Kunststoffverarbeitung: Materialprobe direkt aus dem Compoundier-Prozess

Versuchsbetrieb des Prototyps an einer Doppelschnecke und Wasserbadkühlung. Fraunhofer UMSICHT

Reine Polymere erfüllen nur selten die Anforderungen für die Anwendungen der Zwischen- und Endprodukte. Neben der Herstellung polymerer Rohrstoffe ist daher die Compoundierung ein Kernbereich der Kunststoffverarbeitung. In diesem Prozess werden Kunststoffe durch die Beimischung von Zuschlagstoffen in einem Extruder plastifiziert, vermischt und in einem direkt anschließenden Prozess zur Granulat verarbeitet.

Um die Materialeigenschaften und damit die Werkstoffkenngrößen des Compounds zu ermitteln, werden aus dem Granulat Prüfkörper hergestellt, die einer nachfolgenden Werkstoffprüfung unterzogen werden. In Prüfvorrichtungen werden sie dazu definierten mechanischen, thermischen oder chemischen Belastungen ausgesetzt. Die Herstellung der Prüfkörper – z. B. Schulterstäbe oder Prüfplatten – erfolgt überwiegend mittels Spritzgießen.

Das Verfahren hat jedoch einen Nachteil. »Die Zeit zwischen der Compoundierung und dem Vorliegen der Werkstoffkenngrößen ist zumeist lang, bedingt durch Handlings- und Weiterverarbeitungszeiten«, erklärt Dr. Holger Wack, stelltv. Leiter der Abteilung Materialsysteme und Hochdrucktechnik bei Fraunhofer UMSCHT.

Direkte Probennahme

Forscher von Fraunhofer UMSICHT haben in Zusammenarbeit mit der Brabender® GmbH & Co. KG ein neuartiges Verfahren und Gerät entwickelt, das Material mittels einer Probenahmeeinheit direkt aus dem Compoundier-Prozess entnimmt und gleichzeitig zu Prüfkörpern weiterverarbeitet. »Somit liegt unmittelbar nach der Compoundierung ein Prüfkörper vor, der entsprechend charakterisiert werden kann, ohne den Compoundier-Prozess zu stören«, fügt Dr. Wack hinzu.

Bis zur Serienreife

In der Versuchsphase haben die Forscher das Verfahren mit verschiedenen Werkstoffen erprobt und diese parallel auch auf dem konventionellen Weg untersucht. Dadurch konnten sie Vergleiche zwischen den Technologien ziehen. Mit positivem Ergebnis: Das Betriebsverhalten des Prozesses hat sich bewährt. Die Ausschleusung eines definierten Schmelzevolumens und die Herstellung von DIN gerechten Prüfkörpern sind reproduzierbar möglich. Auch bei schwierigen Betriebsbedingungen und anspruchsvoll zu verarbeitenden Werkstoffen funktioniert das Gerät, das vor kurzem von der Brabender® GmbH & Co. KG unter dem Namen SpeciMold® bis zur Serienreife geführt wurde.

Informieren Sie sich über aktuelle Forschungsthemen und Produkte auf der Messe »K 2016«. Vom 19. bis 26. Oktober ist Fraunhofer UMSICHT in Düsseldorf auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Nordrhein-Westfalen in Halle 6, Stand D76 präsent.

Förderung

Das Projekt » Entwicklung eines modularen inline-Prüfkörper-Spritzgießsystems zur Rezepturoptimierung und Qualitätssicherung in der Kunststoffverarbeitung« wurde durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

Media Contact

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Weitere Informationen:

http://www.umsicht.fraunhofer.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Entwicklung von High-Tech Tech-Schattenmasken für höchsteffiziente Si-Solarzellen

Das Technologieunternehmen LPKF Laser & Electronics AG und das Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) haben einen Kooperationsvertrag vereinbart: Gemeinsam werden sie Schattenmasken aus Glas von LPKF zur kostengünstigen Herstellung hocheffizienter…

Hitzewellen in den Ozeanen sind menschgemacht

Hitzewellen in den Weltmeeren sind durch den menschlichen Einfluss über 20 Mal häufiger geworden. Das können Forschende des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern nun belegen. Marine Hitzewellen zerstören Ökosysteme…

Was Fadenwürmer über das Immunsystem lehren

CAU-Forschungsteam sammelt am Beispiel von Fadenwürmern neue Erkenntnisse über die Regulation der angeborenen Immunantwort. Alle höheren Lebewesen verfügen über ein Immunsystem, das als biologischer Abwehrmechanismus den Körper vor Krankheitserregern und…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close