Wie Städte fit werden für die Zukunft

Mehr Grün in der Stadt kann helfen, die Folgen des Klimawandels – beispielsweise Hitzestress und Starkregenereignisse – zu minimieren. Nutzung zur redaktionellen Berichterstattung in Zusammenhang mit der Meldung "Wir Städte fit werden für die Zukunft"(Bild: Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung / TUM)

Der Klimawandel führt immer häufiger zu starken Regenfällen, Hitzewellen und Dürreperioden. „Die extremen Wetterbedingungen sind für Mensch und Natur eine große Belastung. Um diese zu verringern, arbeiten wir an einem neuen, grünen und zukunftsfähigen Stadtkonzept“, erklärt Prof. Werner Lang, Leiter des Zentrums Stadtnatur und Klimaanpassung der TUM. „Dabei geht es nicht nur um Strategien zum Klimaschutz“, sagt Lang, „sondern darum, Konzepte zu entwickeln, mit denen sich das Leben in Ballungsgebieten nachhaltig gestalten lässt.“

Die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf betont: „Weltweit schreiten die Klimaveränderungen voran. Auch Bayern bleibt nicht verschont. Deshalb müssen wir jetzt handeln. Mit dem Forschungsvorhaben geben wir den Kommunen Beispiele an die Hand, wie die Anpassung an Klimaveränderungen in der Stadt und der Schutz der Natur gleichzeitig möglich werden.“

Um Städte fit zu machen für die Zukunft, arbeiten Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Architektur, Städteplanung, Landschaftsarchitektur und -planung eng mit Expertinnen und Experten aus der Ökologie, Biologie und Soziologie zusammen. „Der interdisziplinäre Ansatz ist wichtig, weil alle Maßnahmen, die wir ergreifen, um Städte an die klimatischen Veränderungen anzupassen, das Wechselspiel zwischen Menschen, Tier- und Pflanzenwelt sowie Mikroklima in vielfältiger Weise beeinflussen“, sagt Lang, der den Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen an der TUM leitet.

Drei Siedlungen, ein Ziel

Wie komplex die Zusammenhänge sind, zeigt die Untersuchung von drei Modellsiedlungen im Teilprojekt „Klimaschutz und Grüne Infrastruktur in der Stadt“. Die Forscherinnen und Forscher verglichen Wohngebiete in der Münchner Maxvorstadt, in denen Gebäude um Innenhöfe gruppiert sind, mit einer Zeilenbebauung in München-Neuaubing sowie der mittelalterlich geprägten Stadtstruktur in Würzburg-Heidingsfeld.

In allen drei Quartieren ermittelten sie den Energiebedarf der Gebäude und simulierten die Auswirkungen von Dach-, Fassaden- und Freiraumbegrünungen auf das Mikroklima. Gleichzeitig untersuchten sie, welche Tier- und Pflanzenarten sich in die Siedlungstypen integrieren lassen und wie sich diese positiv auf die Biodiversität auswirken.

Die Ergebnisse stellte das Team der TUM zusammen mit ihren Kooperationspartnern der Universität Würzburg, der Universität Kassel sowie dem Bayerischen Landesamt für Weinbau und Gartenbau jetzt beim Symposium Klimaforschung, Stadtnatur und Klimaanpassung vor.

Platz für Menschen, Pflanzen und Tiere

„Die größte Herausforderung bei der nachhaltigen Stadtentwicklung liegt darin, unterschiedliche Interessen von Mensch und Natur, gleichzeitig aber auch den Klimaschutz zu berücksichtigen“, erläutert Prof. Stephan Pauleit, Inhaber des Lehrstuhls für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung und stellvertretender Leiter des Zentrums Stadtnatur und Klimaanpassung.

Ziehen beispielsweise immer mehr Menschen in die Ballungsgebiete, so benötigen sie Wohnraum. Freie Flächen werden bebaut. Durch diese Nachverdichtung gehen jedoch Grünflächen verloren. Die Folge: Es kann kein Wasser mehr versickern, Pflanzen verlieren ihren Lebensraum, es gibt weniger Bäume, die Schatten spenden, Sauerstoff erzeugen und durch die Verdunstung von Wasser an den Blattoberflächen die Umgebungsluft kühlen.

Zahlreiche Tierarten verlieren außerdem ihren Lebensraum, und das Mikroklima verschlechtert sich. Die durch den Klimawandel verursachte Erwärmung verstärkt diese Effekte und kann im Sommer zu unerträglicher Hitze führen.

Planungsgrundlagen für die grüne Stadt der Zukunft

Wer diese Zusammenhänge kennt, kann schon jetzt gegensteuern: indem er möglichst viel regenerative Energien nutzt, verkehrsberuhigte Zonen und Grünflächen einplant, Bäume pflanzt, Häuser mit begrünten Fassaden und Dächern baut. Die Begrünung sorgt dabei nicht nur für gute Luft, sondern verringert zusätzlich den Energiebedarf der Gebäude, weil diese im Sommer nicht mehr, oder zumindest weniger aktiv gekühlt werden müssen.

Nicht alle heimischen Pflanzen sind jedoch für das Leben in der Stadt der Zukunft geeignet: In Bayern setzen schon jetzt die durch den Klimawandel verursachten langen Hitze- und Dürreperioden den Laubbäumen zu. Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern untersucht derzeit im Teilprojekt „City Trees II“, ob die Platane, die im Mittelmeerraum aber auch bei uns häufig verwendet wird, oder die aus Nordamerika stammende Robinie dem Klimastress besser standhalten können als die heimische Winterlinde und welche Auswirkungen zukünftige Klimaverhältnisse auf das Wachstum und die Leistungen der untersuchte Arten haben könnte.

Ergebnisse für die Praxis

Von den Ergebnissen können Kommunen und Baubehörden profitieren. Im Juli wollen die Forscherinnen und Forscher einen Leitfaden veröffentlichen. Er soll künftig bei einer klimaangepassten Stadtplanung helfen.

Das Bayerische Umweltministerium fördert das Forschungsvorhaben „Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung“ mit über zwei Millionen Euro.

Kontakt:

Christina Dotzler
Koordinatorin des
Zentrums Stadtnatur und Klimaanpassung
Tel.:+49.89.289.23209
info@zsk.tum.de

www.zsk.tum.de

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Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

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