich die Beträge im Falle der Region Berlin um 36 Millionen Euro und für München um 27 Millionen Euro. Dabei ergibt sich für Berlin ein deutlich höherer Anteil der Bewilligungen im geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächerspektrum, die Region München hingegen setzt ihre Akzente stärker im Bereich Biologie und Medizin.



Dies sind zwei besonders augenfällige Ergebnisse des neuen Förder-Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das heute vorgestellt wurde. Nach 1997 und 2000 ist dies bereits der dritte Bericht über die Verteilung von Bewilligungen auf Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen. Gegenüber den letzten Ausgaben hat sich das Berichtsspektrum allerdings wesentlich erweitert, wie der Untertitel der Publikation zum Ausdruck bringt: Institutionen - Regionen - Netzwerke. Dabei bilden nach Fächern differenzierende Aussagen zu DFG-Bewilligungen je Hochschule und außeruniversitärer Forschungseinrichtung weiterhin den Berichtsschwerpunkt.

Darüber hinaus werden Aussagen getroffen
- zur Einwerbung von Drittmitteln insgesamt,
- zur vernetzenden Wirkung der von der DFG angebotenen koordinierten Programme (Sonderforschungsbereiche, Schwerpunktprogramme, Forschergruppen und Graduiertenkollegs),
- zur institutionellen Herkunft der von der DFG gehörten Gutachter,
- zur Internationalität von Forschung
- zum Zusammenhang zwischen DFG-Bewilligungsaufkommen und der Publikationsaktivität in internationalen Fachzeitschriften.

Diese erhebliche Ausweitung des Berichtsspektrums wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, der Projektmittel bereitstellte und einen wissenschaftlichen Beirat einberufen hat. Des Weiteren wurde eine Medienpartnerschaft mit der Wochenzeitung "Die Zeit" verabredet.

Neben Berlin und München erweist sich erneut die Region Aachen - Bonn - Köln als bewilligungsstark. An Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen in diesen drei Kreisen erfolgten insgesamt Bewilligungen in Höhe von 291 Millionen Euro. Die süddeutschen Regionen Mannheim - Heidelberg - Karlsruhe und Stuttgart - Tübingen warben 231 bzw. 221 Millionen Euro ein. Die Region Sachsen, unter anderem mit den Technischen Hochschulen Chemnitz, Freiberg und Dresden, erhielt insgesamt 129 Millionen Euro DFG-Bewilligungen.


Wenn man die Auswertungen nach Wissenschaftsbereichen betrachtet, so ging in den Geistes- und Sozialwissenschaften (Abb. A 3-1) der höchste Betrag (69 Millionen Euro) nach Berlin, mit großem Abstand vor München (Stadtkreis), Tübingen und Frankfurt am Main mit jeweils ca. 28 Millionen Euro. Einschließlich Potsdam erreicht die Region Berlin einen Wert von 83 Millionen Euro. Berlin verdankt diese besondere Position in den Geistes- und Sozialwissenschaften nicht nur den großen Hochschulen, sondern auch den Geisteswissenschaftlichen Zentren (GWZ), die dort von der DFG gefördert werden, sowie zum Beispiel dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und dem Deutschen Archäologischen Institut.

Im Wissenschaftsbereich Biologie/Medizin (Abb. A 3-2) sind als bewilligungsstarke Standorte erneut Berlin und München sowie Heidelberg, Würzburg, Göttingen und Hamburg auszu-machen.

Im Fachgebiet Naturwissenschaften (Abb. A 3-3) gibt es Schwerpunkte neben Berlin und München vor allem in den Regionen Karlsruhe, Heidelberg, Bonn und Kiel. Der letztgenannte Kreis verdankt seine Position dabei zu großen Teilen auch den außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie GEOMAR-Forschungszentrum für Marine Geowissenschaften sowie dem Institut für Meereskunde.

In den Ingenieurwissenschaften (Abb. A 3-4) ist Aachen die stärkste DFG-Bewilligungsregion. Auch hier erklärt sich dies durch vor Ort angesiedelte außeruniversitäre Einrichtungen, die in vielfältiger Form mit der RWTH Aachen "vernetzt" sind. Weitere bewilligungsstarke Regionen in diesem Wissenschaftsbereich sind Stuttgart, Karlsruhe, Berlin, München und Hannover.

Insgesamt zeigt der Bericht, der mit einem Tabellenteil von etwa 100 Seiten und einem kommentierenden Textteil von 150 Seiten deutlich umfangreicher ist als seine Vorgänger, dass zwischen den verschiedenen Kennzahlen deutliche Zusammenhänge bestehen. So bevorzugen Gastwissenschaftler, die von der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördert werden, im Wesentlichen dieselben Hochschulen, die bei der DFG in großem Umfang Drittmittel einwerben. Das besondere Renommee, das Einrichtungen zu attestieren ist, die in überdurchschnittlichem Umfang von der DFG gehörte Gutachter beschäftigen, spiegelt sich zum Beispiel in der Häufigkeit wider, mit der Publikationen dieser "Gutachterhochburgen" in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht und rezitiert werden. Auch der Zusammenhang zu Drittmittelein-nahmen insgesamt ist deutlich: Hochschulen, die in großem Umfang DFG-Bewilligungen erhalten haben, sind auch sonst überdurchschnittlich drittmittelaktiv.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Analysen zu den Netzwerken, die sich aus der gemeinsamen Beteiligung von Wissenschaftlern verschiedener Einrichtungen an koordinierten Programmen der DFG ergeben. Erwähnenswert ist hier das Beispiel der Humboldt-Universität Berlin. Ihr ist es innerhalb weniger Jahre gelungen, im Netzwerk geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung eine zentrale Position zu besetzen (Abb. 4-5).

