Können Schimpansen Gefühle erkennen?

Anmeldungen zur Tagungsteilnahme sind noch möglich (s. unten).
Journalisten und interessierte Besucher sind herzlich willkommen.
Welche psychologischen Prozesse laufen beim Autofahren ab? Wie beeinflusst Motivation das Gedächtnis, und haben Schimpansen tatsächlich eine Vorstellung von den Gefühlen ihrer Artgenossen? Um solche Themen geht es unter anderem bei der 52. Tagung experimentell arbeitender Psychologen (TeaP), die in diesem Jahr an der Saar-Uni stattfindet. Es handelt sich dabei um die zweitgrößte Tagung für Psychologie in Deutschland. Insgesamt werden mehr als 650 Teilnehmer aus ganz Deutschland und dem Ausland zu der Konferenz erwartet. Veranstaltet wird die Tagung von den Saarbrücker Psychologen Christian Frings, Axel Mecklinger, Dirk Wentura und Hubert Zimmer.

Die Grundlagen von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Lernen, Gedächtnis, Denken, Emotion und Motivation und auch ihre neuronalen Korrelate sind Schwerpunkt-Themen der 52. TeaP. Auf der Tagung treffen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zwar verschiedene Themen erforschen, die aber das wissenschaftliche Experiment als Forschungsparadigma teilen. Alle nutzen einen experimentellen Zugang zu psychischen Phänomenen, so wie es in den Naturwissenschaften üblich ist. Man stellt Probanden bestimmte Aufgaben und variiert die Bedingungen, unter denen sie bearbeitet werden. Dabei misst man, wie das Verhalten sich unter den verschiedenen kontrollierten Bedingungen verändert. Aus diesen Veränderungen zieht man Rückschlüsse über die psychischen Mechanismen und Prozesse sowie ihre neuronale Realisierung im Gehirn.

Auf dem Programm der diesjährigen TeaP stehen über 600 Beiträge in deutscher oder englischer Sprache aus allen Bereichen der Psychologie. Renommierte Gastredner im Audimax sind Michael D. Rugg, Elaine Fox, Hal Pashler, Mike Tomasello und Erich Schröger. Elaine Fox von der University of Essex ist eine der führenden Expertinnen im Bereich Soziale Kognition/Emotion. In ihrem Vortrag (Montag, 22.3., 15.15 Uhr) spricht sie darüber, wie unterschiedlich kognitive Prozesse ablaufen, je nachdem ob eine Person anfällig für Stress ist oder diesen gut aushalten kann. Am Montagabend (18.45 Uhr) behandelt Harold Pashler von der University of California, San Diego, die Frage, ob kognitive Erfahrungen dabei helfen, schnell zu lernen und Vergessen zu verhindern. Pashler ist einer der führenden Aufmerksamkeitsforscher aus den USA. Um „Prädiktives Modellieren beim Hören“ geht es am Dienstag um 14.15 Uhr in der Vorlesung von Erich Schröger von der Universität Leipzig. Dabei will er zeigen, dass Menschen über ein Modell ihrer Hörwelt verfügen, das aus den aktuell vorliegenden Bedingungen in der Umwelt abgeleitet ist, aber auch langfristigeres Wissen berücksichtigt. Ebenfalls am Dienstag um 18.45 Uhr spricht Michael D. Rugg von der University of California, Irvine, über das Episodengedächtnis. Er erläutert an Hand neurowissenschaftlicher Befunde, wie sich das Speichern von Episoden und das Wiederabrufen gegenseitig beeinflussen. Mit der Frage, ob Schimpansen Gefühle erkennen, beschäftigt sich schließlich Michael Tomasello vom MPI in Leipzig. Er stellt am Mittwoch ab 14.15 Uhr seine Theorie vor, dass Schimpansen zwar die Ziele anderer wahrnehmen, ihr Bewusstsein aber nicht Glauben oder Sehnsucht umfasst wie beim Menschen. (Alle Vorträge außer dem von Erich Schröger sind in englischer Sprache.)

