Europabilder: Innen- und Außenansichten

Dass die Abwesenheit von Kriegsangst ältere Generationen emotional mit Europa verband, ist jüngeren Europäerinnen und Europäern nur noch schwer zu vermitteln. Selbstbilder wie das „christliche Abendland“ oder eine „europäische Leitkultur“ von Humanismus und Aufklärung haben geringe Strahlkraft oder zerbrechen an den historischen Konflikten zwischen europäischen Nationalstaaten.

Die vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), dem Ludwig Boltzmann Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit, der Veranstaltungsinitiative Europäische Horizonte und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der Universität Gießen veranstaltete Tagung widmet sich dem Problem der mangelnden ikonischen Plastizität und kulturellen Evidenz Europas bzw. der Europäischen Union unter zwei Gesichtspunkten: So werden am ersten Tag exemplarische Versuche analysiert, Europabilder ikonographisch zu (re-)konstruieren. Zentral ist die Frage, wie Europa konkret in Bilder übersetzt und visuell erfahrbar gemacht wird.

Der zweite Teil thematisiert „Denkbilder“ in Form von Außenwahrnehmungen. Dabei wird die interkulturelle Präsenz Europas aus der Perspektive anderer Kulturen beleuchtet – denn kollektive Selbstbilder und Identitäten, wie sie im Rahmen von Nationen, Gesellschaften und Kulturen wirksam werden, konstituieren und verändern sich immer auch in Prozessen der Wahrnehmung und Abgrenzung von anderen.

An der interdisziplinären Tagung nehmen Vertreterinnen und Vertreter der Geschichts- und Kulturwissenschaften, der Soziologie, Politikwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie, Romanistik, Medien- und Islamwissenschaft wie auch der Politik und der Medien teil (siehe Tagungsprogramm unten).

Öffentlicher Abendvortrag und Podiumsdiskussion am 4. Dezember 2008:
Am Beispiel der Ukraine werden die Innen- und Außenansichten Europas in einer öffentlichen Abendveranstaltung diskutiert. Mykola Riabchuk, Essayist und Herausgeber der literarischen Monatszeitung „Krytyka“ in Kiew, spricht in einem Vortrag über die Lage der Ukraine am geopolitischen und kulturellen Scheideweg zwischen Europa und Eurasien. Es folgt eine Diskussion aus ukrainischer, russischer und europäischer Perspektive mit dem Philosophen Michail Ryklin (Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Moskau) und Claus Leggewie (Direktor des KWI).
Datum: 4. und 5. Dezember 2008
Ort: Philharmonie Essen (Weißer Saal), Huyssenallee 53, 45128 Essen
Journalistinnen und Journalisten sind während der gesamten Tagung willkommen.
Anmeldung für die Tagungsteilnahme bitte bis spätestens zum 26. November 2008 bei Maria Klauwer, Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Tel. 0201 7204 -153, maria.klauwer@kwi-nrw.de.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Magdalena Schaeffer, Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Tel. 0201 7204 -152, magdalena.schaeffer@kwi-nrw.de.
Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter
http://www.kulturwissenschaften.de/home/veranstaltung-176.html und http://ehp.lbg.ac.at.

TAGUNGSPROGRAMM:

Donnerstag, 4. Dezember 2008 / Europabilder – Innenansichten

10.00 Uhr
Begrüßung und Einführung
Harald Welzer, Center for Interdisciplinary Memory Research im KWI
10.15 – 11.00 Uhr
Keynote
Gerhard Paul, Universität Flensburg
Bildgedächtnis und Bilderwelt Europas. Bemerkungen aus der Sicht der Visual History
Panel 1 – Europäische Leitmotive und Ikonen
11.00 – 11.45 Uhr
Daniela Kneißl, Deutsches Historisches Institut Paris
Europa darstellen – Europa bauen? Leitlinien der Visualisierung Europas und der Europäer in den 50er Jahren