Die Analyse erfolgte auf der Datenbasis von

- DFG-Bewilligungen je Hochschule und außeruniversitäre Forschungseinrichtung für die Jahre 1999 bis 2001: mehr als 42.000 Anträge mit einem Volumen von 3,5 Milliarden Euro. Die Bewilligungen gingen an 142 Hochschulen und 445 außeruniversitäre Einrichtungen. Die fachliche Differenzierung erfolgte nach 16 Fachgebieten.
- Drittmitteleinwerbungen 1999 bis 2000 der Hochschulen insgesamt (nach Daten des Statistischen Bundesamtes).
- Personal an Hochschulen 2000 (Daten des Statistischen Bundesamtes).
- DFG-Gutachter: Daten zu etwa 1000 Fachgutachtern und 9000 Sondergutachtern, die schriftliche Gutachten zu 1999 bis 2001 entschiedenen Anträgen eingereicht haben.
- Kooperationen in DFG-geförderten koordinierten Programmen: Hier wurden für eine Auswahl von knapp 500 einrichtungsübergreifenden Programmen Daten ausgewertet.
- Daten zur Internationalität von Forschung, darunter
- Gastwissenschaftler der Alexander von Humboldt-Stiftung 1997 bis 2001,
- ausländische Studierende/Graduierte und Wissenschaftler, die 2000 und 2001 mit den Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes deutsche Hochschulen besuchten, und
- Daten zur Beteiligung von deutschen und ausländischen Hochschulen am
5. Rahmenprogramm der EU.
- Bibliometrische Daten: Hier wurden Befunde aus zwei international vergleichenden bibliometrischen Studien herangezogen.

Die im Bericht vorgestellten Daten zu Hochschulen beziehen sich auf insgesamt 80 Einrichtungen, die 1999 bis 2001 mindestens 0,5 Millionen Euro Bewilligungen eingeworben haben. Danach ergibt sich, dass die Top 20 Hochschulen etwa 56 Prozent des insgesamt eingeworbenen Bewilligungsvolumens auf sich vereinen. Mit Blick auf die früheren DFG-Rankings bleibt festzuhalten, dass die Rangfolgen über die Zeit sehr stabil sind. Die "Stätten der Forschung" sind bekannt. Dennoch ergeben sich im Einzelnen markante Verschiebungen - zum Beispiel für die Universität Würzburg, die sich vom ersten bis zum aktuellen DFG-Ranking vom 14. auf den 10. und 8. Platz verbessert hat. Weitere Beispiele sind die Universität Tübingen, deren Aufstieg vom 12. auf den 6. und schließlich den 4. Rang gelang, und die Universität Erlangen-Nürnberg, die vom 13. auf den 8. und 5. Platz aufstieg.

Im europäischen und internationalen Vergleich gewinnt die Berichterstattung über Forschung und Entwicklung immer mehr an Bedeutung. Neben Inputdaten werden zunehmend Outputindikatoren zur Ergebnisbewertung und zum Leistungsvergleich von Forschungsprogrammen und -einrichtungen benötigt. In Deutschland ist die Datenlage hierzu noch vergleichsweise schlecht. Vor allem gibt es keine bundesweite Aktivität, die solche Daten und Indikatoren sammelt und pflegt. Vor diesem Hintergrund schlägt die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Einrichtung eines Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) vor und hofft, dass diese als wissenschaftliche Hilfseinrichtung angedachte Aktivität bald realisiert werden kann.

In der Summe bestätigen die verschiedenen Befunde des jetzt vorliegenden dritten Ranking vor allem eine Annahme, die bereits für die erste Ausgabe programmatisch war: DFG-Bewilligungen sind ein guter Indikator für Forschungsaktivität. Sie korrelieren hoch mit Drittmitteln insgesamt, mit der Anziehungskraft auf ausländische Gastwissenschaftler, mit der Beteiligung an internationalen Programmen und mit der Publikationsaktivität sowie dem Re-zeptionserfolg in internationalen Fachzeitschriften.

Nähere Informationen: Dr. Jürgen Güdler, Direktor Informationsmanagement der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Kennedyallee 40, 53175 Bonn, Tel.: 0228/885-2649, E-Mail: juergen.guedler@dfg.de

Deutsche Forschungsgemeinschaft
Förder-Ranking 2003
Institutionen - Regionen - Netzwerke
DFG-Bewilligungen und weitere Basisdaten öffentlich geförderter Forschung
2003, 250 S.

Hinweis für Redaktionen:
Redaktionen können ein kostenloses Rezensionsexemplar beim Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Kennedyallee 40, 53175 Bonn, Tel.: 0228/885-2109 oder Fax: 0228/885-2180, anfordern. Im Internet sind der Bericht sowie weitere Materialien unter: http://www.dfg.de/ranking/ abrufbar.

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/ranking

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