In verschiedenen Arbeitsgruppen und Symposien beschäftigen sich die Psychologen mit vielen Themen aus der Grundlagenforschung, beispielsweise wie die Steuerung der Aufmerksamkeit oder der Abruf aus dem Langzeitgedächtnis funktionieren. Außerdem befassen sie sich damit, wie Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung wirkt, was die Grenzen des Arbeitsgedächtnisses sind, wie sich solche Leistungen mit dem Alter verändern, wie wir Handlungen kontrollieren oder wie wir zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her wechseln können. In anderen Arbeitskreisen werden anwendungsnahe Themen behandelt, unter anderem Verkehrspsychologie, das Lernen in der Schule sowie Angststörungen. Am Montag, dem 22. März, geht es ab 8.30 Uhr in Hörsaal 103 um das Einfädelverhalten in den fließenden Verkehr auf der Autobahn, Emotionen im Straßenverkehr und das Geschwindigkeitsverhalten. Der Arbeitskreis Schulisches Lernen befasst sich ebenfalls am Montag ab 11 Uhr in Hörsaal 104 mit einem Experiment zum Lernen von Algebra und dem Abschreiben als schulische Arbeitstechnik. Im Symposium „Die Physiologie der Angst“ stehen am Dienstag, 23. März, ab 15.15 Uhr in Hörsaal 116 Themen wie Reaktionen auf das Gefühl von Atemnot bei sehr ängstlichen Patienten oder Effekte von Koffein in Abhängigkeit von der Ängstlichkeit auf dem Programm. Am Mittwoch, 24. März, tagt ab 8.30 Uhr in Hörsaal 103 der Arbeitskreis Medien und Kommunikation. Hier beschäftigen sich die Wissenschaftler unter anderem damit, wie Werbung das Verhalten beeinflusst und welche aggressiven Kognitionen nach dem Spielen gewalthaltiger Computerspiele entstehen.

Die Saarbrücker Professoren beteiligen sich vor allem mit Beiträgen zur Grundlagenforschung an der Konferenz. Das Spezialgebiet von Axel Mecklinger und Hubert Zimmer ist die neurokognitive Forschung zum Langzeit- und Arbeitsgedächtnis: Warum behalten wir manche Dinge gut und andere nicht, welche neuronalen Strukturen tragen zum Erinnern bei und was geschieht, wenn sie geschädigt sind? Oder wo liegen die Grenzen unseres Arbeitsgedächtnisses und was bestimmt sie? Christian Frings und Dirk Wentura beschäftigen sich vor allem mit dem Thema Aufmerksamkeit. Wie schaffen wir es, die Verarbeitung momentan relevanter Informationen abzuschirmen gegen die vielfältigen irrelevanten Informationen, die parallel auf uns einströmen? Wie bleiben wir aber gleichzeitig sensibel für Informationen von übergeordneter Bedeutung, etwa Gefahrsignalen?

Die 52. TeaP wird gefördert von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, dem Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft des Saarlandes, der Saarland-Sporttoto GmbH, der Vereinigung der Freunde der Universität des Saarlandes, der Hogrefe Verlagsgruppe, dem Springer Verlag und der Karlsberg Brauerei. Während der Tagung stellen verschiedene Unternehmen Produkte im Foyer des Audimax aus.

Das gesamte Tagungsprogramm gibt es hier: https://www.teap.de/public/Tagungsband_Teap2010.pdf

Interessierte können sich noch bis 14. März online für die Veranstaltung anmelden: https://www.teap.de/index.php/teap2010/saarbruecken2010/schedConf/registration

Danach ist eine Anmeldung direkt beim Tagungsbüro möglich. Interessierte Zuhörer sollten sich ebenfalls an das Tagungsbüro im Foyer des Audimax wenden.

Kontakt: 0681 302 + Christian Frings (6577), Axel Mecklinger (6515), Dirk Wentura (4642) oder Hubert Zimmer (3637) oder per e-mail C.Frings, Mecklinger, Wentura oder HuZimmer alle @mx.uni-saarland.de

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