Zweiter Platz beim EARTO Innovation Award 2015 für Fraunhofer ISC

Fluoreszierende Nanopartikel Bildquelle: Dobberke für Fraunhofer ISC

Ein Prozent der Europäischen Bevölkerung – also rund 8 Millionen Menschen – leiden unter chronischen Wunden – so die Statistik aus dem Jahr 2009. Ihre Behandlung bindet zwei Prozent des europäischen Gesundheitsbudgets. Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft wird die Behandlung chronischer Wunden eine große Herausforderung für die europäischen Gesundheitssysteme werden. Deshalb sind Lösungen für bezahlbare Diagnostik und Therapie auf diesem Gebiet entscheidend.

Im Projekt SkinHeal erarbeitete ein interdisziplinäres Team aus fünf Fraunhofer-Instituten, koordiniert vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC, vier wegweisende Innovationen für die Therapie chronischer Hauterkrankungen.

Zentrale Aufgabe war die Entwicklung eines In-vitro-Modells für chronische Wunden, das insbesondere diabetische Wundmilieus als Testumgebung bereitstellt. Dieses Modell kann nun genutzt werden, um neue Konzepte für die Wundversorgung zu testen. Essenziell für die zuverlässige Bewertung war, dass mit dem neuen ArtCut® gleichzeitig auch eine Methode für das standardisierte Verletzen des Wundmodells bereitgestellt wurde.

Die zweite Innovation betrifft die Überwachung des Heilungsprozesses anhand charakteristischer Biomarker. Die Integration mikrofluidischer Aktoren und Sensoren in einem Wundverband ermöglicht es, neue vakuumunterstützte Therapien lokal anzuwenden. So kann Wundflüssigkeit entnommen werden, ohne den Verband zu öffnen und die Wundheilung zu stören.

Mit der dritten Innovation – dem Einbringen von immunotoxischen oder anderen aktiven Wirkstoffen in den Wundverband – sollen Wirkstoffe lokal und kontrolliert freigesetzt werden und somit den Heilungsprozess fördern.

Die Überwachung des Heilungsprozesses realer Wunden zukünftig so einfach zu gestalten, dass sie möglichst von zuhause aus durchgeführt werden kann, das ist Ziel der vierten Innovation. Fluoreszierende Nanopartikel, die an spezifische Wund-Biomarker binden, zeigen Heilungsfortschritt oder -stagnation an. Aufgenommen mit einer Smartphone-Anwendung helfen die Daten bei der Diagnose und bei der Festlegung der weiteren Behandlung.

Allein in Deutschland kostet die Behandlung chronischer Wunden jährlich rund acht Milliarden Euro. Ein modernes Wundmanagement könnte diese Kosten um bis zu 50 Prozent reduzieren und darüber hinaus die Lebensqualität für die Betroffenen verbessern.

Mit einer einfachen Überwachung des Heilungsprozesses durch den Patienten selbst lassen sich auch Anzahl und Dauer von Krankenhausaufenthalten und damit weitere Kosten senken. In-vitro-Modelle, die Erkrankungen simulieren, könnten die Kosten der Parallelentwicklungen von verschiedenen Materialien und Wirkstoffkandidaten verringern. Ein weiterer Pluspunkt: Sie bieten eine zuverlässige Alternative zu Tierversuchen.

Mehr zum EARTO Innovation AWARD 2015: http://www.isc.fraunhofer.de/fileadmin/FILES/download/news/EARTO_Innovation_Awar…

Kontakt:

Marie-Luise Righi
Leiterin Marketing und Kommunikation
Telefon: +49 931 4100-150
E-Mail: marie-luise.righi@isc.fraunhofer.de

http://www.isc.fraunhofer.de

Ansprechpartner für Medien

Marie-Luise Righi Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Screeningsystem für Lungengeräuschanalyse

Ein an der TU Graz entwickeltes Mehrkanal-Aufnahmegerät für krankhafte Lungengeräusche und die dazugehörige automatische Analyse der Geräusche könnten bestehende Screening-Methoden zur Früherkennung zum Beispiel von Covid-19-Infektionen unterstützen. Hierfür benötigt es…

Digitale Technologien für den Blick in den Boden

Weltbodentag Böden sind eine empfindliche und in Folge intensiver Landwirtschaft auch häufig strapazierte Ressource. Wissenschaftler*innen des ATB entwickeln daher digitale Lösungen für eine ressourcenschonende und umweltgerechte Bodenbewirtschaftung. Mit dem Weltbodentag…

Kartierung neuronaler Schaltkreise im sich entwickelnden Gehirn

Wie kann man neuronale Netze aufbauen, die komplexer sind als alles, was uns bis heute bekannt ist? Forscher am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main haben die Entwicklung von…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen