Öffnung des Europäischen Forschungsraums für den Rest der Welt

Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen „Europas Forschungslabyrinth in einen Europäischen Forschungsraum umformen, der der Welt offensteht, die besten Köpfe anlockt und dazu beiträgt, die globalen Herausforderungen anzugehen“, sagte der für Wissenschaft und Forschung zuständige Kommissar Janez Potocnik bei der Präsentation einer neuen europäischen Strategie für internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie.

Die Strategie verfolgt zwei übergreifende Ziele: Integration von Europas Nachbarn in den Europäischen Forschungsraum (EFR) und Förderung der Zusammenarbeit in strategischen Bereichen mit anderen wichtigen Partnerländern auf der ganzen Welt sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen für internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie insgesamt.

Das Dokument hebt hervor, wie wichtig es ist, Maßnahmen zur internationalen Zusammenarbeit auf Ebene der Mitgliedstaaten und auf EU-Ebene zu koordinieren. „Globale Herausforderungen fordern globale Antworten. In keinem Gebiet gilt dies mehr als in der Wissenschaft“, erklärte Potocnik. „Unsere internationalen Partner werden von Europa als ein Modell für regionale Integration angezogen, aber sie stehen einer Vielzahl von Regierungsakteuren und Forschungsprioritäten gegenüber, wenn sie an einer konkreten Zusammenarbeit interessiert sind.“

Wenn Europa international der Forschungspartner erster Wahl sein möchte, so heißt es in dem Strategiepapier, müsse es sicherstellen, dass es über angemessene, wettbewerbsbasierte Forschungsförderung, erstklassige Infrastrukturen, verstärkte Forschermobilität und geeignete Regeln zum geistigen Eigentum verfügt.

Die Strategie unterstreicht die Bedeutung der Öffnung des EFR für den Rest der Welt. Es wird bemerkt, dass viele Nachbarn Europas jetzt voll mit dem Siebten Rahmenprogramm (RP7) assoziiert sind, was bedeutet, dass sich ihre Forscher auf gleicher Augenhöhe mit Forschern aus EU-Mitgliedstaaten um Fördermittel bewerben können.

Bilaterale Wissenschafts- und Technologieabkommen sind wichtige Hilfsmittel zur Stärkung von Verbindungen mit Ländern, die eines Tages an einer vollen Mitgliedschaft in den Rahmenprogrammen interessiert sein könnten. Darüber hinaus empfiehlt die Europäische Kommission, sich weiter darum zu bemühen, mithilfe dieser Abkommen einen gegenseitigen Zugang zu Forschungsfördermitteln bereitzustellen. Das Strategiepapier nennt auch die Möglichkeit eines regionalen Ansatzes für internationale Zusammenarbeit, wobei gemeinsame Initiativen mit Körperschaften wie dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) oder der Afrikanischen Union verwirklicht werden könnten.

Auch Forschungsinfrastrukturen bilden einen wichtigen Bestandteil der neuen Strategie. Das Europäische Strategieforum zu Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) hat dabei geholfen, eine Debatte zu den Spitzen-Infrastrukturen anzustoßen, die in den kommenden Jahren benötigt werden. Für viele davon sind Pläne zur Realisierung schon weit fortgeschritten. Gleichwohl, so heißt es im Strategiepapier, sei ein stärker strukturierter Ansatz für die Entwicklung weltweiter Forschungsinfrastrukturen notwendig.

Ein weiterer Teil des Dokuments behandelt die Fragen zum Thema Forschermobilität. „Es ist von zentraler Bedeutung, dass in einem Drittland arbeitende europäische Forscher Teil des EFR bleiben“, heißt es dort. Darüber hinaus sollten Forscher aus Entwicklungsländern, die nach Europa kommen, ermutigt werden, zur Entwicklung ihres Heimatlandes beizutragen.

Einen starken Schwerpunkt in der Strategie erhalten Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Europa ist bereits ein Hauptexporteur in diesem Sektor, aber zur Stärkung dieser Position muss noch viel getan werden.

„Zu Zeiten, in denen Telekommunikation, das Internet, Mobiltelefone und das Fernsehen unser Leben und die EU-Wirtschaft zunehmend beeinflussen, ist es wichtig, die Effektivität internationaler Maßnahmen der EU zu Informations- und Kommunikationstechnologien zu verbessern“, sagte die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding.

„Wenn Europa seine weltweite Führungsposition in Wissenschaft und Forschung behalten möchte, müssen wir die wirksamsten Wege zur Zusammenarbeit innerhalb der EU finden und unsere Bereitschaft zur Kooperation mit unseren Partnern weltweit (in die Tat) umsetzen, während wir unsere Prioritäten angehen.“

Diese Strategie zur internationalen Zusammenarbeit ist die letzte von fünf Initiativen, die von der Europäischen Kommission zur Stärkung des EFR auf den Weg gebracht wurden. Die anderen Initiativen wurden im Laufe des Jahres bereits gestartet und betreffen folgende Punke: Umgang von öffentlichen Forschungsorganisationen mit geistigem Eigentum; Förderung von Forschungslaufbahnen und Forschermobilität; Forschungsinfrastrukturen; Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen einzelstaatlichen Forschungsprogrammen.

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