Entstehen Allergien schon im Mutterleib?

Kongress in Weimar diskutiert vom 7.-10. September „Schwangerschaft und Immunsystem“

Die Nase läuft, der Atem pfeift, die Augen jucken – immer mehr Menschen leiden an Allergien. Warum ihr Körper plötzlich überempfindlich auf harmlose Stoffe wie Pollen, Tierhaare oder Obst reagiert, ist noch immer nicht vollständig geklärt. Als Gründe sind erbliche Faktoren und Umwelteinflüsse im Gespräch. Eine neue Erklärung werden Forscher auf dem Kongress der Alps Adria Society for Immunology of Reproduction (AASIR) diskutieren, der vom 7.-10. September in Weimar stattfindet: Ob ein Mensch irgendwann in seinem Leben eine Allergie entwickelt, scheint sich oft bereits im Mutterleib zu entscheiden.

„Schon früher ist aufgefallen, dass es bei Allergikern häufiger die Mütter als die Väter sind, die ebenfalls eine Allergie hatten – und das spricht gegen eine reine Vererbungs-These“, erklärt Dr. Udo Markert. Der Immunologe von der Friedrich-Schiller-Universität Jena leitet die internationale Tagung zum Thema Immunsystem und Schwangerschaft, zu der rund 150 Teilnehmer erwartet werden. Die Beobachtung der Mütterallergien brachte Immun-Forscher auf die Idee, dass eine Allergie-Anfälligkeit während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden könnte. Inzwischen festigen sich die Erkenntnisse: Wenn die Mutter in der Schwangerschaft allergisch auf bestimmte Stoffe reagiert, bekommt auch der Embryo etwas davon mit: „Über den Organismus der Mutter wird das Ungeborene mit den Substanzen konfrontiert, die eine Allergie auslösen. Botenstoffe aus dem mütterlichen Immunsystem legen dabei die Grundlage dafür, dass das Kind mit einer erhöhten Anfälligkeit für allergische Reize zur Welt kommt“, fasst der Jenaer Wissenschaftler die Ergebnisse der aktuellen Allergie-Forschung zusammen.

Wie Allergien im Mutterleib entstehen, ist jedoch nur eines von vielen Themen, die auf dem Kongress zur Sprache kommen werden. „Der Einfluss des Immunsystems auf die Schwangerschaft ist erst ansatzweise bekannt“, betont Markert die Notwendigkeit weiterer Grundlagenforschung auf diesem Gebiet. Auf zahlreiche offene medizinische Fragen erwartet er von den Tagungsbeiträgen anwendungsbezogene Antworten: „Wenn wir zum Beispiel erst einmal genau verstehen, welche Rolle das Immunsystem der Schwangeren bei einem bestimmten Typ von Fehlgeburten spielt, werden wir auch lernen, wie wir solche Fehlgeburten verhindern können“, ist der 38-jährige Arzt überzeugt.

Markert leitet an der Friedrich-Schiller-Universität seit einem Jahr ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Forschungsprojekt zur Immunregulation während der Schwangerschaft. Mit diesem und einem weiteren Projekt, das bereits seit drei Jahren vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, ist die Universität Jena eine der wenigen deutschen Hochschulen mit einem Forschungsschwerpunkt Schwangerschafts-Immunologie.

Kontakt:
Dr. Udo Markert
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Jena
Plazentalabor
Bachstr. 18, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 933763
Fax: 03641 / 933764
E-Mail: aasir@med.uni-jena.de

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Axel Burchardt idw

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