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Bisher unbekanntes Leibniz-Buch entdeckt

26.03.2001


Bei der Arbeit an der Akademieausgabe sämtlicher Schriften und Briefe von G. W. Leibniz (1646-1716) ist der Druck eines bisher unbekannten Werkes dieses Universalgelehrten entdeckt worden. Es handelt sich um das

1694 mit Druckort Amsterdam anonym veröffentlichte Buch "Fas est et ab hoste doceri" [= Man sollte auch bei seinem Gegner in die Lehre gehen]. "Etliche Edicten aus der Schmiede des Richelieu, zum Exempel dienend, wie man sich im Nothfall gegen einen andringenden Feind angreiffen soll. Mit einer auff diese Zeiten gerichteten Vorrede an die Teutsche Nation. Quelques edits de la fabrique du Cardinal Richelieu, pour servir d’exemple comment il faut faire des efforts pour resister à l’ennemi dans un pressant besoin. Avec une preface adressée à la Nation Allemande et convenable au temps."

Die Schrift enthält eine deutsch und französisch verfaßte militärpolitische Stellungnahme zu der damaligen Kriegssituation zwischen Deutschland und Frankreich. Das Buch ist nur noch in wenigen europäischen Bibliotheken vorhanden. Ein Teil des Werkes enthält Edikte aus dem Jahr 1636, mit denen Richelieu eine Blitzmobilmachung gegen feindliche Truppen bewirken wollte, die sich von den spanischen Niederlanden her Paris näherten. Leibniz hatte die Edikte aus Frankreich mitgebracht. In der umfangreichen Einleitung empfiehlt er sie als ein nachahmenswertes Beispiel, aus dem die 1694 durch Frankreich militärisch bedrängten deutschen Territorien ihren Nutzen ziehen könnten.

Die Entdeckung gelang Dr. Sabine Sellschopp, wiss. Mitarbeiterin der Potsdamer Leibniz-Editionsstelle, bei der Analyse mehrerer Handschriften der Niedersächsischen Landesbibliothek, unter anderem an Hand kleiner Aufzeichnungen, die Leibniz 1688 im Zusammenhang einer Audienz bei Kaiser Leopold I. angefertigt hatte und die nun in der Reihe "Politische Schriften" der Leibniz-Akademie-Ausgabe veröffentlicht werden. Zum Teil waren diese Notizen bereits im 19. Jahrhundert in Leibniz-Ausgaben gedruckt worden, ohne daß sie von den damaligen Herausgebern als Hinweise auf das nun entdeckte Leibniz-Buch erkannt worden wären. Erst die Arbeit an der historisch-kritischen Edition führte auf die richtige Spur.

Die Bedeutung des Fundes, der den Universalgelehrten als einen auch in der Militärpolitik sachkundigen und engagierten Autor erweist, erhellt nicht zuletzt daraus, daß zu Leibniz’ Lebzeiten nur ein verschwindend geringer Teil seines gewaltigen Schrifttums im Druck erschienen ist.

Informationen:
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Akademienvorhaben Leibniz-Edition, Dr. Hartmut Rudolph, Tel: 0331/2796-123, E-Mail: rudolph@bbaw.de

Renate Nickel | idw

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