Profit statt Ethos. Der Niedergang der Medienkultur?

Am Freitag, 16. November 2012, 16 Uhr, findet in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig ein Akademie-Forum zum Thema „Profit statt Ethos.

Der Niedergang der Medienkultur?“ statt. In einer Podiumsdiskussion debattieren Journalisten und Wissenschaftler über den Wandel des Journalismus im digitalen Zeitalter und über den drohenden Verlust moralischer Leitlinien in der heutigen Medienlandschaft.

Den Einführungsvortrag „Medienethik 2.0 – ein Niedergang der Medienkultur?“ hält Prof. Dr. Stefanie Averbeck-Lietz (Universität Bremen). Teilnehmer der Podiumsdiskussion sind außerdem Christoph Drösser von der Wochenzeitung DIE ZEIT (Hamburg) und Bertram Weiß (Hamburg), der erst kürzlich mit dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus ausgezeichnet wurde und unter anderem als Autor für das Magazin GEO tätig ist. Es moderiert Akademie-Präsident Prof. Dr. Pirmin Stekeler-Weithofer (Universität Leipzig).

Die Rahmenbedingungen für journalistisches Arbeiten haben sich gravierend verändert. Zum einen verursachen globale wirtschaftliche Umbrüche besonders für die Printmedien einen steigenden ökonomischen Druck, der die Recherchemöglichkeiten und -qualität (z.B. durch eigene Korrespondenten) oftmals einschränkt.

Der Anspruch, genügend Leser zu halten oder neue zu gewinnen, mündet nicht selten in dem Versuch, durch polarisierende Berichte und Debatten, schnell publizierte Meldungen und reißerische Schlagzeilen, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Zum anderen sind die Möglichkeiten journalistischen Arbeitens, die sich durch neue Medien bieten, Fluch und Segen zugleich. Kaum hat ein Ereignis stattgefunden, gibt es heutzutage die ersten Kommentare auf Twitter, Facebook und Co. – der Erwartungsdruck, dass die entsprechend sauber recherchierte Hintergrundberichterstattung spätestens am Folgetag in der Zeitung zu lesen ist, steigt.

Doch je genauer ein journalistischer Bericht sein soll, umso weniger lässt er sich meist auf eine plakative Schlagzeile reduzieren. Zunehmend sind Journalisten außerdem auf anonymisierte Quellen angewiesen. Enthüllungsportale wie WikiLeaks und WikiPlag scheinen derzeit Hochkonjunktur zu haben. Wie sollen professionelle Kommunikatoren künftig mit den neuen Inhalten und ihren teils intransparenten Quellen und Autoren, auch dem Verschwimmen der Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, umgehen? Die Kommunikations- und Medienethik trennt ursprünglich die Ebenen der Produktion und der Rezeption von Medieninhalten. Doch ist das noch möglich in Zeiten, in denen die Nutzer selbst Inhalte erstellen und verbreiten? Und welche moralischen Leitlinien greifen dabei eigentlich für wen? Korporative Kodizes wie der Pressekodex sind dem (bloggenden) Publikum ohnehin meist nicht vertraut. Führt dies zunehmend zu ungeprüften Inhalten, also weniger Qualität, und zu mehr Boulevard, also weniger kritischem Diskurs, in der öffentlichen Kommunikation? Wie passt dies alles noch zusammen mit dem Berufsethos eines Journalisten?

Diese und weitere Fragen werden Gegenstand des Akademie-Forums sein. Interessenten sind herzlich willkommen.
Weitere Informationen unter http://www.saw-leipzig.de/medienkultur

Freitag, 16. November 2012, 16 Uhr
Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig,
Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig

Akademie-Forum
Profit statt Ethos. Der Niedergang der Medienkultur?

Einführungsvortrag
Prof. Dr. Stefanie Averbeck-Lietz: Medienethik 2.0 – ein Niedergang der Medienkultur?

Podiumsdiskussion mit

Prof. Dr. Stefanie Averbeck-Lietz (Universität Bremen),
Christoph Drösser (DIE ZEIT, Hamburg),
Bertram Weiß (GEO-Autor, Hamburg) und
Prof. Dr. Pirmin Stekeler-Weithofer (Universität Leipzig / Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig)

Ansprechpartner für Medien

Agnes Schaefer idw

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