Leipzig als Zentrum der Aromen und Duftstoffe – Von Gerüchen, Kommunikation und vergangenen Zeiten

Die Vorträge befassen sich vor allem mit der Duftstoffchemie. Dabei geht es um Parfums und Nahrungsmittel, um synthetisch hergestellte oder aus der Natur gewonnene Substanzen. Vorträge zu Geruch und Kommunikation oder zu Düften vergangener Zeit versprechen gleichermaßen spannende wie informative Einblicke in die Welt der Düfte.

Den Großteil des Programms steuern Referenten aus der Wissenschaft bei. Die Industrie ist mit Vortragenden aus den global führenden Unternehmen Givaudan, Firmenich, International Flavors & Fragrances, Symrise und Takasago vertreten, Unternehmen, die zusammen für über 60 Prozent des Weltmarktes an Aroma- und Duftstoffen stehen. In diesem Jahr richtet erstmals die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie, Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Konferenz aus.

Sissel Tolaas, Tolaas Smell Re_SearchLab, Berlin, bezeichnet sich als Geruchsforscherin und Künstlerin. Sie ist Professorin an der Harvard Business School und war Beraterin beim Film „Das Parfum“. Tolaas referiert in Leipzig über Geruch und Kommunikation und diskutiert die Frage, wie Geruchsmoleküle Aktionen, Reaktionen und Entscheidungen auslösen können. Diese Kommunikation durch unsichtbare Informationen behandelt sie vor dem Hintergrund einer Welt, in der zunehmend desinfiziert wird.

Die Information „Desinfiziert für Ihren Schutz“ lässt oftmals übertriebene Hygiene vermuten, so dass der moderne Mensch, obwohl er genetisch für eine Vielzahl ihn umgebender Düfte ausgelegt ist, ein Wahrnehmungsdefizit erleidet. Tolaas diskutiert in diesem Zusammenhang mit den Teilnehmern Fragen wie: Kann man Gerüche wie ein ABC lernen? Kann man Vorurteile gegen bestimmte Gerüchte überwinden, und wie? Wie kann man Gerüche beschreiben und erinnern? Können Gerüche bemessen werden?

Auf der Spur verlorener Düfte aus vergangenen Zeiten bewegt sich David Pybus vom Unternehmen Scents of Time in seinem Vortrag. Von der Meldung inspiriert, dass ein Beutel mit Parfum-Proben aus den versunkenen Trümmern des Luxusliners Titanic geborgen wurde, begann Pybus sich im Jahr 2000 mit verlorengegangenen Düften zu beschäftigen.

In den folgenden Jahren intensivierte er seine Zusammenarbeit mit Archäologen. So fand er beispielsweise in den Ruinen Pompejis oder bei Ausgrabungen auf Zypern Düfte aus vergangener Zeit, die ihn zu neuen Produkten anregten. Die neu komponierten bzw. wiedergefundenen Düfte wurden zusammen mit einem umfassenden Begleitheft zu ihrer jeweiligen Geschichte bis zur Einstellung der Unternehmenstätigkeit von Scents of Time Mitte 2012 u.a. im British Museum angeboten. Pybus wird die Teilnehmer an der Leipziger Tagung auf diese faszinierende Jagd nach solch verlorenen Düften mitnehmen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit über 1.500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a. Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie öffentlich bekannt zu machen.

Media Contact

Dr. Renate Hoer GDCh

Weitere Informationen:

http://www.gdch.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Das Auto als rollender Supercomputer

Moderne Autos sind mit Elektronik vollgepackt. Das Management der vielen Rechner und Assistenzsysteme ist komplex, zudem erhöhen die Kabelbäume das Gewicht der Fahrzeuge. Fraunhofer-Forschende arbeiten im Verbundprojekt CeCaS an einer…

Digitaler Zwilling für flexible Postsendungen

Biegeschlaffe Postsendungen mit flexibler Verpackung – sogenannte „Polybags“ – stellen Logistiker bei der automatischen Sortierung vor Probleme. Dank moderner Simulationsmethoden gibt es dafür nun eine breit anwendbare Lösung. Wer online…

Klebstoffe aus Federn

Klebstoffe beruhen fast immer auf fossilen Rohstoffen wie Erdöl. Fraunhofer-Forschende haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem der biobasierte Rohstoff Keratin erschlossen wird. Die leistungsfähige Protein-Verbindung ist beispielsweise in Hühnerfedern…

Partner & Förderer