Internationale Fachtagung zur Systembiologie in Lübeck

Systembiologie, ein junges und expandierendes Forschungsgebiet, ist das Thema der diesjährigen Herbstschule und eines internationalen Workshops, die vom 5. bis 9. September 2011 an der Universität zu Lübeck und in den Media Docks stattfinden. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren in einem dreitägigen Workshop und zwölf themenbezogenen Tutorials die neuesten Forschungsergebnisse und profilieren Lübeck als einen der europaweit interessanten wissenschaftlichen Standorte der Systembiologie.

Die Autumn School wird von der Graduiertenschule „Informatik in Medizin und Lebenswissenschaften“ und dem Institut für Neuro- und Bioinformatik der Universität zu Lübeck veranstaltet. Sie bietet Doktoranden, Postdoktoranden und Studierenden am Ende ihres Masterstudiums die Möglichkeit, ihren Horizont im Bereich der Systembiologie zu erweitern neue wissenschaftliche Kontakte zu knüpfen.

Die Biologie, die Lehre vom Leben, wird durch die Erforschung der zugrundeliegenden dynamischen Prozesse auf allen Ebenen bis hinunter zur Nanoskala zunehmend quantitativer. Zugleich wird dieses Verständnis auch zur medizinischen Diagnostik sowie Entwicklung und Beurteilung medizinischer Verfahren genutzt.

International renommierte Wissenschaftler nehmen an der Lübecker Tagung teil, darunter der Physiker Albert-László Barabási aus Boston, die Biophysikerin Prof. Dr. Dr. h.c. Edda Klipp von der Humboldt-Universität Berlin und Kunihiko Kaneko von der Universität Tokyo. Martha Hotz Vitaterna aus Boston ist durch die Entdeckung der „Chronobiotypen“ bekannt geworden, also der genetischen Veranlagung für das Früh- und Spätaufstehen – ein Gebiet, das vielfältige Berührungspunkte zu der in Lübeck stark vertretenen Schlaf- und Gedächtnisforschung bietet.

Mit Spannung erwartet werden auch die neuen Beiträge von Prof. Dr. Peter Stadler, Universität Leipzig, zur Grundlagenforschung in der Bioinformatik und der Evolutionsmodellierung und von Prof. Kim Sneppen, dem Direktor des „Center for Models of Life“ am Niels-Bohr-Institut der Universität Kopenhagen. Auch die benachbarten systembiologischen und bioinformatischen Institute in Rostock, Plön und beider Bremer Universitäten sind an der Tagung in Lübeck aktiv beteiligt.

Am Mittwoch, dem 7. September, sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Autumn School wie auch die Öffentlichkeit um 18.30 Uhr zu einem Empfang im Audienzsaal des Lübecker Ratshauses eingeladen. Um Anmeldung von Nicht-Tagungsteilnehmern per Email an as11@gradschool.uni-luebeck.de wird gebeten. Nach den Grußworten des Bürgermeisters und des Präsidiums der Universität gibt Prof. Lisa Marshall, Institut für Neuroendokrinologie, einen Einblick in die interdisziplinäre und internationale Forschung an der Lübecker Graduiertenschule („Graduate School for Computing in Medicine and Life Sciences“). Ihr Kurzvortrag hat das Thema „Impact of oscillatory electric currents on learning and memory“

Typische Fragestellungen der Systembiologie, die auf der Autumn School behandelt werden, sind etwa:
– Wie interagieren die einzelnen Moleküle innerhalb einer Zelle?
– Welche Information vererbt die Zelle neben der DNA?
– Wie funktioniert robuste Kommunikation (sowohl in biologischen wie auch in sozialen Netzwerken)?
– Welche dieser Mechanismen sind bei der Entartung zu einer Krebszelle gestört?
– Was passiert im Gehirn, während wir schlafen?
Die aufwändigen mathematischen Modelle und tiefgehenden biologischen Mechanismen machen die Systembiologie zu einem ausgesprochen komplexen und interdisziplinären Fach, das Einfluss auf alle klassischen Disziplinen der Wissenschaft nimmt. Systembiologie in der Lehre, zum Beispiel als eigenes Studienfach, ist meist noch stark unterrepräsentiert.

Priv.-Doz. Dr. Jens Christian Claussen aus dem Institut für Neuro- und Bioinformatik der Universität zu Lübeck ist zusammen mit Prof. Dr. Amir Madany Mamlouk und Katja Dau einer der Tagungsorganisatoren. Zu den Erwartungen an die Autumn School sagt er: „Wir versprechen uns zusätzliche Impulse für unsere Forschungen zur Systembiologie in Lübeck und eine deutlichere Sichtbarkeit auf der nationalen und internationalen Wissenschaftslandkarte.“

Media Contact

Rüdiger Labahn idw

Weitere Informationen:

http://www.inb.uni-luebeck.de/~as11

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