Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3,2 Millionen Euro für neue DFG-Forschergruppe

22.02.2010
Nutzpflanzen wie Getreide oder Raps gedeihen in der Regel besser, wenn das Feld zuvor von den passenden "Wegbereiter-Pflanzen" bewachsen war.

Warum das so ist, wird aber bislang nur zum Teil verstanden. Wissenschaftler aus ganz Deutschland untersuchen nun in einer neuen Forschergruppe, wie die Fruchtfolge die Erschließung von Nährstoffen aus dem Unterboden beeinflusst.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Verbundprojekt mit insgesamt rund 3,2 Millionen Euro. Davon fließt etwa die Hälfte an die Uni Bonn.

Pflanzen mit Pfahlwurzeln wie die Luzerne können den Boden bis zu einer Tiefe von fünf Metern oder mehr perforieren. Nach dem Absterben der Pflanzen hinterlassen die Wurzeln im Boden so genannte Bioporen.

Diese können anschließend von Regenwürmern besiedelt und mit Regenwurmkot ausgekleidet werden. Nachfolgend angebaute Kulturpflanzen können durch diese "Röhren" den Boden intensiver durchwurzeln und dadurch Nährstoffreservoirs erschließen, die ihnen normalerweise verschlossen bleiben. So zumindest die Theorie.

"Wir wissen momentan noch viel zu wenig, welche Auswirkung Bioporen auf die Nährstoffmobilisation aus dem Unterboden haben", erklärt Professor Dr. Ulrich Köpke. Der Agrarwissenschaftler vom Institut für Organischen Landbau an der Uni Bonn ist Sprecher einer neuen deutschlandweiten Forschergruppe, die das ändern möchte. Unter anderem mit einem ganz praktischen Ziel: Im Unterboden lagern jede Menge Kalium, Stickstoff und Phosphor - Elemente, die Pflanzen normalerweise mit dem Dünger zugeführt werden müssen. Gelänge es jedoch, die vorhandenen Nährstoffe durch eine geeignete Fruchtfolge vermehrt zu erschließen, könnte man die Düngermenge vielleicht deutlich reduzieren.

Doch treten die Wurzeln von Weizen, Gerste oder Raps, die in Bioporen nach unten wachsen, überhaupt in einen intensiven Kontakt zur Porenwand? Oder ist es mit ihnen eher wie mit den Halteseilen eines Fahrstuhls, die ja den Fahrstuhlschacht gar nicht berühren? "Wir werden das Wurzelwachstum in Bioporen unter anderem mit Endoskopen genau unter die Lupe nehmen", sagt Köpke. Noch detailliertere Einblicke erhoffen sich die Forscher von modernen tomographischen Verfahren. Damit wollen sie das dreidimensionale Wurzelwachstum berührungsfrei und weitgehend ohne Störungen erfassen.

"Wegbereiter-Pflanzen" verändern aber auch die chemischen Verhältnisse und die Bakterienzusammensetzung im Boden. So ist die Luzerne dazu in der Lage, Luftstickstoff zu fixieren, der dann wiederum von nachfolgenden Pflanzen genutzt werden kann. Zudem scheiden Wurzeln Substanzen aus, die es ihnen erleichtern, Nährstoffe zu lösen. Auch diese Zusammenhänge sind noch nicht bis ins Detail erforscht.

Als "Wegbereiter-Pflanzen" dienen den Wissenschaftlern Luzerne, Wegwarte und Rohrschwingel, die sie jeweils ein, zwei oder drei Jahre anbauen werden. Mit steigender Nutzungsdauer erwarten die Forscher eine größere Menge an Bioporen. Danach wollen sie jeden dieser Ansätze mit verschiedenen Nachfrüchten kombinieren. An dem Mammut-Projekt sind neben Bonn die Universitäten Bayreuth, Halle, Kiel und das Helmholtz Zentrum München beteiligt. Ein weiterer wichtiger Partner ist das Forschungszentrum Jülich.

"Wir öffnen die Tür zu einem bislang weitgehend unbeachteten Bereich des Bodens und zu einem Teil der Pflanzen, der meist im Verborgenen bleibt", sagt Köpke. "Wir erhoffen uns davon neben neuen grundlegenden Einsichten auch langfristig wichtige Erkenntnisse für die nachhaltige Landnutzung"

Kontakt:
Professor Dr. Ulrich Köpke
Dr. Timo Kautz
Institut für Organischen Landbau der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5615
E-Mail: iol@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Datenbrille und Co.: TU Kaiserslautern entwickelt alternative Prüfungsformate fürs Studium
02.02.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Projekt DISTELL erforscht digitale Hochschulbildung
26.01.2017 | Hochschule Esslingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie