Das Echo des Urknalls hören

Astrophysiker, die Gravitationswellen erforschen, sind ständig auf der „Jagd“. Ihr Revier ist das Universum, ihre Beute äußerst flüchtig und bisher nur theoretisch fassbar: winzige Erschütterungen und Stauchungen der Raumzeit. Kein Geringerer als Albert Einstein sagte die Existenz von Gravitationswellen mit seiner Relativitätstheorie voraus. Und bis heute – knapp 100 Jahre später – steht ihr direkter Nachweis noch immer aus.

Mit welchen Mitteln die Wissenschaftler die Weiten des Alls nach den so schwer zu messenden Wellen durchforsten, das zeigt das „Einstein-Wellen-Mobil“, das vom 24. August bis 17. September an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Station macht. An rund zehn Mitmachstationen können sich die Besucher anschaulich über Gravitationswellen und die Relativitätstheorie informieren und sich sogar selbst als Gravitationswellenjäger versuchen. Zur Eröffnung der Ausstellung mit einem Übersichtsvortrag am 25. August um 18 Uhr im Foyer des Campusgebäudes (Carl-Zeiß-Str. 3) ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen.

Entwickelt haben die mobile Ausstellung Forscher des Sonderforschungsbereichs/Transregio 7 (SFB/TR 7) „Gravitationswellenastronomie“. „Ziel des ,Einstein-Wellen-Mobils' ist es, Schülern aber auch interessierten Erwachsenen die Welt der Gravitationswellen zu öffnen“, sagt Prof. Dr. Bernd Brügmann von der Universität Jena. Der Inhaber des Lehrstuhls für Gravitationstheorie ist Sprecher des SFB/TR 7, in dem seit 2003 Wissenschaftler der Universitäten Jena, Tübingen und Hannover sowie von Max-Planck-Instituten in Potsdam und Garching zusammenarbeiten. „Wir wollen Neugier für dieses Thema wecken und im Internationalen Jahr der Astronomie etwas von unserer eigenen Begeisterung an die Öffentlichkeit weitergeben“, so Prof. Brügmann.

Gravitationswellen entstehen, wenn schwarze Löcher oder andere sehr massereiche Sterne umeinander kreisen oder gar kollidieren. Auch Sternenexplosionen – sogenannte Supernovae – erzeugen Gravitationswellen; dann bebt förmlich das All. Auch der Urknall vor etwa 14 Milliarden Jahren muss ein Gravitationswellen-Echo hinterlassen haben, das die Wissenschaftler in den nächsten Jahren „hören“ wollen. Dazu nutzen sie Gravitationswellendetektoren – riesige Laser-Interferometer – wie etwa das britisch-deutsche GEO600 in Hannover.

Ein Modell eines solchen Interferometers können die Besucher u. a. in der Ausstellung sehen und selbst bedienen. „In einem Computerspiel wird außerdem deutlich, warum die Gravitationswellen so schwer zu messen sind“, sagt Doreen Müller. Sie ist Doktorandin am Lehrstuhl von Prof. Brügmann und betreut die Jenaer Ausstellung. „Die zu messenden Signale unterliegen einer Vielzahl von Störeinflüssen und müssen aus dem ,Rauschen' erst herausgefiltert werden.“ Wie sich das anhört, erfahren die Ausstellungsbesucher aus erster Hand. Wer es dagegen eher sportlich mag, der kann per Fahrrad mit „Lichtgeschwindigkeit“ durch eine virtuelle Stadt fahren und so die Effekte der Relativitätstheorie hautnah erleben.

Zur Eröffnung der Ausstellung des „Einstein-Wellen-Mobils“ am 25. August um 18 Uhr im Foyer des Campusgebäudes (Carl-Zeiß-Str. 3) ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Die Ausstellung ist vom 24. August bis 4. September in der Carl-Zeiß-Str. 3 täglich von 8 bis 20 Uhr zu sehen. Danach wird die Ausstellung im Gebäude in der August-Bebel-Straße 4 vom 5. bis 15. September ebenfalls täglich (außer Sonntag) von 9 bis 13 und 18 bis 20 Uhr gezeigt.

Kontakt:
Doreen Müller
Theoretisch-Physikalisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Max-Wien-Platz 1
07743 Jena
Tel.: 03641 947666
E-Mail: doreen.[at]@uni-jena.de

Media Contact

Dr. Ute Schönfelder idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Evolutionäre Ursprünge des Appetits

Kieler Forschungsteam zeigt am Beispiel des Süßwasserpolypen Hydra, wie schon Lebewesen mit sehr einfachen Nervensystemen die komplexe Koordination des Sättigungsgefühls und damit zusammenhängende Verhaltensweisen regulieren. Im Laufe der Evolution haben…

Österreichischer Minisatellit OPS-SAT verglüht nach erfolgreicher Mission

Viereinhalb Jahre lang fungierte der an der TU Graz gebaute Nanosatellit als fliegendes Labor im All, um missionskritische Software, Betriebskonzepte und neue Technologien zu erproben. Am 18. Dezember 2019 war…

Ein Pilz verwandelt Zellulose direkt in neuartige Plattformchemikalie

Ein neues Verfahren zur Massenproduktion von erythro- Isozitronensäure aus Abfällen könnte die Substanz zukünftig für die Industrie interessant machen. Der Pilz Talaromyces verruculosus kann die vom Markt bisher wenig beachtete…

Partner & Förderer