Antibiotika in der Palliativmedizin

Deutsche Krebshilfe fördert Studie in Aachen

Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, wird der Arzt vom Heiler zum Helfer: Sein Ziel ist es dann, den schwerstkranken Patienten so zu versorgen, dass dieser die ihm verbleibende Zeit als lebenswert empfindet. Dabei stehen sowohl die Linderung der körperlichen Beschwerden des Betroffenen als auch seine psychische Unterstützung im Vordergrund. Beides sind zentrale Aufgaben der Palliativmedizin. Diese Medizin zu etablieren, ist der Deutschen Krebshilfe seit Jahren ein besonderes Anliegen. Am Universitätsklinikum Aachen fördert sie jetzt eine Fallstudie, die den sinnvollen Einsatz von Antibiotika in palliativmedizinischen Einrichtungen untersucht. „Daraus könnten sich neue Leitlinien für die Behandlung schwerstkranker Menschen entwickeln“, sagt der Projektleiter Professor Dr. Lukas Radbruch. Die Deutsche Krebshilfe stellt für die Studie rund 53.000 Euro bereit.

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Versorgung unheilbar kranker Krebspatienten in Deutschland zu verbessern“, sagt Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Denn eine qualitativ hochwertige Palliativmedizin stellt eine wirkliche Alternative zur aktiven Sterbehilfe dar.“ Die Deutsche Krebshilfe fördert seit 1983 bundesweit den Auf- und Ausbau von Palliativstationen an Kliniken und Hospizen. Basisaufgaben der Palliativmedizin sind die Linderung der körperlichen Begleiterscheinungen wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen sowie die individuelle Pflege der Schwerkranken. Wesentlich ist aber auch die seelische, geistige und soziale Unterstützung der Patienten und ihrer Angehörigen.

Ein besonderes Problem bei der medizinischen Betreuung stellt die Infektanfälligkeit der Betroffenen dar. Denn ihr Immunsystem ist häufig sehr geschwächt. In diesen Fällen muss der behandelnde Arzt eine Gratwanderung vollführen: Auf der einen Seite ist er bemüht, dem Patienten ein möglichst lebenswertes Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Auf der anderen Seite ist es sein Ziel, Symptome zu lindern, die unter anderem durch Infektionen bedingt sein können. Dabei kommen häufig Antibiotika zum Einsatz. Doch bei der Frage, ob dies immer der richtige Weg ist, gehen die Expertenmeinungen auseinander. Während einige Studien Antibiotika als Teil der Symptomkontrolle für erforderlich halten, werden Antibiotika von anderen Autoren als wenig sinnvoll bewertet. Der Grund: Antibiotika können erhebliche Nebenwirkungen auslösen. So kann es bei den Betroffenen zu Übelkeit, Brechreiz, Durchfall, Appetitmangel oder allergischen Reaktionen kommen. „Bei Patienten mit weit fortgeschrittenen und unheilbaren Erkrankungen können diese Nebenwirkungen so belastend sein und der Nutzen der antibiotischen Therapie angesichts der kurzen verbleibenden Lebensspanne so klein, dass der Verzicht auf Antibiotika sinnvoller erscheint“, erklärt Professor Radbruch, Direktor der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Unter seiner Leitung untersucht der Arbeitskreis Forschung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin jetzt in einer Fallstudie den sinnvollen Einsatz des umstrittenen Medikaments.

„Unsere Studie ermöglicht nicht nur eine detaillierte Einsicht in die Behandlung von Infektionen bei Palliativpatienten“, so der Projektleiter, „sondern die Ergebnisse könnten auch für die Entwicklung von Leitlinien, für Therapieplanung und Absprachen bei dem Einsatz von Maßnahmen in der Palliativmedizin in Deutschland herangezogen werden.“

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Deutsche Krebshilfe

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de

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