8,1 Millionen Euro für innovatives Forschungsgewächshaus

Ein solches Deep-Water-Gewächshaus soll auf dem Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn entstehen. Die Pflanzen werden in Wasserbecken kultiviert („deep water cultivation“).
© Simon Steiger

Forschung für eine nachhaltigere Pflanzenproduktion: Am Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn entsteht jetzt ein neuartiges Forschungsgewächshaus.

Mit 8,1 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt mit dem Titel START. Partner aus verschiedenen Einrichtungen arbeiten hier in den kommenden vier Jahren interdisziplinär zusammen. Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau des Deep-Water-Culture-Gewächshauses am Campus Klein-Altendorf begonnen werden, damit 2024 der Demonstrationsbetrieb starten kann.

Deep water cultivation: Im neuen Gewächshaus werden die Pflanzen (hier Salatköpfe) direkt in Wasserbecken kultiviert. Durch kleine Löcher in schwimmenden Platten, sogenannten Floats, hängen die Wurzeln in einer Nährlösung, die auf die Bedürfnisse der Pfla
Campus Klein-Altendorf
© Campus Klein-Altendorf / Uni Bonn

Die Produktion von Pflanzen in Gewächshäusern führt zwar zu hochwertigen Lebensmitteln, gilt allgemein jedoch als sehr energieintensiv. Insbesondere unter extremer werdenden klimatischen Bedingungen sind Gewächshäuser jedoch oftmals die einzige Möglichkeit, Pflanzen mit hohen Erträgen heranzuziehen. Hier wollen die Forschenden mit ihrem START-Projekt ansetzen und die Gewächshausproduktion nachhaltiger und ressourceneffizient gestalten – START steht für „Sustainable greenhouse production types and resource efficient technologies for future cultivation“.

Die Ziele: Wasser und Nährstoffe sollen zurückgewonnen und im Kreislauf geführt, Energie über nachhaltige Verfahren gewonnen werden. Darüber hinaus soll das Projekt dazu führen, auf kosten- und energieintensive Substrate komplett zu verzichten. Das soll durch eine moderne Gewächshaustechnik gelingen, bei der die Pflanzen direkt in Wasserbecken kultiviert werden („deep water cultivation“). Durch kleine Löcher in schwimmenden Platten, sogenannten Floats, hängen die Wurzeln in einer Nährlösung, die auf die Bedürfnisse der Pflanzen abgestimmt ist. So können sie sich optimal entwickeln – und zu hochwertigen Lebensmitteln führen.

Erweiterung der Infrastruktur an der Exzellenzuniversität

Errichtet wird das innovative Gewächshaus am Nachhaltigkeitscampus Klein-Altendorf der Universität Bonn, wo die gesamte Gewächshaussteuerung und dessen Management in einer Hand liegen. Projektleiter Prof. Dr. Ralf Pude vom Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) und sein Team werden dort erforschen, was die Pflanzen wirklich brauchen, um nachhaltig gute Qualitäten zu liefern. „Von Temperatur bis Beleuchtung können im Gewächshaus eine Vielzahl von Stellschrauben verändert werden, um dieses Ziel zu erreichen“, betont Ralf Pude, Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Sustainable Futures“ der Universität Bonn.

Um den interdisziplinären Ansatz in die Praxis umzusetzen, arbeitet das Team mit renommierten Institutionen zusammen. Die entsprechende Analytik der Kulturführung übernimmt die in Bonn ansässige HGoTECH GmbH um ihren Geschäftsführer Christian Heck. So könne das Nährstoffmanagement nachhaltig optimiert und die Qualität der Lebensmittel quantifiziert werden. „Aufbauend auf langjähriger Expertise werden so alle Teilbereiche der Pflanzenproduktion in Deep Water Culture beleuchtet – sowohl unter, als auch über der Wasseroberfläche“, sagt Pude.

Nachhaltiger Bau

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, den Umwelteinfluss, der durch Bau und Betrieb des Gewächshauses entsteht, zu ermitteln und zu überwachen. Das Institut für Nachhaltigkeit im Bauwesen der RWTH Aachen unter der Leitung von Prof. Dr. Marzia Traverso führt dazu weitgehende Untersuchungen rund um alle Themen der Nachhaltigkeit durch.

Forschende um Prof. Dr. Matin Qaim vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn widmen sich einem weiteren Forschungsaspekt: Mikronährstoffmangel ist insbesondere im globalen Süden ein massives Problem. Daher untersuchen sie im START-Projekt, ob ein solches Gewächshaus-Konzept zur Minderung von Mikronährstoffmangel beitragen könnte. Hierfür wird die Gruppe rund um Matin Qaim am Fallbeispiel Ghana verschiedenste Studien, auch vor Ort, durchführen.

Darüber hinaus ist der am Campus Klein-Altendorf beheimatete bio innovation park Rheinland e.V. als Partner vertreten. Er dient als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Der Verein beschäftigt sich mit Fragen der Markt- und Akzeptanzforschung. Ein weiteres Ziel: die Gesellschaft über den Fortlauf des Projekts zu informieren und so auf die Kernthemen der nachhaltigen Pflanzenproduktion, Energieautarkie und Lebensmittelversorgung aufmerksam machen.

Nach Ansicht der Forschenden ist der Zusammenschluss zu disziplinübergreifenden Teams mit einem gezielten Wissenstransfer in die Gesellschaft der einzige Weg, um ein solches Großprojekt erfolgreich zu bearbeiten.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Ralf Pude
Professur Nachwachsende Rohstoffe (INRES)
Wiss. Leiter Campus Klein-Altendorf (CKA)
Universität Bonn
Tel.: +49 2225 / 99963-13
E-Mail: r.pude@uni-bonn.de

http://www.uni-bonn.de/

Media Contact

Svenja Ronge Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Nanofasern befreien Wasser von gefährlichen Farbstoffen

Farbstoffe, wie sie zum Beispiel in der Textilindustrie verwendet werden, sind ein großes Umweltproblem. An der TU Wien entwickelte man nun effiziente Filter dafür – mit Hilfe von Zellulose-Abfällen. Abfall…

Entscheidender Durchbruch für die Batterieproduktion

Energie speichern und nutzen mit innovativen Schwefelkathoden. HU-Forschungsteam entwickelt Grundlagen für nachhaltige Batterietechnologie. Elektromobilität und portable elektronische Geräte wie Laptop und Handy sind ohne die Verwendung von Lithium-Ionen-Batterien undenkbar. Das…

Wenn Immunzellen den Körper bewegungsunfähig machen

Weltweit erste Therapie der systemischen Sklerose mit einer onkologischen Immuntherapie am LMU Klinikum München. Es ist ein durchaus spektakulärer Fall: Nach einem mehrwöchigen Behandlungszyklus mit einem immuntherapeutischen Krebsmedikament hat ein…

Partner & Förderer