11.45 – 12.00 Uhr Kaffeepause

12.00 – 12.45 Uhr
Matthias Bruhn, Helmholtz-Zentrum Berlin
Bilder, European Style. Die Konstruktion Europas im System der Bildagenturen
12.45 – 13.30 Uhr
Anja Besand, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Das Europabild in der politischen Bildung
13.30 – 14.30 Uhr Mittagessen
Panel 2 – Alte Mauern und neue Grenzen im europäischen
Bildgedächtnis
14.30 – 15.15 Uhr
Benjamin Drechsel, Ludwig Boltzmann Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit am Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Gießen

Berliner Balanceakte. Anmerkungen zur europäischen Dimension von Mauerbildern

15.15 – 16.00 Uhr
Ramón Reichert, Ludwig Boltzmann Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit

Die Medialisierung der Grenze: Von der Berliner Mauer zur EU-Grenze in Ceuta

16.00 – 16.45 Uhr
Petra Mayrhofer, Ludwig Boltzmann Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit am
Demokratiezentrum Wien
„Festung Europa“? Grenzikonographien im europäischen Raum
16.45 – 17.00 Uhr: Kaffeepause
Panel 3 – Periphere Bilder von Europa
17.00 – 17.45 Uhr
Nicole Doerr, Europäisches Hochschulinstitut Florenz
Bilder des anderen Europas – Emergente transnationale Öffentlichkeitsräume „von unten“
17.45 – 18.30 Uhr
Francesca Falk, eikones Basel
Bootsflüchtlinge & Bildgedächtnis: Ikonen „gefährdeter“ Grenzen
19.00 Uhr
Abendvortrag und Podiumsdiskussion
Mykola Riabchuk (Kiew/Paris)
Divided We Stand: Ukraine at the Cultural and Geopolitical Crossroads
anschließend Diskussion mit Michail Ryklin (Moskau) und Claus Leggewie (KWI)
Freitag 5. Dezember 2008/ Europabilder – Außenansichten
9.00 – 9:15 Uhr
Begrüßung und Einführung
Friedrich Jaeger, KWI und Helmut König, RWTH Aachen
9.15 – 10.15 Uhr
Christian D. Falkowski, EU-Kommission/Botschafter a.D.
Die Außenbeziehungen der Europäischen Union – Multilaterale Politik in einer sich ändernden Welt
10.15 – 11.15 Uhr
Stefan Reichmuth, Universität Bochum
Zwischen Identifikation und Trauma: Schnittstellen im Verhältnis der Muslime zu Europa

11.15 – 11.30 Uhr: Kaffeepause

11.30 – 12.30 Uhr
Christoph Marx, Universität Duisburg-Essen
„Europeans only“. Europa als Leitbild, Vorbild und Zerrbild in Südafrika, 1948-2008
12.30 – 13.30 Uhr
Christiane Brosius, Universität Heidelberg
Von Enklaven und Kosmopoliten: Zur Rhetorik des Westens im neuen Indien
13.30 – 14.30 Uhr: Mittagessen
14.30 – 15.30 Uhr
Martin Gieselmann, Universität Heidelberg
Europe Remediated: Europabilder in Geschichte und Kultur Chinas
15.30 – 16.30 Uhr
Michael Wala, Universität Bochum
Europäisierung Amerikas – Amerikanisierung Europas: Bilder und Selbstbilder in den europäisch-amerikanischen Beziehungen

16.30 – 16.45 Uhr: Kaffeepause

16.45 – 17.45 Uhr
Katharina Niemeyer, Universität Köln
„Warum will Europa uns so nah sein?“ Lateinamerikanische Schriftsteller zwischen Europasehnsucht und Europamüdigkeit
17.45 – 18:15 Uhr
Abschlussdiskussion
18.30 Uhr: Gemeinsames Abendessen

Media Contact

Magdalena Schaeffer idw

Weitere Informationen:

http://www.kulturwissenschaften.de

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