Auszeichnung für einen wissenschaftlichen Paukenschlag

Bedeutender Forschungspreis für Reinhard Hohlfeld

Große Ehre für einen Mediziner am Klinikum der Universität München: Professor Dr. Reinhard Hohlfeld (51), Leiter des Instituts für Klinische Neuroimmunologie, erhält am 26. November 2004 in Stuttgart den Sobek-Forschungspreis. Der mit 100 000 Euro dotierte Preis ist eine der weltweit bedeutendsten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Multiple Sklerose (MS). Der Sobek-Forschungspreis wird nicht für eine wissenschaftliche Einzelleistung vergeben, sondern würdigt das Gesamtwerk eines Forschers.

Reinhard Hohlfeld gehört – so die Laudatio – „zu den führenden Neuroimmunologen weltweit. Als Erstem gelang ihm 1984 im Labor die Isolierung und die klonale Kultur von humanen T-Helfer-Lymphozyten“. Die Isolierung der T-Lymphozyten war vor 20 Jahren ein wissenschaftlicher Paukenschlag. Diese Zellen des Immunsystems prägen Hohlfelds wissenschaftliches Leben aber bis heute. Die T-Lymphozyten, die ihren Namen der Thymus-Drüse verdanken, in der sie entstehen, nehmen bei der Regulation des Immunsystems eine zentrale Schlüsselstelle ein. Sie sind an vielen lebensnotwendigen Abwehrreaktionen des Körpers beteiligt, unter anderem helfen sie, Bakterien und Viren zu vernichten, können sogar Krebszellen zerstören. Es kann jedoch passieren, dass die T-Lymphozyten ’verrückt spielen’ und in einer Art Überreaktion Bestandteile des eigenen Körpers bekämpfen. Diese Überreaktion spielt bei der Entstehung der Multiplen Sklerose eine große Rolle, sie bietet auch den Ansatz für eine Therapie.

Bei der Multiplen Sklerose, einer schubweise verlaufenden Erkrankung des zentralen Nervensystems, werden zunehmend Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark zerstört. Im schlimmsten Fall droht den Betroffenen ein Leben im Rollstuhl. Bis heute kann MS zwar durch Medikamente in ihrem Verlauf aufgehalten oder abgeschwächt werden, eine Heilung ist aber noch nicht möglich. Das immer bessere Verständnis der autoaggressiven T-Lymphozyten lässt zumindest hoffen, dass es in Zukunft eine Heilung geben wird.

Hohlfeld und seinen Mitarbeitern ist es kürzlich gelungen, autoaggressive T-Lymphozyten von verstorbenen MS-Patienten in der Zellkultur wiederzuleben und dadurch ihre Wirkmechanismen besser zu entschlüsseln. „Die Informationen, die wir dadurch bekommen, helfen mit, eine Strategie gegen MS zu entwickeln“, so Hohlfeld.

Media Contact

Nicole Bongard Uni München

Weitere Informationen:

http://www.uni-muenchen.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Massenreduzierte Fräswerkzeuge senken Energiekosten

Beim Fräsprozess mit Holz werden häufig mehrere Arbeitsgänge zusammengelegt, um Fertigungszeit zu sparen. Dazu wird ein Kombinationswerkzeug mit vielen unterschiedlichen Scheibenfräsern bestückt. Dementsprechend hoch ist das Gewicht – und die…

Neues Material zur CO₂-Abtrennung aus Industrieabgasen

Klimaschutz: Bayreuther Chemiker entwickeln neues Material zur CO₂-Abtrennung aus Industrieabgasen. Chemiker der Universität Bayreuth haben ein Material entwickelt, das einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zu einer nachhaltigen Industrieproduktion leisten…

Auf dem Weg zu einem geschlossenen Kohlenstoffkreislauf

Wie überkritisches Kohlendioxid die elektrochemische Reduktion von CO2 beeinflusst Auf dem Weg zu einer klimaneutralen Industrie spielt die elektrochemische Reduktion von Kohlendioxid eine wichtige Rolle: Mit ihrer Hilfe lässt sich…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close