Frühe Mehrsprachigkeit ist unverzichtbar

Fundierte Sprachkenntnisse ebnen den Weg für Bildung, Beruf und Privatleben. Deshalb setzt die Baden-Württemberg Stiftung seit 2002 mit ihrem landesweiten Programm Sag’ mal was auf frühzeitige, interaktive Förderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund. Dabei sind Kitas, der Übergang in Grundschule sowie ganz aktuell der Sozialraum – beispielsweise in Kinder- und Familienzentren – zentrale Felder.

Die Stiftung versteht sich dabei als Impulsgeberin und stößt neue Projekte an, die Herausforderungen im Bereich der frühen Sprachförderung in Angriff nehmen. „Wo wir Handlungsbedarf sehen, agieren wir“, sagt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. Bei Tagesmüttern waren Themen wie Sprachförderung und Mehrsprachigkeit bis vor kurzem kaum relevant. Unsere Initiative, die Betreuer in der Kindertagespflege an dieser Stelle zu qualifizieren, ist auf große Resonanz gestoßen, und die Nachfrage steigt“.

Förderung so früh wie möglich

Kinder werden durch das Erlernen einer zweiten oder weiteren Sprache keinesfalls überfordert. Im Gegenteil: es ist eine natürliche Begabung des Menschen, mehr als eine Sprache zu erlernen. Wichtig dabei sind eine frühzeitige Unterstützung der Mehrsprachigkeit und die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Sprachen in unterschiedlichen Kontexten.

Sowohl Kinder mit Migrationshintergrund als auch deutsche Kinder profitieren vom frühen Kontakt mit anderen Sprachen und Kulturen – gerade in einer globalisierten Gesellschaft. Als wichtiges Hilfsmittel bei der Ermittlung des Sprachniveaus bei Kindern hat sich LiSe-DaZ® erwiesen. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich eine normierte linguistische Sprachstandserhebung, die als einzige ihrer Art das Thema Mehrsprachigkeit berücksichtigt. Auf der Basis der so erhobenen Daten lässt sich die individuelle Förderung eines Kindes perfekt umsetzen.

Mehrsprachigkeit als Chance verstehen

„Migrationsbedingte Sprachenvielfalt ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern wird uns in der absehbaren Zukunft kontinuierlich begleiten“, so Prof. Dr. Ingrid Gogolin, die Allgemeine, Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg lehrt. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Formen von Mehrsprachigkeit aufwachsen, nimmt zu.“

Durch mangelnde Sprachkenntnisse werden Kindern Bildungswege verbaut, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind demzufolge gering, und die Gefahr des sozialen Abstiegs ist groß. Deshalb ist die Förderung, gerade bei Kindern mit nicht-deutschen Eltern, so wichtig.

„Kinder haben ein Recht auf Bildung von Anfang an. Deshalb setzt das Land einen Schwerpunkt auf eine früh beginnende, alltagsintegrierte und kontinuierliche Sprachförderung in den Kitas. Denn hier können wir möglichst früh ansetzen, um ungleiche Startvoraussetzungen junger Menschen auszugleichen“, erklärt Kultusstaatssekretär Volker Schebesta MdL.

Neue Thesen in „Stuttgarter Erklärung“

Beim ersten Kongress zum Thema „Frühe Mehrsprachigkeit: Mythen – Risiken – Chancen“ im Jahr 2006 wurde die Mannheimer Erklärung veröffentlicht, die elf Thesen zur frühen Mehrsprachigkeit enthielt. Seitdem wurde das Programm konsequent weiterentwickelt und um verschiedene Projekte erweitert, zum Beispiel durch die Einbeziehung von Kinder- und Familienzentren oder die Qualifizierung von Personen, die in der Kindertagespflege arbeiten.

Unter Einbeziehung der neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Praxiserfahrung wird deshalb beim diesjährigen Kongress das Thesenpapier erweitert und als „Stuttgarter Erklärung“ bekannt gegeben. Prof. Dr. Rosemary Tracy von der Universität Mannheim erklärt dazu: „Bei der diesjährigen Tagung stehen vor allem die Chancen der frühen Mehrsprachigkeit im Vordergrund. Außerdem sind mit den vielen Flüchtlingskindern und so genannten Quereinsteigern noch einmal ganz neue Herausforderungen auf uns zugekommen. Umso wichtiger ist es, dass mittlerweile immer mehr Teams pädagogischer Fachkräfte, Lehrerinnen und Lehrer sich das für eine erfolgreiche Förderung nötige Grundlagenwissen und entsprechende Handlungskompetenzen angeeignet haben.“

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Julia Kovar idw - Informationsdienst Wissenschaft

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